Die wirklichen Gefahren des Vulkanausbruchs wie giftiger Ascheregen oder Sturzfluten von schmelzenden Gletschern sehen die Menschen in Island mit beeindruckender Gelassenheit.

„Das kann ohnehin niemand kontrollieren“, sagt der Farmer Peter Peterson aus dem Dort Hvolsvöllur am Fuße des Gletschers Eyjafjalla, 85 Kilometer östlich der Hauptstadt Reykjavik. „Wo immer du in Island lebst, an einigen Stellen drohen Erdbeben, an anderen gibt es Vulkane und alles ist irgendwie gefährlich“, sagt der 42-Jährige lakonisch über die allgegenwärtigen Gefahren auf der Vulkaninsel.

Und sein 22-jähriger Nachbar Haraldur Evar Gudmunson pflichtet ihm bei: „Jeder hier in Island erlebt im Laufe seines Lebens mindestens zwei Vulkanausbrüche, einige Erdbeben, Schneestürme und Seestürme.“

Die bisher größte Tragödie auf der Insel war der Ausbruch des Vulkans Laki im Jahr 1783, in dessen Folge fast ein Viertel der Bevölkerung an giftigen Rauchwolken und einer anschließenden Hungersnot starben.

Aber auch die Eruptionen am Eyjafjallajökull bergen Gefahren. In dem kleinen Ort Vik, der jüngst durch eine Sturzflut von der Außenwelt abgeschnitten war, zeigen Lehrer laut einem Rundfunkbericht ihren Schülern, wie man Atemmasken anlegt.

Menschen mit Atemwegsbeschwerden müssen sich vorsehen. Beunruhigend wäre vor allem eine Verschmutzung des Trinkwassers mit der giftigen Vulkanasche, warnt Lebenmittelkontrolleur Halldor Runolfsson. Nicht nur Mensch und Tier, auch die Milchproduktion wären dann gefährdet, sagt er der Nachrichtenagentur AFP.

Doch vor allem die drohenden Sturzfluten schrecken die Menschen auf: Jede Nacht seien er und seine Familie in der vergangenen Woche aufgefordert worden, sich in Sicherheit zu bringen, sagte Peterson.

Das Holzhaus der vierköpfigen Familie würde den Schmelzwassermassen niemals stand halten. Aber die Vorsicht sei schon in Ordnung, solange tagsüber alle wieder zur Arbeit auf die Farm zurückkehren könnten, sagt der Familienvater. In seinem Ort waren zuletzt bis zu 800 Menschen von den Evakuierungen betroffen.

Auch Gudny Halla Gunnlaugsdottir sieht die Sicherheitsvorkehrungen gelassen. „Bisher ist unserem Hab und Gut nichts geschehen“, sagte sie und zeigt stolz auf die fast einhundert Jahre alten Wehranlagen, die bisher allen schlimmen Überschwemmungen standgehalten hätten. „Die Menschen damals wussten, wie man so etwas baut.“

„Nein, Panik gibt es nicht“, betont auch der Polizeichef von Hvolsvöllur, Kjartan Thorkelsson. Den Grund dafür sieht der Beamte in einer gewissen Routine, aber auch in der guten Vorbereitung der Behörden auf den Ernstfall. „Die Menschen wissen, was zu tun ist, und sie wissen, dass wir sie über die Gefahren auf dem Laufenden halten“, sagt Thorkelsson.

Ein 120-Seiten dicker Notfallplan wurde an die Bewohner des Ortes verteilt. Darin ist penibel genau aufgelistet, was nach einem etwaigen Vulkanausbruch in welchen Regionen für Gefahren drohen und wie damit umzugehen ist.

Die Geologen gehen davon aus, dass der Eyjafjallajökull noch vier bis fünf Tage aktiv sein wird und Asche in den Himmel stößt. Aber auch diese Prognose kann niemanden beeindrucken. Polizeichef Thorkelsson erinnert daran, dass der Berg bei seinem letzten Ausbruch im Jahre 1820 fast 15 Monate lang vor sich hinbrodelte.

„Wir Isländer sind eben ein ruhiges Volk“, begründet Farmer Gudmundur Sigurdson die Gelassenheit seiner Landsleute. Und auf die Frage, was denn einen Isländer überhaupt aus der Ruhe bringen könne, antwortet sein Sohn Gudmunson nach kurzer Bedenkzeit grinsend: „Wenn die Schafe krank werden würden!"

AFP/cor