Der Vatikan hat Berichte über ein „Geheimdossier“, das bei der Ablösung von Bischof Walter Mixa eine entscheidende Rolle gespielt haben soll, nicht kommentiert. Der Papst, so sein Sprecher Federico Lombardi, habe natürlich seine Entscheidung über die Annahme des Rücktrittsgesuchs des Augsburger Bischofs „auf der Basis von Informationen“ getroffen. Woher er diese bekommen habe, sei jedoch zweitrangig. Es sei klar, dass die Presse spekuliere. „Wir wollen zu diesen Spekulationen nicht auch noch beitragen“, sagte Lombardi.

Die „Frankfurter Allgemeine“ und die „Süddeutsche Zeitung“ hatten gemeldet, der Papst habe den Rücktrittswunsch Mixas unter dem Eindruck eines Dossiers über schwerwiegende Verfehlungen des Bischofs gegen Pflichten der priesterlichen Lebensführung angenommen. Die Sammlung von Vorwürfen soll dem Kirchenoberhaupt über die Apostolische Nuntiatur in Berlin zugeleitet worden sein. Auch dazu gab es am Montag keine offizielle Bestätigung. Und so blieb auch offen, welche Rolle das Dossier tatsächlich gespielt hat. Auch der Nuntius, Erzbischof Jean-Claude Perisset, lehnte es im Gespräch mit der Berliner Morgenpost ab, sich dazu zu äußern. Er erinnerte an seinen Grundsatz als Diplomat des Papstes: „Der Nuntius gibt weder Bestätigungen noch Dementi über Zeitungsnachrichten seines Handelns.“ Auch die Augsburger Bistumsleitung blieb bei ihrer seit Tagen geübten Zurückhaltung: „Wir nehmen keine Stellung.“

In Würzburg, hinter den Mauern des Exerzitienhauses Himmelsporten, tagte derweil der Ständige Rat der Deutschen Bischofskonferenz (DBK). Auf der Tagesordnung stand die Diskussion über eine Neufassung der Leitlinien über den Umgang mit sexuellen Verfehlungen von Priestern und Kirchenmitarbeitern. Die Causa Mixa war offiziell kein Thema. Zuvor hatte der DBK-Vorsitzende, Erzbischof Robert Zollitsch, die Katholiken im Bistum Augsburg zur Einheit aufgerufen und angekündigt, er wolle sich mit Mixa versöhnen.

Der Vorsitzende des Augsburger Diözesanrats, Helmut Mangold, sagte, Mixa müsse das Bistum verlassen, damit „endlich Ruhe eintritt“. Alternativ könne sich der Bischof aber auch innerhalb der Diözese „in eine sehr ruhige Umgebung zurückziehen“. In erster Linie sei eine Zurückhaltung Mixas nötig. Der Wirbel um Mixa schade dem Bistum, „weil so viele Leute zu seinen Fans zählen“, sagte Mangold. „Unser Problem ist nicht der Bischof selber, sondern der Streit zwischen Gegnern und Befürwortern.“

In der angeblichen Geheimakte soll davon die Rede sein, engste Mitarbeiter hätten über Alkoholprobleme Mixas und von sexuellen Übergriffen berichtet. Zwei Priester hätten unabhängig voneinander solche Vorgänge dokumentiert. Mixas Anwalt Gerhard Decker meldete Zweifel an und nannte diese Darstellung, die auf der Aussage einer dritten Person beruhen soll, „nebulös“. Er halte es mit den Grundsätzen des Rechtsstaates für unvereinbar, sich auf angebliche Quellen zu berufen, die niemand nachprüfen könne, auch nicht die unmittelbar davon Betroffenen, sagte Decker.

Zu den in den Berichten genannten angeblichen Übergriffen soll es während Mixas Zeit als Stadtpfarrer von Schrobenhausen Mitte der 90er-Jahre gekommen sein. 1996 ernannte Papst Johannes Paul II. Mixa zum Bischof von Eichstätt. Einer Berufung ins Bischofsamt geht üblicherweise eine intensive „Durchleuchtung“ des Kandidaten durch den Nuntius voraus, anhand eines umfangreichen Fragebogens versucht sich der Botschafter des Papstes einen Eindruck zu verschaffen; vor allem erkundigt er sich nach der Art der Lebensführung und nach eventuellen Verstößen gegen die kirchliche Sexualmoral. In Kirchenkreisen wird deshalb jetzt gefragt: Gab es bei Mixa kein derartiges Verfahren, wurden grobe Fehler gemacht?