Prozessauftakt

Shanti bestreitet 314-fachen Kindesmissbrauch

Der mutmaßliche Sektenführer Oliver Shanti hat zum Prozessauftakt den Vorwurf des 314-fachen Kindesmissbrauchs abgestritten. Der selbst ernannte Guru soll sich unter dem Deckmantel esoterischer Übungen an Kindern vergangen haben. Neben einer Haftstrafe droht ihm auch die Sicherheitsverwahrung.

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Der wegen vielfachen Kindesmissbrauchs angeklagte Esoterik-Musiker und mutmaßliche Sektenführer Oliver Shanti hat vor dem Münchner Landgericht die Vorwürfe bestritten. „Ich habe keine Kinder missbraucht. Das versichere ich Ihnen“, erklärte er. Die Beschuldigungen gingen auf ein Komplott zurück, sagte der 60-Jährige. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, sich an vier Jungen und zwei Mädchen im Alter zwischen acht bis neun und 14 Jahren vergangen zu haben. Insgesamt sei es zu 314 Übergriffen gekommen.

Laut Staatsanwaltschaft handelt es sich bei den mutmaßlichen Opfern meist um Kinder von Anhängern der Sekte. Shanti soll dabei ausgenutzt haben, dass diese ihn als Vaterfigur sahen. Teilweise habe er die Übergriffe als spirituelle Übungen erklärt. Unter anderem wirft die Anklage Shanti vor, er habe sich von einzelnen Kindern oral oder manuell befriedigen lassen. Die Staatsanwaltschaft zieht in Erwägung, die Anordnung von Sicherungsverwahrung gegen den 60-Jährigen zu beantragen.

In einer von seinem Verteidiger verlesenen Erklärung sprach der Angeklagte von einer Verschwörung gegen ihn. Geschäftspartner und ehemalige Vertraute hätten ihn aus Neid und Missgunst vernichten wollen, um an seinen Besitz zu gelangen.

„Horrende Schweinereien“

Die ihm vorgeworfenen Handlungen bezeichnete der Angeklagte als „horrende Schweinereien“. Mehrfach versicherte Shanti, dass er Kinder liebe und die Kinder ihn liebten. Er selbst sagte, er sei homosexuell und interessiere sich, solange er denken könne, für junge Männer im Alter von „17, 18, 19, 20“.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Shanti seit den 70er-Jahren eine Gruppe von Anhängern um sich geschart hat, die ihn als Guru und geistigen Führer ansahen. Mit ihnen lebte er zunächst in Viechtach im Bayerischen Wald und München. Mitte der 80er-Jahre entstand eine neue Kommune auf einer portugiesischen Finca.

Shanti bestritt, ein Guru oder Sektenführer zu sein. Jeder in der Gruppierung habe geglaubt, was er gewollt habe. Nach Angaben seines Anwalts ist die „Shanti-Familie“ eher mit der Kelly-Family vergleichbar gewesen.

Mit Schutzanzug im Glaskasten

Shanti, der mit bürgerlichem Namen Ulrich S. heißt, saß am ersten Prozesstag in einem Glaskasten und trug einen Schutzanzug, beim Betreten des Gerichtssaales auch eine Gesichtsmaske. Hintergrund ist eine Infektion mit einem Antibiotika-resistenten Keim. Ins Rollen gebracht hatte seinen Fall die Anzeige einer Mutter aus Berlin im Jahr 2002, die ihren krebskranken Sohn für eine Luftveränderung in die Landkommune der Sekte geschickt hatte.

Shanti, dessen Pseudonym übersetzt in etwa „Friede“ bedeutet, hatte unter dem Label „Sattava Music“ zeitweise erfolgreich Meditationsmusik produziert. Nach eigenen Angaben hat er Millionen von Platten und CDs verkauft. Er war jahrelang von Zielfahndern gesucht worden, bevor er 2008 in der deutschen Botschaft in Lissabon verhaftet wurde, als er seinen Reisepass verlängern lassen wollte. Seit Juli vergangenen Jahres sitzt er in Untersuchungshaft.