Wettbewerb

Wer ist die schönste Rollstuhlfahrerin?

Eine attraktive Frau muss nicht perfekt sein. Das ist wohl die wichtigste Botschaft des Projektes "Beauties in Motion", bei dem sich Rollstuhlfahrerinnen einem Schönheitswettbewerb stellen. Von 200 Bewerberinnen aus ganz Deutschland kamen zehn ins Finale. Doch manchen passt das überhaupt nicht.

Entspannt sitzt Kristina Wolf auf einer Harley-Davidson und lächelt in die Kameras der Fotografen. Sie trägt eine schwarze Weste und eine dazu passende enge Hose, die kurz über den Knien endet. Gekonnt posiert sie im Blitzlicht, beugt sich nach vorn und stützt den Kopf auf die Hände.


Dann sind die Aufnahmen im Innenhof eines Motorradfahrertreffs beendet. Die 19-Jährige wird vom Motorrad zurück in ihren Rollstuhl gehoben. Kristina ist eine von zehn jungen Frauen aus ganz Deutschland, die am Samstag in Hannover für das Projekt „Beauties in Motion“ fotografiert wurden. Beim Finale am 29. September wird die schönste Rollstuhlfahrerin von einer Jury gekürt.


Eine Gewinnerin zu haben, darum geht es Organisatorin Renate Weidner aber im Grunde gar nicht. „Wir wollen zeigen, dass Frauen im Rollstuhl auch sehr attraktive Frauen sind“, sagt Weidner. Sie sollten in der Öffentlichkeit viel präsenter sein. Denn in Bezug auf Rollstuhlmodels sei “Deutschland noch ein Entwicklungsland".


Zwar habe es bislang durchweg positive Resonanz gegeben. Dennoch gebe es nur wenig Sponsoren für den ungewöhnlichen Wettbewerb. „Finanzielle Unterstützung zu finden ist mehr als schwierig“, beklagt sie. Deshalb werde es künftig keine Wettbewerbe mehr von „Beauties in Motion“ geben. Der Wettbewerb im September ist vorerst der letzte.


Gerade darum wolle sie nun aber noch einmal alles geben, sagt Weidner. Den zehn Mädchen, die sie mit einer Jury aus über 200 Bewerberinnen ausgesucht hat, wolle sie einiges bieten. Für das Finale soll jede Teilnehmerin eine eigene Choreographie einstudieren.


Auch gemeinsam werden sie auf der Bühne im GOP-Varieté in Hannover etwas vorführen. Möglicherweise werde sie auch wieder das Thema Motorrad einbauen, sagt die Organisatorin. Die am Samstag aufgenommenen Fotos sollen ins Programmheft für das Finale.


Die Siegerin erhält 2000 Euro und eine eigene sogenannte Sedcard, die sie den Model-Agenturen vorlegen kann. Doch zu viel solle die Gewinnerin von dem Sieg nicht erwarten, warnt Weidner. Denn leider könne keine Rollstuhlfahrerin in Deutschland vom Modeln leben, bedauert sie.


Die Teilnehmerinnen freuen sich trotzdem auf den Wettbewerb. Kristina sagt, das Modeln mache ihr unheimlich viel Spaß. Vor ein paar Monaten habe sie noch Berührungsängste gehabt. „Meine beste Freundin hat mich bei 'Beauties in Motion' angemeldet“, sagt die Schülerin, „als sie mir davon erzählt hat, war ich zuerst total geschockt“. Zwei Tage lang habe sie nicht mehr mit ihr geredet. Jetzt ist sie sehr gespannt auf die Show.


Auch die 18-jährige Mateja Miskovic aus Saarbrücken ist nicht von allein auf den Wettbewerb gestoßen. „Meine Mutter und meine Schwester haben einen Bericht darüber gesehen und mir davon erzählt“, sagt die Auszubildende, “daraufhin habe ich mich sofort beworben". So wie Kristina modelt die Saarländerin zum ersten Mal und auch ihr macht es Spaß. “Es ist ganz locker und entspannt", sagt sie, “einfach schön“.

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