Die dicken Wolken über Sylt haben sich immer noch nicht verzogen. Und auch die weiteren Aussichten sind eher mau; aber das beunruhigt hier weiter keinen. Man kennt das, man erholt sich auch so. Was man nicht kennt, oder jedenfalls lange nicht mehr so erlebt hat, ist diese Unsicherheit. Schlägt er heute Nacht wieder zu? Und wenn ja, dann wo? Oder gibt es ihn gar nicht? Diesen einen irren Brandstifter, der verantwortlich ist für die Feuer der letzten Tage?

Die Polizei wollte diese Fragen am Mittwoch nicht beantworten; sie kann es wohl auch nicht; es sind viele Beamte vor Ort, aber sie, das bestätigt die zuständige Polizeisprecherin Kristin Stielow, kommen noch nicht so recht weiter. Man hat deshalb am Mittwoch eine Ermittlungsgruppe zusammengestellt, die sich ausschließlich um die Sylter Brandserie kümmern soll.

Fakt ist, dass in der Nacht zum Mittwoch erneut drei Brände gelöscht werden mussten. Und zwar genau in jenem nördlichen Teil Westerlands, in dem bereits die erste Feuerserie begonnen und geendet hatte. Betroffen waren diesmal: die Nordseeklinik, ein Schuppen im Wenningstedter Weg nahe jenem AWO-Altenheim, in dem am Montag ein Bett angezündet worden war, und ein Carport. Alles dicht beieinander gelegen. „Vermutlich“, so sagte es der Westerländer Feuerwehrführer Jörg Elias Morgenpost Online, „ist da wieder einer herumgelaufen.“ Und hat Feuer gelegt. In der Nordseeklinik, wo der Brand dank eines Feuermelders und der Aufmerksamkeit des Klinikpersonals noch vor Eintreffen der Feuerwehr selbst gelöscht werden konnte, sei der Fall, so Elias, jedenfalls klar: Brandstiftung.

Bei dem Schuppen könne man dagegen nicht so sicher sein, da habe es auch elektrisches Gerät gegeben, die Tür sei nicht aufgebrochen worden, das Fenster von der Hitze geschmolzen, die Sachlage eher unklar. Bei dem angekokelten Carport wiederum sei es ziemlich sicher nicht mit rechten Dingen zugegangen.

Man ist jetzt in ständiger Alarmbereitschaft in Westerland. Mit rund 70 freiwilligen Feuerwehrleuten hatte Elias am Dienstagabend in der Wache zusammengesessen, „um die Einsatzkräfte ein wenig zu sensibilisieren“. Worauf man achten solle, wenn man sich einem Brandherd nähert. Ist die Tür aufgebrochen? Riecht es nach Benzin? Man war noch nicht ganz zu Ende, da kam schon der Alarm aus der Nordseeklinik. Es war zehn Uhr abends. „Wir sind dann alle gleich dageblieben.“ Um halb zwei sei dann auch der dritte Brand gelöscht gewesen.

Nicht nur die Feuerwehr ist in Alarmbereitschaft. Am Mittwochnachmittag hat der Leiter des Westerländer Ordnungsamtes, Hans Wilhelm Hansen, alle Leiter von Heimen, Kliniken, Seniorenwohnanlagen der Insel zur Lagebesprechung mit Polizei und Feuerwehr gebeten. Altersheim, Ferienheim, Kinderklinik, Krankenhaus, die Ziele des mutmaßlichen Feuerteufels von Sylt haben es ja in sich. Hansen, der schon die Notunterkünfte für die Gäste des Wenningstedter Hotels „Windrose“ und des Nordseeheims Klappholttal in der Nacht zum Montag organisiert hatte, will auf alle Eventualitäten vorbereitet sein. Wie viele Bettlägerige, wie viele Behinderte gibt es in den Häusern? Wie sieht es mit der Brandschutztechnik aus? Wie viele Menschen sind überhaupt derzeit in den diversen Gemeinschaftsanlagen der Insel untergebracht? „Wir wollen uns aufstellen“, sagt Hansen, der alte Flugzeughangar, in dem man zuletzt rund 400 Menschen versorgt hatte, sei bereits wieder aufnahmebereit. Die Insel wappnet sich.

Auch die Polizei wappnet sich. Sie weiß, dass die Menschen langsam, aber sicher Ergebnisse erwarten bei den Ermittlungen. Am Mittwoch waren Spürhunde auf die Insel gebracht worden, die dafür ausgebildet sind, Brandbeschleuniger zu erschnüffeln. Benzin, Diesel, Petroleum, was es so gibt. So will man feststellen, bei welchen Feuern es sich tatsächlich um Brandstiftung gehandelt hat und bei welchen nicht. Bisher, so Polizeisprecherin Stielow, sei da ja vieles „reine Spekulation“. Brandstiftung oder nicht? Ein Täter? Mehrere Täter? Trittbrettfahrer?

50 Hinweise habe man mittlerweile aus der Bevölkerung erhalten, allen gehe man nach, aber es wird allmählich schwieriger, die Spreu vom Weizen zu trennen. Wo lohnt es sich, den Dingen nachzugehen, wo nicht. Die neue Ermittlungsgruppe soll es richten. Und zusätzliche Kräfte vom Festland, auch für Streifenfahrten in der Nacht. „Wir wollen das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung stärken“, sagt Stielow. Das ist allmählich auch nötig.