Der mehrfache Bankräuber und Geiselnehmer Dieter Wurm muss 25.000 Euro Schmerzensgeld an einen Berliner Busfahrer zahlen. Das Landgericht gab damit der Klage des BVG-Mitarbeiters, der stundenlang in der Gewalt von Wurm war, am Mittwoch in vollem Umfang statt. Der Fahrer des Linienbusses leidet bis heute an den Folgen der Irrfahrt durch die Stadt.
Wurm hatte den mit mehreren Fahrgästen besetzten Bus im April 2003 nach einem Banküberfall gekapert. Ein Spezialkommando der Polizei befreite die Geiseln unverletzt. Der heute 50-jährige Wurm sitzt schon mehr als 20 Jahre hinter Gittern. Er bekam auch wegen anderer Überfälle Haftstrafen. Nach der Geiselnahme verurteilte ihn das Berliner Landgericht zu elf Jahren Gefängnis und Sicherungsverwahrung.
Gregor Gysi ist der Anwalt des Busfahrers
Der Busfahrer kam nicht zum Prozess. Sein Anwalt Gregor Gysi, auch Chef der Linksfraktion im Bundestag, erklärte, sein Mandant träume täglich von der Geiselnahme. Ärzte konnten ihn nicht von den Ängsten befreien und dafür trage Wurm die Verantwortung. Nach Gysis Angaben kann der Mann keinen Bus mehr steuern. Er sei anderweitig bei den Verkehrsbetrieben eingesetzt. Das Schmerzensgeld sei zwar kein voller Ausgleich für das Leid. Wurm solle aber spüren, was er angerichtet habe, sagte der Anwalt.
Andeutungen über Klage gegen Polizei
Viel wird der Häftling, der in der kriminellen Szene wegen einer Tätowierung Skorpion genannt wird, von seinem Verdienst im Gefängnis vermutlich nicht zahlen können. Gysi ließ erkennen, dass es ihm in dem Prozess vor allem auf die Festsetzung der Schmerzensgeldhöhe ankam. Er machte Andeutungen zu einer eventuellen Klage gegen die Polizei im Zusammenhang mit dem damaligen Einsatz gegen den Geiselnehmer.
Der gebürtige Westfale Dieter Wurm hatte nach dem Banküberfall in Steglitz den Doppeldeckerbus der Linie 185 für seine Flucht nutzen wollen. Eine Polizistin war zugestiegen. Der Geiselnehmer überwältigte die Beamtin und entwaffnete sie. Dann zwang er den Busfahrer zu der Irrfahrt durch Berlin. Dieser musste erhebliche Zeit um sein Leben fürchten, hatte Gysi die Schmerzensgeldklage begründet.


