Ein schweres Erdbeben hat am Samstag im Norden Japans große Schäden angerichtet. Mindestens sechs Menschen wurden getötet, mindestens 144 wurden bei dem Beben der Stärke 7,2 nach Behördenangaben verletzt. Elf Bewohner der vergleichsweise dünn besiedelten Region wurden bei Einbruch der Dunkelheit noch vermisst. Erdrutsche blockierten Landstraßen, was die Rettungsarbeiten erschwerte.

Der für die Bewältigung von Katastrophen zuständige Minister Shinya Izumi erklärte an Ort und Stelle, das Ausmaß der Schäden an Straßen und Brücken sei viel größer, als er erwartet habe. Die Regierung mobilisierte Soldaten, Polizisten und weitere Einsatzkräfte, um die Vermissten zu finden und Verletzte zu behandeln. Ministerpräsident Yasuo Fukida wies sie an, ihre Arbeiten in der Nacht fortzusetzen. Das Verteidigungsministerium entsandte ein Dutzend Hubschrauber, Flugzeuge und 760 Soldaten in die Region. Die Streitkräfte flogen Hilfsgüter in das betroffene Gebiet und brachten Verletzte in Krankenhäuser. Örtliche Medien berichteten, die Zahl der Verletzten übersteige 200.

In einem Atomkraftwerk spritzten 20 Liter Wasser aus zwei Becken, in denen verbrauchte Brennstäbe lagern, wie Kabinettsekretär Nobutaka Machimura erklärte. Das Wasser sei jedoch nicht in die Umwelt gelangt. Zwei Atomkraftwerke mit insgesamt zehn Reaktoren würden inspiziert, es seien zunächst keine Schäden festgestellt worden, sagte Machimura weiter. Die Stromversorger Tohuku Electric Power und Tokyo Electric Power teilten mit, die Atomkraftwerke Onagawa und Fukushima arbeiteten normal. Im Erdbebengebiet waren dennoch 29.000 Haushalte vorübergehend ohne Strom.

Mehr als 150 Nachbeben

Die Erdbebenwarte in Tokio registrierte den ersten Erdstoß um 08.43 Uhr Ortszeit (01.43 Uhr MESZ) in der Präfektur Iwate. Augenzeugen sagten, die Erde habe in der ländlichen Gegend 30 Sekunden lang gebebt. Danach gab es mehr als 150 Nachbeben. Nach Erdrutschen saßen 100 Badegäste in einem Thermalbad fest, wie die Behörden erklärten. Der Fernsehsender HNK zeigte Aufnahmen einer eingestürzten Brücke.

Bei den Toten handelte es sich um einen Mann, der in Panik aus einem schwankenden Haus lief und von einem Lastwagen überfahren wurde. Vier Menschen wurden bei verschiedenen Erdrutschen verschüttet, und ein Bauarbeiter kam ums Leben, als er von einem herabfallenden Stein getroffen wurde.

Abgelegene Dörfer noch nicht erreicht

Ein Behördensprecher in einer der am härtesten getroffenen Städte, Kurihara, sagte, eine genaue Schadensfeststellung sei wegen zerstörter Straßen nur schwer möglich. Abgelegene Dörfer waren auch zwölf Stunden nach dem Beben noch nicht von Rettungskräften erreicht worden.

Iwate liegt rund 400 Kilometer nördlich von Tokio. Das Beben war auch in der Hauptstadt zu spüren. Das Epizentrum lag in etwa acht Kilometern Tiefe. „Es hat so heftig gebebt, dass ich nicht stillstehen konnte. Ich musste mich an die Wand lehnen“, sagte Masanori Oikawa, ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung von Oshu.

Japan ist eine der weltweit am meisten erdbebengefährdeten Regionen. Im vergangenen Juli kamen bei einem Erdbeben der Stärke 6,8 in derselben Region elf Menschen ums Leben. Das Epizentrum lag vor einem Jahr in Niigata, etwas südwestlich von dem des Bebens am Samstag. Damals wurde auch ein Atomreaktor beschädigt. 1995 kamen bei einem Erdbeben in Kobe 6.400 Menschen ums Leben.

AFP/dpa/omi