In einem dramatischen Appell vom bayerischen „heiligen Berg“ in Andechs hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, die Katholiken vor allem im Krisen-Bistum Augsburg zur Einheit aufgerufen. Während einer Wallfahrtspredigt warb der Freiburger Erzbischof für einen „Brückenbau“ zwischen den unterschiedlichen kirchlichen Lagern: „Reichen wir einander die Hand zur Versöhnung.“

Zollitsch ging nicht direkt auf den Konflikt um den abgelösten Bischof Walter Mixa ein, aber seine Worte wurden von der Bischofskonferenz als Reaktion auf die Augsburger Vorgänge gedeutet.

Ob Appelle allein genügen, das Bistum zu befrieden, wird allerdings immer stärker bezweifelt. Von unterschiedlicher Seite wurden inzwischen Hilferufe zum Papst geschickt. Das streng konservativ orientierte „Forum Deutscher Katholiken“ (FDK) ist zusammen mit den „Initiativkreisen katholischer Priester und Laien“ der Meinung, in dieser Situation, in der „die Einheit und die Disziplin weithin verloren gegangen sind“, könne „nur Rom“ noch helfen.

Damit ist das „Forum“ nicht weit von der Position des von ihm meist hart kritisierten Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) entfernt. Dessen Präsident Alois Glück hatte die Hoffnung geäußert, dass es „mit Hilfe Roms“ bald gelinge, zu einer abschließenden Regelung der Causa Mixa zu kommen.

Die Bischofskonferenz schwieg zu neuen Spekulationen über die Umstände, die zum Rücktritt des ehemaligen Augsburger Oberhirten geführt hatten. Möglicherweise geht von der Sitzung ihres Ständigen Rates Anfang der Woche in Würzburg Klarheit aus. Dem Gremium gehören alle Diözesanbischöfe an. Es will sich mit der Überprüfung der Leitlinien über den Umgang mit sexuellem Missbrauch in der Kirche beschäftigen.

So blieb vorerst offen, ob die Erzbischöfe Robert Zollitsch und Reinhard Marx mit ihrem Rat von Mitte April an den umstrittenen Bischof Mixa, eine „geistliche Auszeit“ zu nehmen, einer Anweisung von Papst Benedikt XVI. gefolgt waren – diese Version wurde vom Magazin „Focus“ verbreitet. Fest steht hingegen nach Informationen von Morgenpost Online, dass Zollitsch, Marx und der Augsburger Weihbischof Anton Losinger nicht aufgrund eigener Entscheidung am 29. April zum Papst gereist waren: Sie waren vom Pontifex in den Apostolischen Palast zitiert worden. Der „Focus“ berichtete, Benedikt habe Zollitsch und Marx veranlasst, Mixa, der sein Rücktrittsgesuch zwischenzeitlich widerrufen hatte, in die Schranken zu weisen.

Nach Informationen der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ war der – später von der Staatsanwaltschaft als haltlos erklärte – Vorwurf sexuellen Missbrauchs nicht der Grund für die Annahme des Rücktrittsantrags. Der Papst habe der Demission zugestimmt, weil ihm eine Akte mit anderen schwerwiegenden Vorwürfen gegen Mixa vorgelegen habe. „Engste Mitarbeiter“, so das Blatt unter Berufung auf ein Dossier der Berliner Nuntiatur für das Kirchenoberhaupt, hätten Mixas Alltag als den eines schwer alkoholkranken Mannes („Spiegeltrinker“) geschildert, dessen Arbeits- und Wahrnehmungsfähigkeit massiv beeinträchtigt sei.

Unabhängig voneinander hätten sich zwei Priester genau bezeichneten Personen offenbart und von sexuellen Übergriffen berichtet, die ihnen gegen ihren Willen, jedoch in einem Zustand emotionaler Abhängigkeit, angetan worden seien. Es ist von „weicher Vergewaltigung“ die Rede. Derartige Vorwürfe kursierten seit langem, ohne dass bisher ein konkreter Nachweis erbracht werden konnte.

Mixa, der zum Entsetzen seiner früheren Amtsbrüder in der vergangenen Woche in sein altes Bischofshaus zurückgekehrt war, bemüht sich inzwischen um eine neue Wohnung. Er war von der Bistumsleitung um Diözesanadministrator Josef Grünwald aufgefordert worden, „umgehend“ auszuziehen und sich einen Wohnsitz außerhalb des Bistums zu suchen.

Eine Wiedereinsetzung in sein altes Amt scheint ausgeschlossen, auch wenn der emeritierte Bischof Anfang Juli von Papst Benedikt empfangen werden sollte. „Es gibt für Mixa kein Zurück“, wurde Morgenpost Online aus dem persönlichen Umfeld des Pontifex bekannt.