Triebwerksschaden

Notgelandeter A380 kratzt am Ruf von Airbus

Nachdem Flug QF 32 nach Australien in Singapur notlanden musste, müssen Airbus und Rolls-Royce um ihr Image kämpfen.

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Hersteller Airbus tappt bei der Suche nach den Gründen für den Triebwerksausfall noch im Dunkeln. Qantas-Vorstandschef Joyce glaubt, dass es sich wahrscheinlich um einen Materialfehler handelt.

Video: Reuters
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Nach der Notlandung des A380 der Qantas will nicht nur die australische Fluglinie ihre Airbus-Großraumflugzeuge am Boden lassen, um die Triebwerke zu überprüfen. Nach Angaben von Singapore Airlines, die ihre Flüge ebenfalls verschiebt, haben der europäische Flugzeugbauer Airbus und der britische Triebwerkshersteller Rolls-Royce, von dem die Turbinen in Singapur stammten, eine entsprechende Empfehlung abgegeben.

Beide haben zudem Expertenteams nach Singapur geschickt, um die Unglücksursache zu ermitteln. Lufthansa teilte mit, ihre A380 würden planmäßig weiterfliegen. „Wir unterstützen die Untersuchung der Luftfahrtbehörden“, sagte ein Airbus-Sprecher auf Anfrage.

Der Triebwerksschaden ist der bisher größte Zwischenfall bei einem Flug mit dem größten Passagierflugzeug der Welt. Für Airbus geht es um den Ruf, schließlich gilt der A380 als das prestigeträchtigste Aushängeschild des europäischen Flugzeugbauers. Nach Ansicht von Analysten dürfte aber vor allem das Image von Rolls-Royce unter dem Zwischenfall leiden.

Der A380 hat Airbus viel Bewunderung beschert, aber auch hohe Verluste. Während die Fluglinien vor allem die Wirtschaftlichkeit und die hohe Auslastungskapazität des Riesenfliegers rühmen, verliert Airbus mit jedem ausgelieferten Flugzeug Millionen, da allein die Entwicklungskosten des Programms zwölf Milliarden Euro betrugen.

Legendär sind die Probleme mit der Verkabelung. Die Anschlüsse passten bei der Endmontage nicht zusammen. Die Erstauslieferung verzögerte sich um zwei Jahre. Ende 2007 wurde der erste Flieger von Singapore Airlines, ausgerüstet mit dem viermotorigen Triebwerk Trent 900 von Rolls-Royce, in Dienst gestellt.

Die Fluggesellschaft betreibt inzwischen elf A380-Maschinen. Der Riesen-Airbus stößt besonders bei Fluglinien aus dem asiatischen Raum und dem Nahen Osten auf Interesse, da die meisten Airlines dort eine sogenannte Hub-Strategie verfolgen: Sie fliegen große Verkehrsknotenpunkte an und setzen nicht auf Punkt-zu-Punkt-Verbindungen. Daher ist für ihre Strategie ein Flieger wie der A380, der mehr als 500 Passagiere befördern kann, ideal.

Erst im Sommer orderte die Fluggesellschaft Emirates für umgerechnet 9,6 Milliarden Euro 32 zusätzliche A380. Emirates, der mit Abstand größte Kunde, hat insgesamt 90 dieser Flugzeuge bestellt. Sie sind im Gegensatz zu den Maschinen von Qantas und Singapore mit Triebwerken von Engine Alliance ausgerüstet, einem Konsortium, dem neben General Electric (GE) und Pratt & Whitney auch MTU aus Deutschland angehört.

Emirates will deshalb den Flugbetrieb seiner 13 im Dienst befindlichen A380-Maschinen ganz normal aufrechterhalten. Genau wie Air France-KLM, die vier ebenfalls mit Triebwerken von Engine Alliance ausgestattete Großraumflugzeuge betreibt. Lufthansa besitzt drei A380-Flieger mit Triebwerken von Rolls-Royce.

In den Büchern bei Airbus stehen 234 Bestellungen für A380 von weltweit 16 Kunden, davon haben nach Angaben von Rolls-Royce neun die Triebwerke dieses Herstellers ausgewählt. In diesem Jahr will Airbus 20 neue A380 ausliefern.

Für den britischen Triebwerkshersteller, weltweit die Nummer zwei nach GE aus den USA, kommt die A380-Notlandung zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Denn Rolls-Royce streitet seit Monaten mit dem Airbus-Rivalen Boeing, da es Probleme bei der Entwicklung der Triebwerke Trent 1000 für dessen neuen Dreamliner 787 gibt. Diese könnten nach Ansicht von Analysten zu weiteren Verzögerungen bei Boeing führen.

Investoren straften Donnerstag an der Börse sowohl Rolls-Royce als auch den Airbus-Mutterkonzern EADS ab. Die Aktie des Triebwerksherstellers gab zeitweise um 5,42 Prozent auf 619 Pence nach, das EADS-Papier 4,31 Prozent auf 18,20 Euro. Der Airbus-Mutterkonzern dürfte nach Ansicht von Analysten auch dafür abgestraft worden sein, dass der Euro einen neuen Höchststand erreichte.

Da Flugzeuge traditionell in Dollar bezahlt werden, verliert EADS Geld, sobald der Euro-Kurs steigt. Dabei gab es auch gute Nachrichten für Airbus. So bestellte Southern China gerade 30 neue A320-Maschinen. Beobachter rechnen mit weiteren Aufträgen.

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