Die nordrhein-westfälische Landesregierung erhebt heftige Vorwürfe gegen die Veranstalter der Love-Parade und die Stadt Duisburg. Der Veranstalter habe die Vorgaben seines eigenen Sicherheitskonzeptes nicht eingehalten, sagte NRW-Innenminister Ralf Jäger in Düsseldorf.

Dadurch habe sich die Lage zugespitzt, der Veranstalter habe dann die Polizei zu Hilfe gerufen. Unerträglich sei die Tatsache, „dass Verantwortung von Seiten des Veranstalters der Loveparade und der Stadt als Genehmigungsbehörde abgeschoben wird und zwar bevor alle Fakten bekannt sind“, sagte der SPD-Politiker.

Nach Angaben des Polizei-Inspekteurs Dieter Wehe bildete sich im einzigen Zugang zum Festgelände – einem Tunnel – ein Stau. Es seien immer mehr Menschen in dieses Nadelöhr geströmt. Als die Lage kritisch wurde, seien die Ordner des Veranstalters angewiesen worden, die Zugänge vor dem Tunnel zu schließen.

Dies sei jedoch nicht geschehen. Gleichzeitig sei der Weg aus dem Tunnel auf das Festgelände blockiert gewesen, da dort eine Menschenmenge den Weg aus dem Tunnel nicht frei machte. Nach dem Sicherheitskonzept der Veranstalter hätten aber Ordner - sogenannte Pusher – die Menschen dazu bringen sollen, auf die Freifläche zu gehen.

Als die Situation außer Kontrolle geriet, habe der Veranstalter die Polizei zu Hilfe gerufen, betonte Wehe. Zu dieser Zeit sei der Druck der Massen im Bereich des Übergangs vom Tunnel auf eine Rampe zum Festgelände unerträglich geworden.

Viele Menschen hätten über eine Treppe am Tunnelausgang zu fliehen versucht. „Ausschließlich am Fuß der Treppe erhöhte sich der Druck so stark, dass es zu den Todesopfern kam.“ Diese seien nach derzeitigen Erkenntnissen in der Menschenmenge erstickt, erklärte Wehe, dem dabei die Stimme versagte.

Innenminister Jäger betonte, die Verantwortung für die Geschehnisse auf dem Festgelände und damit für die Todesopfer trage allein der Veranstalter. Dies verhalte sich ähnlich wie die Aufsicht in Stadien bei Fußballspielen. Die Verantwortung für die Genehmigung der Loveparade habe die Stadt. Wehe wies darauf hin, dass der Veranstalter und die Stadt von der Polizei im Vorfeld auf Sicherheitsbedenken im Bereich des Tunnels hingewiesen worden seien.

Der Polizei sei erst am Tag der Loveparade auf Nachfrage die Erlaubnis für die Veranstaltung ausgehändigt worden, sagte Wehe. Demnach seien höchsten 250.000 Besucher zulässig gewesen. Außerdem werde in der Genehmigung eine Unterschreitung der gesetzlich vorgegebenen Breite und Länge der Rettungswege gestattet.

Nach der Massenpanik bei der Loveparade war die Zahl der Toten am Mittwoch auf 21 gestiegen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Unbekannt wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen Körperverletzung.

Reuters/ab