Nach der gewaltsamen Befreiung des US-Kapitäns Richard Phillips vor der somalischen Küste hat der Anführer der Piraten den USA mit Vergeltung gedroht. In einem Telefonat sagte der in der somalischen Stadt Eyl ansässige Piratenchef Abdi Garad, der Tod von drei seiner Männer werde gerächt. Seine Leute würden künftig vor allem US-Bürger, die in den Gewässern vor Somalia unterwegs sind, angreifen. Garad kündigte an, dass die Piraten sich dazu auch sehr weit von somalischen Gewässern entfernen würden.


„Diese amerikanischen Lügner haben unsere Freunde getötet, die akzeptiert hatten, die Geisel ohne Lösegeld freizulassen, aber ich sage Ihnen, dass diese Angelegenheit Vergeltungsmaßnahmen nach sich ziehen wird, und wir werden vor allem amerikanische Bürger, die in unseren Gewässern unterwegs sind, verfolgen“, sagte Garad. Die Piraten würden ihre „Angriffe verstärken, auch sehr weit von somalischen Gewässern entfernt“, kündigte Garad an. „Und das nächste Mal, wenn wir einen Amerikaner fangen, hoffe ich, dass sie kein Mitleid von uns erwarten.“

Nach fünf Tagen in der Gewalt von Piraten wurde der 53-jährige US-Kapitän Richard Phillips am Sonntag von der US-Marine befreit. Folgende Chronik dokumentiert den Ablauf der Ereignisse:

Mittwoch, 08.04.:

Somalische Piraten versuchen, den unter US-Flagge fahrenden Frachter „Maersk Alabama“ zu entführen. Kapitän Phillips vereitelt den Versuch, indem er seine Mannschaft anweist, sich in einem Raum einzuschließen, wie die Besatzung später Angehörigen in den USA sagt. Die Besatzung überwältigt anschließend einige der Piraten. Phillips ergibt sich den Seeräubern, um seine Männer zu schützen. Vier der Piraten flüchten mit ihm in einem geschlossenen Rettungsboot. –

Donnerstag, 09.04.:

Der US-Zerstörer „USS Bainbridge“ trifft in dem Seegebiet ein, weitere Schiffe der US-Marine sind auf dem Weg. Die US-Bundespolizei FBI arbeitet mit den Streitkräften zusammen, um eine Freilassung des Kapitäns zu erreichen.

Freitag, 10.04.:

Kapitän Phillips unternimmt einen Fluchtversuch. Er versucht, schwimmend zur „USS Bainbridge“ zu gelangen, wird von den Piraten aber wieder gefangengenommen.

Samstag, 11.04.:

Die 19-köpfige Besatzung der „Maersk Alabama“ trifft ohne ihren Kapitän mit dem Schiff im Hafen von Mombasa in Kenia ein.

Sonntag, 12.04.:

Die US-Marine befreit Phillips, er bleibt unverletzt. Drei Piraten werden von Scharfschützen getötet, ein weiterer Pirat wird festgenommen.


Das Schicksal der fünf Deutschen, die vor Somalia von Piraten auf dem Frachter „Hansa Stavanger“ festgehalten werden, ist weiterhin unklar. Der Krisenstab des Auswärtigen Amtes bemühe sich nach wie vor intensiv um eine Lösung des Falles, sagte eine Sprecherin am Montag in Berlin. Details nannte sie nicht. Die Deutschen werden zusammen mit 19 anderen Seeleuten auf dem Containerschiff festgehalten.

Bei den deutschen Staatsbürgern auf der „Hansa Stavanger“ handelt es sich nach Angaben des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ um den Kapitän und vier leitende Schiffsoffiziere. Das Containerschiff war am 4. April rund 400 Seemeilen vor der somalischen Küste von Seeräubern gekapert worden.

AFP/AP/dpa/gr