Geahnt hat es Andreas Gebauer (43) bereits am Freitagmorgen. Mit seiner Frau sprach er am Frühstückstisch noch über den gesperrten Luftraum und seine Folgen. Dass ihm aber ein Vulkanausbruch in Island eine unvergessliche Tour bringen würde, das hätte sich der Berliner Taxifahrer nicht träumen lassen.
Am Freitag setzt sich Gebauer zunächst wie gewohnt in sein Großraumtaxi und tritt seinen Dienst an. Am Nachmittag kommt dann der Funkspruch aus der Zentrale. „Gesucht wurde ein Großraumwagen für fünf Fahrgäste, Platz für viel Gepäck und viel Zeit“, erzählt Gebauer Morgenpost Online. „Ich bin dann zum Pariser Platz gefahren, und dort standen fünf Engländer.“ Seine Kunden wollen aber nicht mal eben in einen anderen Stadtteil gebracht werden – sie wollen gleich in ein anderes Land: in die französische Stadt Calais. „Ich habe dann meine Frau angerufen und gesagt, dass sie nicht auf mich warten soll“, erinnert er sich. „Ich fahre nach Frankreich.“
Mit dem Navigationsgerät an Bord startet Gebauer dann die Tour. Seine Kunden wollen am Sonnabend, 11.30 Uhr, die Fähre in Calais erreichen. „Die Engländer wollten erst mit dem Euro-Star auf die Insel, aber der ist wohl bis Dienstag ausgebucht“, erzählt er. Mit einigen Pausen bringt Gebauer seine Fahrgäste schließlich bis in die Hafenstadt. Kurz vor Mitternacht hat er sein Ziel erreicht und gut 960 Kilometer zurückgelegt. Den Fahrpreis will er nicht verraten. Nach Angaben der Funkzentrale werden durchschnittlich 1,30 bis 1,50 Euro pro Kilometer für die einfache Strecke berechnet; das wären dann rund 1300 Euro, inklusive Leerfahrt nach Berlin. Der Rest sei Verhandlungssache, heißt es.
In den Niederlanden verfahren
„Wir haben uns nett unterhalten“, erzählt Gebauer von der Fahrt. „Aber einen Großteil der Strecke haben sie geschlafen.“ Verfahren hat sich der Berliner unterwegs nur einmal. „Das war in den Niederlanden in Eindhoven, es war aber nur ein kleiner Umweg.“ Als er die Engländer in Calais in ihrem Hotel abgesetzt hat, macht sich Gebauer gleich auf den Rückweg. „In Dortmund habe ich dann nachts um 3 Uhr etwas mehr als fünf Stunden geschlafen und eine Kleinigkeit gegessen.“ Vor der Raststätte trifft er einen dänischen Taxifahrer. „Wir kamen auf dem Parkplatz ins Gespräch und stellten fest, dass der Kollege seine Fahrgäste von Kopenhagen nach Calais gebracht hatte“, erzählt Gebauer. Am Sonnabend gegen 13 Uhr ist der 43-Jährige wieder in Berlin. „Jetzt fahre ich noch eine Weile“, sagt er. „Geschlafen habe ich ja in Dortmund genug.“




