An seinem größten Tag sorgt Deutschlands Vorzeige-Fußballer nicht nur bei seiner Braut für Tränen. Gerade einmal 13 von 75 Kindern des Kindergartens Am Weiher im bayerischen Aying dürfen zusehen, wie Philipp Lahm seine Verlobte Claudia Schattenberg morgens am Rathaus vorbei ins Standesamt führt, dabei hatten alle 75 dabei sein wollen. Noch dazu gibt sich der Aushilfskapitän der deutschen Nationalmannschaft sehr reserviert, wie er das auch schon bei seiner Wiederkehr am Frankfurter Flughafen getan hatte.

Anscheinend war es Philipp Lahm mit seiner Absicht sehr ernst, im kleinsten Familien- und Freundeskreis heiraten zu wollen. Auch seine Garderobe ist alles andere als pompös geraten: nougatfarbene Hose, schwarzes Hemd, kein Sakko. Die Braut hat sich für ein nougatfarbenes Hängerkleidchen entschieden. Gerade mal ein Dutzend Dorfbewohner spielen am Rathaus Zaungäste, Münchner Fans des Bayern-Spielers sucht man vergebens.

Genauso wie Promis oder Fußballer-Kollegen – ausgenommen ist nur der FC-Bayern-Kollege Andreas Ottl – unter den knapp 20 Gästen. Als Trauzeugen fungieren die älteren Schwestern der Brautleute, Melanie Lahm und Birgit Schattenberg. Die Zeremonie nimmt der parteilose Bürgermeister Johann Eichler vor.

Warum sich das Münchner Paar ausgerechnet für das Dorf mit dem berühmten Bier entschieden hatte, weiß niemand zu sagen. Wahrscheinlich hatten die beiden Großstädter einfach nur Sehnsucht nach bayerischer Idylle mit Zwiebelturm, weiß-blauem Himmel und Blaskapelle. Die Idylle wird heute aber noch gestört, weil aus dem fernen Leverkusen Michael Ballack verlauten lässt, er und niemand anderes sei der Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Lahm kommentiert das heute nicht offiziell.

Knapp 30 Minuten dauert der offizielle Akt der Trauung, dann tragen sich die beiden in das Goldene Buch der Gemeinde ein. Zu den Klängen des Bayerischen Defiliermarsches geht die Hochzeitsgesellschaft die rund 500 Meter zum Hotel- und Gasthof „Aying“. Um 14 Uhr dann der Höhepunkt: Rund 150 Presseleute und ebenso viele Einwohner säumen die Wallfahrtskirche Sankt Emmeram im benachbarten Kleinhelfendorf.

Während der Bräutigam mit den Gästen im Reisebus vorfährt (und lautlos in der Kirche verschwindet), kommt die Braut in einer Maybach-Limousine aus dem Jahr 1939 vorgefahren. Gekleidet in einen champagnerfarbenen Traum aus Tüll und sehr viel Glitzersteinchen, die Hochsteckfrisur unter einem kurzen Schleier. Die Menge jubelt – aber wieder kommt kein Lächeln. „Auf der Rampe hätte sie doch mal herschauen können“, sagt eine Einwohnerin.

Kirchlich wird das Paar von Rainer Maria Schießler getraut, der ist Münchner Stadtpfarrer von Sankt Maximilian und Fan des TSV 1860 München. Der 49-jährige Pfarrer hält nur einen Wortgottesdienst ab, da Lahm evangelisch und Schattenberg katholisch ist. Die Brautleute hatten sich aus der Bibel das „Hohelied der Liebe“ ausgesucht, aus dem ersten Brief von Paulus an die Korinther.

Das passt, bei Paulus geht es um einen Rückzug ins Private – wie bei den beiden ja auch. Mit fester Stimme geloben sich die beiden ewige Treue. Als Überraschungsgast Reamonn kommt und „The Only Ones“ singt, fließen bei Lahms die Tränen. Nach gut einer Stunde ist der Festakt vorbei, und das Paar zeigt sich lächelnd den wartenden Besuchern. In neun Kutschen tritt die rund 100-köpfige Hochzeitsgesellschaft die Rückfahrt in den Gasthof „Aying“ an. Dort wartet bereits das Menü von Küchenchef Michael Kaiser. Unter anderem gibt es Bayerisches Milchkalb.

Lahm hatte sich typische Hochzeitsspiele und ein Brautentführen verbeten, den Hochzeitswalzer allerdings, den tanzt das Paar. Und am Ende war es ein einfaches Fest – ganz wie es sich Herr und Frau Lahm gewünscht hatten.