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Unwetter bringen Unmengen Regen und Sturm

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Nach Extremtemperaturen hofften viele auf eine kalte Dusche. Hitzegewitter brachten oft mehr – überflutete Keller und gesperrte Straßen.

Vollgelaufene Keller, umgestürzte Bäume, blockierte Straßen und Bahngleise: Nach der großen Hitze haben Unwetter im Südwesten und in Nordrhein-Westfalen in der Nacht zum Sonntag erhebliche Schäden angerichtet. Mehrere Menschen wurden verletzt, Blitze schlugen in Häuser ein und setzten Dachstühle in Brand. Auch so manche WM-Party endete trotz des Traumergebnisses für die deutsche Mannschaft mit einer kalten Dusche. Zwar erwarten die Meteorologen auch für Montag noch weitere Schauer und Gewitter. Danach gibt es aber wieder Sommer pur mit Temperaturen bis 30 Grad und mehr.

In Remagen in Rheinland-Pfalz erlitt ein 48-jähriger Feuerwehrmann in einem vollgelaufenen Keller einen lebensgefährlichen Stromschlag, zwei Kameraden mussten nach einem anderen Einsatz ambulant versorgt werden. Im Kreis Mainz-Bingen verletzten umherfliegende Sonnenschirme zwei Menschen. In Bielefeld traf ein herabstürzender Ast einen 53- jährigen Radler und verletzte ihn schwer. Ein Fußgänger wurde leicht verletzt.

In Rheinland-Pfalz stürzten Bäume auf geparkte Autos, Dächer wurden abgedeckt. Von einem Stromausfall waren in Westerburg im Westerwald rund 1500 Haushalte betroffen – ausgerechnet während der WM-Übertragung blieb der Bildschirm etwa zwei Stunden lang schwarz. Ein umgestürzter Baum hatte die Hochspannungsleitung beschädigt. Im Rheintal wurde die Bundesstraße 9 bei Bacharach von Geröllmassen blockiert, umgestürzte Bäume stoppten den Verkehr auf der Bahnstrecke zwischen Remagen und Bonn.

Auch der Kölner Dom wurde zweimal vom Blitz getroffen, ein Feuer brach aber entgegen ersten Befürchtungen nicht aus. Die Feuerwehr in Essen meldete allein rund 240 Einsätze wegen vollgelaufener Keller. Die Autobahn A40 stand auf einer Strecke von 150 Metern gut einen Meter unter Wasser. Stundenlang war die Fahrbahn gesperrt. Nach einem heftigen Gewitter mussten die Stadtwerke Bonn am Abend 200 Haushalten den Strom abschalten. Ein Bach war dort über die Ufer getreten und in viele Keller geströmt, wo sich Anschlusskästen befanden.

Zuvor hatte die sengende Hitze vielerorts verdorrtes Gras in Flammen aufgehen lassen. Allein von Samstag bis Sonntagmittag musste die Berliner Feuerwehr rund 100 Mal zum Löschen von Wiesen und Grünstreifen ausrücken. Feuerwehren aus Niedersachsen und Schleswig- Holstein löschten einen Flächenbrand auf der Elbinsel Hanskalbsand.

Die höchsten Temperaturen registrierte der Deutsche Wetterdienst am Samstag im Raum Osnabrück mit rund 37 Grad. „Am Montag bleibt der Südosten Deutschlands labil und feucht. Dort können sich immer wieder Schauer und Gewitter bilden“, sagte Meteorologe Martin Jonas. Insgesamt bleibe es in der neuen Woche aber in ganz Deutschland sommerlich, ab Donnerstag seien wieder 30 Grad und mehr drin.

Chaos in Baden-Württemberg

Ein heftiges Unwetter hatte am frühen Sonntagmorgen in Teilen Baden-Württemberg für Chaos gesorgt. Im Ortskern von Schwieberdingen (Kreis Ludwigsburg) stand das Wasser bis zu 1,50 Meter hoch. Neben dem Rathauskeller und vier Tiefgaragen wurden etwa 200 Keller in Privathäusern überflutet. Zahlreiche Autos standen bis zum Dach im Wasser. In Ditzingen wurde die Kläranlage überschwemmt.

Besonders schwer traf es auch das Stadtgebiet von Leonberg (Kreis Böblingen). Dort standen nahezu 100 Keller unter Wasser. Die Feuerwehr war in Zusammenarbeit mit dem Technischen Hilfswerk im Dauereinsatz. In Höfingen setzt ein Blitz ein Wohnhaus in Brand. Verletzt wurde niemand, der Sachschaden liegt bei 60.000 Euro. Im Großraum Stuttgart sorgten Wolkenbrüche für zahlreiche mit Wasser vollgelaufene Keller, überflutete Straßen und kleinere Erdrutsche.In wenigen Stunden musste die Feuerwehr über 80 Einsätze leisten. Der Tunnel im Bereich der Bundesstraße 27a musste wegen Hochwasser gesperrt werden.

Volle Keller bei Porsche

Beim Autobauer Porsche im Stuttgarter Stadtteil Zuffenhausen liefen in einem Gebäude die Keller voll. „Das Wasser stand hüfthoch“, sagte ein Sprecher. Dort sei das Ausbildungszentrum und die Ersatzteilproduktion untergebracht. Die Sportwagen-Produktion war nicht betroffen. Es sei ein erheblicher Gebäudeschaden entstanden, hieß es. Bereits vor einem Jahr hatte ein Unwetter einen hohen Schaden bei Porsche angerichtet.

Die heftigen Gewitter hatten auch Blitzeinschläge in Wohnhäuser zufolge. In Gerlingen (Kreis Ludwigsburg) fiel daraufhin der Strom aus, in Balingen (Zollernalbkreis) brannte ein Dachstuhl. Die Polizei meldete dort auch mehrere umgestürzte Bäume. Im Großraum Freiburg meldete die Polizei 37 geflutete Keller. In der Nähe von Rottweil fluteten heftige Regenfälle eine Turnhalle. Die Feuerwehr versuchte mit Wassersaugern die Halle trocken zu legen. Am Autobahnkreuz Leonberg erlag zeitweise der Verkehr. Auf der Überleitung von der A 8 auf die A 81 war die Fahrbahn mit Schlamm bedeckt. An der Anschlussstelle Herrenberg gab es einen Unfall, bei dem zwei Menschen verletzt wurden.

Auch anderswo in Europa machte das Wetter den Menschen zu schaffen. In der Schweiz wurden nach einem heftigen Gewitter am Samstagabend die Bernina-Passstraße und die Gleise der Rhätischen Bahn verschüttet. Der Bahnbetrieb zwischen dem Engadin und dem Puschlav ist bis auf weiteres unterbrochen. Im Süden der Niederlande bekämpften Feuerwehrleute weiterhin einen Heidebrand bei Helmond. Nach Medienberichten machten Brandnester das Ersticken des Feuers schwierig, vergeblich hatte die Feuerwehr auf Regen gehofft. Für die Überschwemmungsgebiete in Ost-Rumänien, in denen in den vergangenen elf Tagen 23 Menschen ums Leben gekommen waren, boten vier EU-Staaten ihre Hilfe an.