Der Zeitraum von einer Woche ist inzwischen schon fast kein Szenario mehr, er ist Realität. Das Chaos auf den Flughäfen dauert an, und es ist eher wahrscheinlich, dass der Flugverkehr vor dem nächsten Mittwoch nicht wieder auf Normalbetrieb kommt.

Direkt messbar betroffen sind zunächst die Fluggesellschaften und Touristik-Unternehmen. Als grober Anhaltspunkt für ihren Schaden dient die Sperrung des US-amerikanischen Luftraums nach den Anschlägen des 11. September. Zwei, drei Tage lang lief gar nichts.

Zehn Milliarden Dollar machten die internationalen Airlines als Ausfall geltend. Daher dürften, auch wenn in Europa bisher nicht so viele Flüge pro Tag gestrichen wurden wie damals in den USA, die Schätzungen von 200 Millionen Euro pro Ausfalltag nach oben korrigiert werden. Der gesamtwirtschaftliche Schaden wird ein Vielfaches betragen.

Die Woche ist geprägt von Aufschüben, in der Hoffnung, dass es bei der reinen Verzögerung bleibt. Dringlichkeiten, die noch vor Tagen unumstößlich feststanden, werden neu bewertet werden, privat wie beruflich. In vielen Unternehmen mit starken logistischen Abhängigkeiten baut sich eine gespaltene Situation auf:


Ärger über das Chaos einerseits, andererseits aber auch Lust an der Improvisation mit großen persönlichen Erfolgen Einzelner. Zuvor unbekannte Talente outen sich, informelle Hierarchien ordnen sich neu. Wer seine Lagerbestände zu knapp berechnet hat und auf täglichen Input setzte, wird bestraft; Sicherheitsapostel haben Oberwasser.

Wenn sich zum Zufall des Vulkanausbruchs nun bei einem Wartungsmuffel auch noch der Zufall des dringenden Bedarfs an einem Ersatzteil gesellt, oder in Kairo der Monteur aus Hamburg eingeflogen werden muss, ist der Frust da. Auch wenn es noch die Ausnahme ist: Erste Köpfe werden rollen.

Was den Gefühlshaushalt angeht, spielen in der ersten Woche die Erwartungen die Hauptrolle: Wann endlich kommen die versprochenen schönen Sonnenuntergänge? Wann kommt der Ascheregen herunter? Alle Welt diskutiert ja nur darüber, dass er auf unsere Autos fallen soll, als gäbe es keine anderen Auffangflächen im Land.

Diskussionen über Gesundheitsgefahren durch die Asche, über Klimaänderungen klingen immer wieder an in den Medien, aber selbst Experten können nur spekulieren. Bei vielen stellt sich ein Déjà-vu-Erlebnis ein: Das Gemeinschaftsgefühl, die Kommunikation, das kollektive Erlebnis einer ganz besonderen Situation im Lande, das wir gerade erst im monatelangen harten Winter genießen durften, kehrt zurück.

Irgendwie ist ja alles auch ein großes Gesellschaftsspiel. Nicht zuletzt auf verstopften Straßen und in überfüllten Zügen.

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