Sie war eine der großen Olympia-Hoffnungen der USA. Doch kurz vor den Spielen beendete ein tragischer Unfall die Sportkarriere der Skifahrerin Molly Bloom. In der Folge avancierte Molly Bloom zu Amerikas schillernder Poker-Prinzessin. Sie organisierte die weltweit exklusivsten Pokerspiele für die Reichen und Mächtigen, für die Filmstars, Sportgiganten und Wall-Street-Bosse.
Allein durch Trinkgelder verdiente sie bis zu vier Millionen Dollar pro Jahr. Obwohl sie selbst nie am Spiel beteiligt war. Sie stieg hoch. Und fiel tief. Letztlich waren es die Gier und die Drogen, die ihr auf ihrem irrwitzigen Höhenflug in diesem Spielermilieu das Genick brachen.
Eine schier unglaubliche, eine wahre Geschichte. Molly Bloom hat über ihre Jahre als Pokerkönigin von L.A. und New York 2014 ein Buch geschrieben. Drehbuchautor Aaron Sorkin („Eine Frage der Ehre“) hat daraus einen Film gemacht und erstmals auch Regie geführt.
Verzockt und zugedröhnt
„Molly’s Game – Alles auf eine Karte“ ist ein schier atemlos machender Film voller geschliffener Dialoge, temporeicher Bildfolgen und vor allem großartiger Darsteller, die in eine absonderliche Parallelwelt entführen, in der Geld und Nervenkitzel regieren. In der Einsätze von einer Viertelmillion Dollar die Eintrittskarte sind für lange Zockernächte, in denen es um alles oder nichts geht. Eine Zeit lang war Molly Bloom die mächtigste Frau in einer testosterongetriebenen Männerwelt.
Aus dem Buch weiß man, dass Hollywoodstars wie Leonardo DiCaprio, Ben Affleck oder Tobey Maguire lange Nächte an ihrem Luxus-Spieltisch verbrachten. Aaron Sorkin hat die handelnden Akteure bis auf Molly Bloom anonymisiert. Er konzentriert sich ganz auf die Glücksspielmanagerin, deren außergewöhnliches Start-Up eine Dekade lang florierte.

Gleich zu Beginn erleben wir, wie die von Jessica Chastain grandios verkörperte Powerfrau in einer Nacht- und Nebelaktion von gleich 17 FBI-Beamten verhaftet wird, gefolgt von in schneller Abfolge geschnittenen Szenen aus Molly Blooms Jugend und vom Training mit ihrem erfolgsgewohnten Vater (Kevin Costner), einem Kinderpsychologen, der seine Tochter immer wieder filmt. „Ich vertraue den Leuten nicht“, sagt das Kind einmal mit traurigem Blick in die Kamera. Und: „Ich habe keine Helden.“
Diese Ouvertüre ist so rasant und fordernd, dass man sich schon fragt, wie man die nahezu zweieinhalb Stunden Kino überstehen soll. Doch Aaron Sorkin tritt glücklicherweise immer mal wieder auf die Bremse, wenn es um die Jetztzeit geht. Um die Gerichtsverhandlung. Und um den verbalen Schlagabtausch über Schuld und Unschuld zwischen Molly Bloom und ihrem Anwalt Charlie Jaffey (Idris Elba). Das ist ganz großes Schauspielerkino.
Douglas Downey (Chris O'Dowd) würde alles für Molly (Jessica Chastain) tun dpa
Rückblenden zeigen Molly Blooms Aufstieg zur Poker-Prinzessin. Sie zieht nach Los Angeles. Jobbt als Kellnerin. Wird Assistentin eines windigen Filmproduzenten (Jeremy Strong), der geheime Pokerspiele veranstaltet. Blauäugig und neugierig übernimmt sie die Organisation dieser VIP-Pokerrunden. Und macht ihre Sache immer besser.
Als ihr schmieriger Boss sie ausbooten will, hat sie sich längst einen Namen gemacht als Event-Managerin luxuriöser Spielnächte. Und geht nach New York, um dort erfolgreich eine noch exklusivere Veranstaltung zu etablieren. Dummerweise gehören dort aber auch bald Angehörige der russischen Mafia zu ihren Gästen. Das bringt die Behörden auf den Plan.
Wie Sorkin die verschiedenen Zeitebenen zu einem homogenen Ganzen formt, wie er Dialoge einem Sperrfeuer gleich abschießt, wie er einem den Nervenkitzel des Pokerns in elek-trisierenden Bilder nahebringt und dabei doch nie seine Hauptfigur aus den Augen verliert, ist phänomenal. „Molly’s Game“ ist spannend, dicht und fesselnd bis zuletzt. Ein höchst gelungenes Regiedebüt.





