Ein von der Stadt Duisburg beauftragtes Gutachten zur Loveparade-Katastrophe hat nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung keine Pflichtverletzungen auf Seiten der Kommune festgestellt.

Vielmehr deute nach Durchsicht von 35 Aktenordnern vieles daraufhin, dass Dritte die Auflagen der Stadt nicht korrekt umgesetzt hätten – so das externe Gutachter-Büro laut dem vorab übermittelten Bericht der Zeitung. Die Stadt Duisburg macht der Polizei im Zusammenhang mit der Katastrophe Vorwürfe.

Wie „RP-Online“ schreibt, habe man auf Pressebildern erkennen können, dass am Veranstaltungstag Einsatzfahrzeuge der Polizei in der Nähe der Rampe am Tunnel geparkt hätten. "Die Fläche war in dem der Baugenehmigung zugrunde liegenden Plan als Fluchtweg 15 gekennzeichnet und damit nicht als Abstellfläche für Fahrzeuge vorgesehen", zitiert „RP-Online“ aus dem Bericht. Die Breite der Rampe sei durch die Polizeiautos und den Zaun deutlich reduziert worden. Ob die Aufnahmen vor oder nach der Katastrophe aufgenommen wurden, wird nicht erwähnt.

Wie die „Bild“-Zeitung berichtet, sollte die Rampe ab 15 Uhr als Ausgang dienen. Ab 16 Uhr ging hier eine Polizeikette in Stellung „Daraufhin stauten sich von oben und von unten die Menschen“, schreibt die Zeitung.

Der nordrhein-westfälische Landtag beschäftigt sich erstmals mit dem tödlichen Verlauf der Loveparade. Bei der Sondersitzung des Innenausschusses in Düsseldorf wird unter anderem NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) polizeiliche Zwischenergebnisse zu der Katastrophe mit 21 Toten vom 24. Juli vorstellen. Wesentliche Enthüllungen sind von dieser Seite allerdings wohl nicht zu erwarten, da die Ermittlungen der Duisburger Staatsanwaltschaft nicht durch Veröffentlichungen behindert werden dürfen.

Trotz massiver Rücktrittsforderungen muss Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) derzeit offenbar keine Abwahl fürchten. Nach jetziger Lage der Dinge werde die CDU-Fraktion einen Abwahlantrag geschlossen ablehnen, sagte CDU-Ratsmitglied Rainer Enzweiler.

Falls Sauerland im Stadtrat über seine eigene Entlassung nicht mitstimmt, wäre ein Abwahlantrag bei geschlossenen Reihen seiner eigenen Fraktion und mindestens einem weiteren Votum eines Ratsmitgliedes dennoch abgelehnt. Es gebe drei Stimmen aus anderen Fraktionen, die sicher für Sauerland seien, sagte Enzweiler.

Wie auch andere Unionspolitiker legte Bundesinnenminister Thomas de Maizière dem Duisburger Oberbürgermeister einen Rücktritt nahe. Zwar sollte sich niemand hinter Sauerland verstecken. „Trotzdem weiß er wohl selber, dass er nicht im Amt bleiben kann“, sagte der CDU- Politiker der „Bild“-Zeitung.

Als Lehre aus der Tragödie bei der Raver-Party sollten die Bundesländer nach Ansicht von de Maizière die Möglichkeit erhalten, Großveranstaltungen zu untersagen – wenn sie eine Kommune für überfordert halten. „Entweder sie verbieten die Veranstaltung in so einem Fall oder sie übernehmen selbst die Durchführung und Verantwortung.“ In Deutschland hätten Kommunen größte Erfahrung mit Großveranstaltungen, sagte de Maizière. „Aber es gibt eben auch Fälle, in denen eine Stadt sich zu viel zutraut.“

lk/dpa