Dreijähriges Opfer

Tödliche Kampfhunde wurden illegal gehalten

Die vier Hunde, die in Thüringen ein drei Jahre altes Mädchen totgebissen haben, waren nicht bei den Behörden gemeldet. Thüringen besitzt eine Verordnung für gefährliche Hunde, jedoch keine Rasselisten. Eine Nachbarin berichtet, dass die Halterin die Hunde gezüchtet haben soll. In der Nachbarschaft habe man Angst vor den Tieren gehabt.

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Furchtbare Tragödie in Sachsenburg im thüringischen Kyffhäuserkreis: Ein dreijähriges Mädchen ist von den vier Kampfhunden seiner Tante zerfleischt worden.

Gegen die Frau (44) wird inzwischen wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Warum die Staffordshire-Bullterrier urplötzlich über die Kleine herfielen, vermag derzeit keiner zu sagen. Die Urgroßmutter, die das Kind begleitete, versuchte vergeblich, das Kind zu schützen.

Als die beiden das Einfamilienhaus betreten, geht alles ganz schnell. Die 72-Jährige hat das Kind auf dem Arm, als die freilaufenden Hunde unvermittelt angreifen, berichtet Michael Becker von der Kripo Nordhausen.

Die Rentnerin fällt hin und die Tiere stürzen sich auf das Mädchen. Sie verbeißen sich derart, dass die Dreijährige noch an Ort und Stelle stirbt. Die Tiere fügen dem Kind schwere Verletzungen an Kopf und Oberkörper zu und lassen selbst dann nicht von ihm ab, als es schon mit dem Tode ringt.

Thüringens Innenminister Peter Huber (CDU) hofft, dass Polizei und Staatsanwaltschaft die Hintergründe des schrecklichen Vorfalls aufdecken können. „Mein ganzes Mitgefühl gilt den Eltern des kleinen Mädchens“, kondoliert der Minister.

Der kleine Oldislebener Gemeindeteil trauert um das Kind, das so grausam starb. Viele Einwohner haben Tränen in den Augen, als sie von Journalisten angesprochen werden. „Wir sind tief erschüttert“, sagt der Bürgermeister von Oldisleben, Joachim Pötzschke.

Zugleich fordert er strengere Vorschriften für die Hundehaltung. Die Bullterrier seien nicht bei den Behörden gemeldet gewesen.

Eine Nachbarin erzählt, dass sie schon immer Angst vor den Hunden hatte, die von der Tante des Opfers gezüchtet und im Zwinger gehalten worden seien sollen.

Die 72-Jährige hatte verzweifelt versucht, das Mädchen zu schützen. Sie wirft sich auf ihre Urenkelin, um die Hunde abzuwehren – vergebens.

Die Tiere zerfleischen das Mädchen vor ihren Augen. Die ältere Dame wird ebenfalls angefallen und trägt Bisse im Gesicht und an den Armen davon. Sie liegt im Krankenhaus, schwebt aber nicht in Lebensgefahr. Die Eltern und die Familie des Mädchens werden seelsorgerisch betreut.

Auch gegen die Eltern werde routinemäßig ermittelt, sagt Sandra Bock von der Staatsanwaltschaft Mühlhausen.

Es werde geprüft, ob sie nicht gegen ihre Aufsichtspflicht verstießen, indem sie ihr Kind der Uroma anvertrauten. Die Hundehalterin stehe noch unter Schock. Ihre Befragung stehe daher unter Vorbehalt.

Die vier Hunde waren unmittelbar nach der Tragödie vom Amtstierarzt eingeschläfert worden.

Bei vorangegangenen Besuchen der Uroma und des Mädchens habe es nie Probleme mit den Tieren gegeben, berichtete die Polizei. Dennoch wird nun auch unter Thüringer Parlamentariern der Ruf nach Konsequenzen laut.

Zwar gibt es im Freistaat seit dem Jahr 2000 eine Gefahrenhundeverordnung . Diese legt jedoch keine besonderen Auflagen für bestimmte Rassen fest. Die Gefahreneinstufung bestimmter Rassen ist in den Ländern höchst unterschiedlich geregelt.

„Wir haben damals bewusst darauf verzichtet, denn nicht die Hunde sind das Problem, sondern die Halter“, verteidigt der Sprecher des Innenministeriums, Bernd Edelmann, die Verordnung.

Der innenpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Wolfgang Fiedler, sieht genau darin allerdings ein Versäumnis.

Es bestehe dringender Handlungsbedarf, sagt er dem MDR 1 Radio Thüringen. Auch der SPD-Abgeordnete Heiko Gentzel erklärt, die bisherige Praxis müsse überdacht werden. Gentzel wolle sich dafür einsetzen, dass eine Liste der gefährlichen Hunde erarbeitet werde, für die besondere Regeln gelten.

Die Hundehalter müssten mehr in die Pflicht genommen werden. Erst Ende April hatte in Brandenburg ein Hund ein acht Wochen altes Baby totgebissen.

Das kleine Mädchen aus Sachsenburg hätte in wenigen Tagen seinen vierten Geburtstag gefeiert.