Bei einem verheerenden Brand in einer Kindertagesstätte in Mexiko sind mindestens 38 Babys und Kleinkinder ums Leben gekommen. Das Feuer in Hermosillo an der Grenze zum US-Staat Arizona brach in einem benachbarten Reifenlager aus und griff in Windeseile auf den Kindergarten über. In dem ehemaligen Fabrikgebäude gab es nur einen einzigen Ausgang, ein vorhandener Notausgang war verschlossen. Verzweifelte Eltern bangten am Samstag um ihre Kinder, die mit teils lebensgefährlichen Verbrennungen im Krankenhaus behandelt wurden.
Die Feuerwehr schaffte in fieberhafter Eile Kinder durch den Fronteingang der Tagesstätte – die einzige funktionierende Tür – und schlug Löcher in die Außenwände des Gebäudes, um durch die Flammen zu den eingeschlossenen Opfern zu gelangen. Ein Vater durchbrach mit seinem Lieferwagen eine Hauswand. Auch Nachbarn bemühten sich, die Kinder in Sicherheit zu bringen. Für viele kam jedoch jede Hilfe zu spät. „Ich habe die letzte Nacht nicht geschlafen. Ich habe so etwas in meinem ganzen Leben noch nicht erlebt“, sagte Noe Velasquez, der in einem nahe gelegenen Laden arbeitete und bei der Rettung von fünf Kindern half.
Die Zeitung „Reforma“ berichtete, Erzieherinnen seien schreiend durch dichte Wolken schwarzen Rauchs gerannt. Erst nach rund zwei Stunden war das Feuer am Freitag unter Kontrolle; über die Ursache war zunächst nichts bekannt. Präsident Felipe Calderón kündigte umfassende Ermittlungen an und besuchte am Samstag verletzte Kinder und ihre Familien in zwei Krankenhäusern.
Die meisten Opfer erstickten oder starben an Rauchvergiftung. Mindestens 41 Kinder und sechs Betreuer wurden nach Behördenangaben mit zum Teil schweren Verbrennungen in Kliniken gebracht, der Zustand von 15 wurde am Samstag als kritisch beschrieben. Ein schwer verletztes dreijähriges Mädchen wurde in eine Spezialklinik ins kalifornischen Sacramento ausgeflogen, andere wurden zu einer auf Brandwunden spezialisierte Krankenstation in Guadalara gebracht.
Gebäude erst Ende Mai überprüft
Zum Zeitpunkt der Katastrophe befanden sich nach Angaben von Gouverneur Eduardo Bours 142 Kinder im Alter zwischen sechs Monaten und fünf Jahren sowie sechs Erzieher in der Tagesstätte. Dieses Verhältnis entspreche den rechtlichen Vorgaben.
Der Leiter der sozialen Aufsichtsbehörde, Daniel Karam, erklärte, die Kindertagesstätte sei am 26. Mai zum letzten Mal inspiziert worden. Dabei seien keine Sicherheitsmängel festgestellt worden. Karam räumte allerdings ein, dass eine Überprüfung der Sicherheitsbestimmungen sinnvoll sein könnte. Eine Mutter berichtete, der Notausgang des Gebäudes habe aus nicht bekannten Gründen nicht geöffnet werden können.
Verzweifelte Eltern vor Krankenhäusern
Vor den Krankenhäusern in Hermosillo versammelten sich verzweifelte Eltern und warteten in Tränen aufgelöst auf Informationen über das Schicksal ihrer Kinder. Die meisten der Getöteten wurden bis Samstag identifiziert. Auf dem Bürgersteig vor der Kindertagesstätte lagen zahlreiche teils verkohlte Kindersitze. Durch die Löcher in der Hauswand waren die verbrannten Überreste von kleinen Bettchen zu sehen.
Die Eltern der zweijährigen Maria Magdalena Millan nahmen am Samstag Abschied von ihrer Tochter und legten weiße Rosen auf ihren Sarg. Die 60-jährige Delfina Ruelas sagte, ihr Enkel sei seinen Brandverletzungen am Samstag erlegen, drei Tage nach seinem vierten Geburtstag.
Calderón entsandte 15 auf Behandlung von Brandwunden spezialisierte Ärzte und medizinisches Spezialgerät nach Hermosillo, der Hauptstadt des nordmexikanischen Staates Sonora. Das Justizministerium wurde mit der Leitung der Ermittlungen zur Brandursache beauftragt.
AP



