Luxus-Hotel

Gianni van Daalen kehrt ins Adlon zurück

| Lesedauer: 3 Minuten

Die ihm unterstellten Führungskräfte nennen ihn intern den "Silberfuchs". Seit Ende Januar ist er zurück im Hotel Adlon am Pariser Platz - Gianni van Daalen. Fast ist es, als hätte der gebürtige Deutsche, der einst in Italien aufwuchs, das Luxushotel mit Blick auf das Brandenburger Tor als Chef nie verlassen.

Der Silberfuchs betritt die Lobby. Gianni van Daalen (64) trägt ein taubenblaues Hemd, Hermès-Krawatte und einen passenden, blau-grauen Anzug. Ende 2004 hatte der Adlon-Gründungsdirektor das Haus am Pariser Platz in Richtung Moskau verlassen, zum Baltschug Kempinski.

Nun ist er zurück in der Stadt: Als Regionalpräsident Europa der Kempinski-Gruppe. Optisch hat sich van Daalen überhaupt nicht verändert. Fast ist es, als hätte der gebürtige Deutsche, der einst in Italien aufwuchs, das Luxushotel mit Blick auf das Brandenburger Tor als Chef nie verlassen.


Als Regionalpräsident Europa beaufsichtigt van Daalen sieben Regionalbüros sowie knapp 30 Kempinski-Hotels in Europa, außerdem ist er für die Entwicklung Kempinskis und anstehende Hotelprojekte in der Region zuständig. Bezüglich Entwicklung und Expansion liegt van Daalens Hauptaugenmerk nach der Fokussierung auf Osteuropa nun auf Westeuropa - in Frankreich, Italien, England und Spanien möchte Kempinski das Geschäft auf- und ausbauen. Wie lange van Daalen dieser Aufgabe von Berlin aus nachkommen wird, ist noch nicht entschieden.

Nach dem Weggang von S tephan Interthal ( Kempinski Peking) sucht van Daalen zusammen mit der höchsten Führungsebene nun einen neuen General Manager für das Adlon. "Wir haben mehr als 20 Kandidaten, die wir uns anschauen", sagt van Daalen. "Das Adlon ist für uns eines der wichtigsten Häuser überhaupt." Geplant ist demnächst eine Renovierung von 140 Zimmern. Im Lorenz Adlon muss Ersatz für Sternekoch Thomas Neeser gefunden werden, das Restaurant soll umgebaut werden. "Die Gäste wollen heute weniger formell speisen als früher", sagt van Daalen. "Architekten sitzen an den Plänen. Aber das wird noch ein Jahr dauern." Zu einem weiteren Gedankenspiel für das Adlon wurde van Daalen in Moskau inspiriert: "Dort wurden überall auf dem Dach des Hotels Terrassen gebaut. Ich weiß aber nicht, ob das Berliner Baurecht das zulassen würde."

Seit der Rückkehr aus Moskau wohnen van Daalen und seine Ehefrau Marylea (die beiden sind seit 35 Jahren verheiratet) erst einmal im Adlon. Ihre Wohnung an der Fasanenstraße, die sie behalten haben, ist noch untervermietet. Was denkt van Daalen, der während seiner 40-jährigen Hotelierslaufbahn in Frankfurt, Paris, Rom, Malta und Montreal wohnte, über das Berlin, in das er zurückkehrt? "Berlin ist eine sehr liebenswürdige Stadt, eine Großstadt, in der man leben kann. Auch als Touristenstadt hat sich Berlin gut entwickelt. Was mich allerdings erstaunt ist, dass in Mitte immer noch permanent gebaut wird. Das ist lästig." Van Daalen lächelt dieses ihm eigene, sehr verschmitze Lächeln, als er gedanklich seinen Erfahrungsschatz der Welt-Metropolen durchstreift. Dann sagt er: "Mir ist an Berlin noch etwas aufgefallen. Moskau ist nachts knallhell erleuchtet. Unter den Linden ist es dunkel. Ich habe Wowereit angerufen und ihm das gesagt." Wie reagierte Berlins Regierender Bürgermeister? "Er hat gelacht."

Privat denkt van Daalen inzwischen übrigens auch schon an die Zeit nach seiner Karriere in der Hotelbranche. "Ich werde dieses Jahr 65. Bei Kempinski kann man arbeiten, solange man lustig und gesund ist. Aber die biologische Uhr tickt. Meine Frau möchte mal wissen, wo wir wohnen werden. Für sie ist das New York, für mich Berlin. Wir werden wohl pendeln."

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