Der Verdacht des sexuellen Missbrauchs gegen den zurückgetretenen Augsburger Bischof Walter Mixa hat sich nicht erhärtet. Die Staatsanwaltschaft Ingolstadt stellt deshalb ihre Vorermittlungen ein und leitet kein förmliches Ermittlungsverfahren ein.

"Ein Tatverdacht hinsichtlich eines sexuellen Missbrauchs hat sich nicht bestätigt“, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Helmut Walter am Freitag.

Ende vergangener Woche war dann bekannt geworden, dass es Hinweise auf einen angeblichen sexuellen Missbrauch durch Mixa gibt – deshalb begann die Staatsanwaltschaft mit ihren Vorermittlungen. Die Hinweise waren aus dem Mitarbeiterkreis des Bistums Eichstätt gekommen und über das Bistum Augsburg an die Generalstaatsanwaltschaft in München gegangen. In Eichstätt war Mixa von 1996 bis 2005 Bischof.

An der Substanz der Vorwürfe gab es frühzeitig Zweifel. So dementierte ein als mutmaßliches Opfer in einem anonymen Internetportal namentlich genannter junger Mann die Darstellung. Mixa hatte die Vorwürfe von Anfang an „mit Entschiedenheit“ zurückgewiesen.

Erhärtet haben sich dagegen die Prügelvorwürfe gegen Mixa. So soll er in seiner Zeit als Stadtpfarrer von Schrobenhausen (bis 1996) oft mit der Faust und einem Stock zugeschlagen haben. Dies berichtete der unabhängige Sonderermittler Sebastian Knott am Freitag in Schrobenhausen.

Knott schreibt in seinem am Freitag vorgestellten vorläufigen Abschlussbericht von "schweren körperlichen Züchtigungen mit dem Einsatz von Gegenständen, der Dunkelkammer und verbalen Demütigungen seitens des Pfarrers Mixa“.

Die Aussagen der ehemaligen Heimkinder aus dem Kinderheim St. Josef seien glaubwürdig, erläuterte Knott. Einige seien während der Gespräche in Tränen ausgebrochen. Ein Mädchen sei unter den Schlägen zusammengebrochen.

"Er sagte oft Sätze wie: 'In Dir ist der Satan, den werde ich Dir schon austreiben'“, zitierte Knott einen ehemaligen Heimjungen. Die dort beschäftigten Nonnen hätten Mixa oft mit den Worten "Hau nei...hau nei...“ angestachelt.

Laut Knott hörten die Kinder des Waisenhauses sehr oft von den Ordensschwestern in dem Heim den Satz „Warte nur, bis Mixa kommt“. Den Kindern sei bewusst gewesen, dass dieser regelmäßig prügelt. Außerdem habe Mixa immer wieder Kinder beschimpft und bedroht. Einem Mädchen habe er gesagt: „Ich möchte, dass du mich niemals vergisst. Dazu werde ich deine Zukunft ruinieren.“ Die von Knott als glaubhaft bezeichnete Frau benötige bis heute therapeutische Hilfe.

In dem Bericht beschreibt der Rechtsanwalt auch einen bisher noch nicht bekannt gewordenen Fall eines Jungen, der von seinem dritten bis fünfzehnten Lebensjahr in dem Heim war. Dieser sei 1982 zu Mixa gerufen worden. Der Pfarrer habe ihm dann die Hose herunter gezogen und mit einem Stock auf den nackten Hintern geschlagen. Nachdem der Stock unter den Schlägen zerbrochen sei, habe Mixa seinen Gürtel aus der Hose gezogen und damit noch weitere fünf bis sechs Mal auf den nackten Hintern eingeschlagen.

Neben den Prügelvorwürfen wird Mixa auch vorgeworfen, Heimgelder veruntreut zu haben. Sonderermittler Knott will seinen vorläufigen Abschlussbericht der katholischen Waisenhausstiftung übergeben.

Der 69-jährige Mixa hatte am 21. April wegen der Vorwürfe beim Vatikan seinen Rücktritt angeboten – Papst Benedikt XVI. nahm das Gesuch am vergangenen Wochenende an.

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dpa/AFP/toto