Kriminalität

Das sind die Warnsignale sexuellen Missbrauchs

Der Kinderschänder von Mayen hat jahrelang unbehelligt Kinder in einem Sportverein trainiert. Den Eltern fiel bei dem 37-Jährigen, der als vertrauenswürdig galt, nichts auf – oder nicht genug für eine Anzeige. Dabei gab es sicherlich Hinweise, sie müssen nur erkannt werden. Diese Ratschläge geben Experten den Eltern in Verdachtsfällen.

Es ist der Albtraum aller Eltern: In einem Sportverein, wo das Kind gut aufgehoben zu sein scheint, sucht sich ein Kinderschänder seine wehrlosen Opfer. Einem solchen Verdacht geht die Staatsanwaltschaft Gießen im Fall eines 37-jährigen Mannes aus der Eifel nach, der als Übungsleiter kleine Jungen im Turnen unterrichtete und der sich jetzt unter dem Druck einer öffentlichen Fahndung den Behörden stellte. Um frühe Hinweise auf einen möglichen Missbrauch ihrer Kinder zu erhalten, raten Experten vom Kinderschutzbund oder dem Göttinger Verein „Gegen Missbrauch“ vor allem eines: nie den Gesprächsfaden mit den eigenen Kindern abreißen zu lassen.

Die Bandbreite sexuellen Missbrauchs ist groß. Er beginnt manchmal schon, wenn ein Kind gegen seinen Willen vom Nachbarn geküsst wird – und kann bis zur Vergewaltigung reichen. Eindeutige Hinweise gibt es daher nur selten. Dies gilt besonders für sprachliche Äußerungen des Kindes. Denn insbesondere kleine Kinder haben oft nicht die Sprache für das, was sie erleben – erst recht nicht, wenn der Täter aus dem Familien- oder Freundeskreis stammt. Meistens signalisieren sie dann aber auf andere Art und Weise, dass etwas nicht stimmt.

Manche Kinder werden traurig und depressiv, andere aggressiv. Stellen Eltern, Erzieher oder Lehrer plötzlich fest, dass sich ein bislang fröhliches Kind zurückzieht und nicht mehr mit anderen spielt, sollten sie hellhörig werden und das Gespräch mit dem Kind beziehungsweise seiner Familie suchen.

Allerdings warnen Experten vor voreiligen Schlüssen. In manchen Phasen wie der Pubertät sei es normal, dass sich Kinder sich zurückziehen.

Weitere Hinweise auf einen Missbrauch können vorliegen, wenn Kinder sich selbst verletzen, andere Kinder zu auffälligen sexuellen Spielen anregen oder extrem oft ihre Genitalien zeigen. Doch auch eine solche Beobachtung muss unbedingt im Zusammenhang betrachtet werden. So interessieren sich beispielsweise Vier- bis Fünfjährige stark für die Geschlechtsmerkmale. Malen sie etwa Figuren mit auffälligen Geschlechtsteilen, kann das einfach von Interesse zeugen.

Haben Eltern oder Erzieher aber dauerhaft das Gefühl, dass etwas nicht stimmt, sollten sie sich professionelle Hilfe holen, die zahlreiche Beratungsstellen und Kinderschutzzentren im vertraulichen Rahmen anbieten.

Sein Kind einfach mehr zu kontrollieren, halten Experten für eine schlechte Idee. Natürlich sollten Eltern sich genau anschauen, wer das Kind – etwa im Sportverein – betreut. Aber einen 14-Jährigen jedes Mal abzuholen oder am Abendbrottisch auszuquetschen, sei keine Lösung. Experten raten vielmehr, ein „angeregtes Klima“ in der Familie zu schaffen. Eine Atmosphäre also, in der jeder von sich erzählt, in der über nette Sachen gesprochen wird – aber auch über das, was schiefläuft. Wer mehr tun möchte, kann im Kindergarten oder in der Schule einen Informationsabend zum sexuellen Missbrauch anregen.