Loveparade-Katastrophe

Demonstranten in Duisburg fordern OB-Rücktritt

Demonstranten haben in Duisburg der Opfer der Massenpanik auf der Loveparade gedacht und den Rücktritt des Oberbürgermeisters gefordert. Der frühere Bundesinnenminister Gerhart Baum rät schon jetzt zur kollektiven Schadenersatzforderung.

Foto: REUTERS

Mehrere hundert Menschen haben vor dem Duisburger Rathaus gegen das Verhalten der Stadtverwaltung bei der Organisation der Loveparade protestiert. Der Organisator der Kundgebung forderte den Rücktritt von Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU). „Sie haben alle Warnungen missachtet, keiner hier will Sie noch als Oberbürgermeister haben“, sagte der Duisburger Markus Schröder. Mehrmals skandierte die Menge: „Sauerland muss weg.“ Mehrere Redner forderten die Stadtverwaltung auf, stärker zur Aufklärung der Massenpanik vom Wochenende beitzutragen, bei der 21 Menschen umkamen. „Wir wollen keine Rache, wir wollen nur endlich wissen, wer die Verantwortung trägt.“

Auf Plakaten warfen Teilnehmer den Veranstaltern vor, aus Profitgier Sicherheitsbedenken im Vorfeld der Veranstaltung missachtet zu haben. Nach Ende der Kundgebung legten die Demonstranten eine Schweigeminute ein und zogen weiter in die Duisburger Innenstadt.

Kurz vor Beginn der Veranstaltung äußerte der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger Verständnis für die Demonstration: „Die Leute trauern und sind wütend, dass die Verantwortung hin und her geschoben wird“, sagte der in Duisburg wohnende SPD-Politiker am Rande der Kundgebung. Zugleich wies er noch einmal die Kritik des Duisburger Baudezernenten Jürgen Dressler an der Polizei zurück. Dressler hatte der „Rheinischen Post“ gesagt, die Polizei sei für die Sicherheit im Tunnelbereich an der Unglücksstelle verantwortlich gewesen. „Ich weiß nicht, wie Herr Dressler dazu kommt“, sagte Jäger. „Es war eindeutig festgehalten, dass für das Veranstaltungsgelände, den Tunnel und die Zugangsrampe allein der Veranstalter verantwortlich war.“ Auch den Vorwurf Dresslers, die Polizei habe Fluchtwege blockiert, könne er nach bisherigem Ermittlungsstand nicht bestätigen.

Concorde-Opfer-Anwalt gibt Ratschläge

Der frühere Bundesinnenminister Gerhart Baum riet den Hinterbliebenen der Opfer und den Verletzten, sie sollten rasch zusammenschließen. Er könne nur empfehlen, schon jetzt klare Zusagen auf Schadenersatz von den Verantwortlichen einzufordern, sagte der FDP-Politiker. „Später, wenn es zu Prozessen kommen sollte, ist das immer sehr, sehr schwierig.“

Baum regte zugleich einen Opferfonds an. Der Staat, das Land Nordrhein-Westfalen und die Stadt Duisburg könnten einen solchen Fonds schaffen, um Ausfälle auszugleichen, die möglicherweise durch Zahlungsunfähigkeit des Loveparade-Veranstalters entstehen könnten. „Das muss aber alles jetzt verhandelt werden. In einigen Wochen ist das alles vergessen.“

Baum hatte als Anwalt Opfer der Concorde-Absturzes und der Ramstein-Katastrophe vertreten. „Meine Erfahrung ist, dass der Staat ein schwieriger Ansprechpartner ist. Trotz aller Bekundungen nach einer Katastrophe ist die Umsetzung der Absichten, nämlich den Opfern Genugtuung widerfahren zu lassen, sehr schwierig. Dann treten plötzlich bürokratische Hemmnisse auf, und auch juristische Barrikaden werden aufgebaut.“

Auf dem amerikanischen Luftwaffenstützpunkt Ramstein (Rheinland- Pfalz) waren 1988 bei einer Flugschau 70 Menschen ums Leben gekommen. Beim Absturz der Concorde starben vor zehn Jahren 113 Menschen, darunter 97 Deutsche.