Hitzewelle

Deutschland steckt im Schwitzkasten – noch

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Foto: dpa

Es ist das heißeste Wochenende 2010: Bei über 37 Grad wurde am Samstag unsere WM-Elf gefeiert. Nun soll eine Gewitterfront Abkühlung bringen.

Bei Temperaturen bis 37 Grad hat es die Menschen am Samstag in Scharen an Strände und Seen, in Eisgeschäfte und auf schattige Plätze in Parks gelockt. Hunderttausende drängten sich über den glühenden Asphalt der Fanmeilen zum WM-Duell Deutschland gegen Argentinien. Vermehrt mussten Feuerwehrmänner zu Bränden im Freien ausrücken und Rettungsdienste Hitzegeschwächten wieder auf die Beine helfen. Anderenorts entluden sich schwere Hitzegewitter und sorgten für eine kräftige Dusche. Nach einer leichten Abkühlung erwarten die Meteorologen in der zweiten Wochenhälfte eine neue Hitzewelle.

Zwischen Hoch „Yari“ und einem kräftigen Tief über Island liegt Deutschland im Schwitzkasten der heißen Luft, die aus dem Mittelmeerraum und Nordafrika nach Europa strömte. Mit Höchstwerten zwischen 27 Grad im Westen und 32 Grad im Osten erwartete der DWD am Sonntag nicht mehr so eine Gluthitze wie zuletzt.

Während es im Norden und Westen am Sonntag meist heiter und trocken bleibt, müssen die Menschen in den übrigen Landesteilen mit starken Gewittern rechnen. Auch für Montag und Dienstag sind Gewitter und Schauer angekündigt. In den Nächten sollen die Temperaturen Anfang der neuen Woche wieder auf unter 20 Grad sinken.

Viele Schwächanfälle wegen der Hitze

Vielerorts machte die Hitze den Menschen zu schaffen: Trotz einer Warnung starteten 4300 Sportler in Schwerin zum traditionellen Fünf-Seen-Lauf. Mehr als 40 Teilnehmer brachen zusammen, zwei von ihnen kamen mit einer lebensbedrohlichen Überhitzung in eine Klinik. Bei der Warnemünder Woche zogen beim traditionellen „Niegen Ümgang“ rund 3000 Teilnehmer in historischen Kostümen durch die Gassen.

„Die hatten aber hochrote Gesichter“, sagte eine Sprecherin. Eine Frau habe einen Schwächeanfall erlitten, auch ein Pferd sei beinahe zusammengebrochen. Beim Landesmusikschultag in Ludwigslust stand bei den Aufführungen der Schüler in praller Sonne zur Sicherheit ein Eimer Wasser bereit. „Wir haben Angst, dass uns einer abklappt“, sagte eine Sprecherin.

Zum WM-Glück der deutschen Mannschaft gesellte sich Wetter-Pech für die Fans in Nordrhein-Westfalen. In weiten Teilen des Landes passten Gewitter, starker Regen und Sturmböen nicht zum Ausgang des Spiels. In den Kölner Dom schlugen zwei Blitze ein, es kam zu einem Kurzschluss, aber nicht zu Schäden. Unterdessen stieg die Gefahr von Waldbränden. In Lüneburg und Hildesheim starteten die Flugzeuge der Feuerwehr am Samstag erneut zu Kontrollflügen. Mit den Stufen 4 und 5 besteht vor allem in der Lüneburger Heide höchste Brandgefahr, teilte ein Sprecher der Rettungsleitstelle mit.

Notfälle und Stausorgen

In Augsburg rettete ein Zwölfjähriger einen Schwimmer vor dem Ertrinken. Der Junge bemerkte, wie der 42- Jährige etwa 30 Meter vom Ufer eines Badesees entfernt plötzlich unter Wasser verschwand. Geistesgegenwärtig paddelte er auf seinem Surfbrett zu dem Mann und zog ihn auf sein Brett. Gemeinsam mit den aufmerksam gewordenen Rettungskräften brachte er den Schwimmer ans Ufer.

Der Start in den Urlaub oder Wochenendausflug wurde für viele Autofahrer zur Geduldsprobe. „Es ist voll aber nicht hoffnungslos“, sagte ein Sprecher der Verkehrsüberwachung in Kiel. Der Verkehr stockte auf den Zufahrten zu den Ostsee-Inseln und auch auf einigen Verbindungen in Bayern. Fahrbahnschäden verursachte die Hitze unterdessen auf der Autobahn 7 im Süden Niedersachsens. Bei mehr als 30 Grad Celsius hatten sich mehrere Betonplatten bei Seesen gegeneinander hochgedrückt, teilte die Polizei mit.

Wer bei den extremen Temperaturen unterdessen auf hitzefrei bei der Arbeit hofft, ist schlecht beraten. „Es gibt arbeitsrechtlich kein Hitzefrei“, sagte der Sprecher des Bundesarbeitsgerichts (BAG) in Erfurt, Christoph Schmitz-Scholemann. Laut Paragraf 618 des Bürgerlichen Gesetzbuches sei der Arbeitgeber nur verpflichtet, den Arbeitsplatz so einzurichten, dass für das Leben und die Gesundheit der Arbeitnehmer keine Gefahr besteht.

Auch andere Ländern wird gelitten

Auch anderswo in Europa litten die Menschen unter Hitze, Unwetter und Überschwemmungen. In Rumänien stieg die Zahl der Todesopfer in Folge der Überschwemmungen der vergangenen zehn Tage auf 23. Im Süden der Niederlande geriet nach Medienberichten ein Heidegebiet bei Helmond in Brand.

Das Feuer auf einer Fläche von 150 Hektar war am Samstag allerdings unter Kontrolle, zwei Menschen kamen mit Atemproblemen in eine Klinik. In einem Freibad in der Slowakei wurde eine 53-jährige Frau am Freitagabend von einem Blitz erschlagen. Sie hatte bei Gewitter trotz Warnung unter einem Baum Schutz gesucht.

Die Aussichten

Zum Wochenstart wird es auch im Osten deutlich kühler. Zum Montag gibt es im Südosten und Osten örtliche Gewitter. Es bleibt unbeständig, wobei aber durchaus die Sonne auch einmal länger scheinen kann. Erst in der zweiten Wochenhälfte wird es dann wieder heiß.

Im Südosten ist mit Gewittern zu rechnen. Im übrigen Land ist es zunächst heiter, später ziehen in der Nordhälfte Wolken auf, und örtlich gibt es Schauer oder Gewitter.

Am Dienstag soll es im Osten anfangs noch einzelne Schauer oder Gewitter geben. Ansonsten bleibt es im ganzen Land heiter und trocken. Im Norden sind Temperaturen zwischen 20 und 25 Grad zu erwarten, in der Südhälfte zwischen 25 und 30 Grad.

( dpa/kami )