ZDF-Serie

"Bad Banks": „Die nächste Krise wird noch viel heftiger“

Filmregisseur Christian Schwochow hat seine erste Serie „Bad Banks“ gedreht. Mit seinem Bankberater versteht er sich trotzdem noch.

Foto: Reto Klar

Er ist einer der erfolgreichsten deutschen Filmemacher. Christian Schwochow hat zahlreiche Preise für Werke wie „Novemberkind“, „Der Turm“ oder jüngst „Paula“ erhalten. Bei dem NSU-Dreiteiler „Mitten in Deutschland“ hat er den ersten Teil über die Täter inszeniert. Nun hat der 39-Jährige seine erste Serie gedreht: „Bad Banks“, ein beklemmendes Szenario über eine nächste Bankenkrise, was, wie er befürchtet, ein gar nicht so abwegiges Szenario ist. Die sechs Folgen laufen ab 1. März, erst auf Arte, dann im ZDF, und sind online bereits über die ZDF-Mediathek abzurufen. Wir haben den Regisseur zu seinem Seriendebüt befragt.

Herr Schwochow, sind Sie eigentlich masochistisch? Erst Ihr Film über die NSU-Täter, jetzt eine Serie über Bad Banks – was treibt Sie immer zu so erdschweren Themen?

Christian Schwochow: Dazwischen war ja auch der Künstlerfilm „Paula“ über Paula Modersohn-Becker. Da konnte ich mal in Schönheit schwelgen, das war ganz erholsam. Aber Sie haben schon recht: Die Beschäftigung mit diesen Themen ist nicht „schön“. Man schaut in Abgründe. Ich sehe das aber regelrecht als aufklärerische Aufgabe. Als die Bankenkrise 2008 sich zur Finanzkrise weitete, war ich ein Stück weit überfordert. Weil ich das nicht verstanden habe. Und dann will man sich das ja eher vom Leibe halten. Ich empfinde einen Film darüber als großes Geschenk, weil er mich mit Welten konfrontiert, die ich sonst freiwillig nicht betreten würde.

Schon Ihre Ken-Follett-Verfilmung „Die Pfeiler der Macht“ handelte von einer Bank, da noch von einer fiktiven. Sind Sie irgendwie angefixt von der Branche?

Nein. Ich wusste nichts von dem Metier. Ich bin so ein typischer Linker, der da seine Vorurteile kultiviert. Aber wenn ich das Gefühl habe, ein Stoff schickt mich los, um was zu lernen von der Welt, dann lasse ich mich darauf ein. Ich habe noch aufwendiger recherchiert als bei NSU. Ich habe über 50 Banker gesprochen, um die Komplexität annähernd durchdringen zu können.

Die größte Zumutung der Serie: Sie zeigen eigentlich nur Unsympathen. Banker sind wohl derzeit die Leute, mit denen man am wenigsten zu tun haben will. Ist es ein Risiko, über solche Leute eine Serie zu starten?

Diese Menschen leben in einer Welt, die wir Zuschauer nicht lieben werden. Und sie werden uns am Ende auch nicht sympathischer sein. Ich habe aber schon versucht, sie so nah wie möglich an mich heranzuholen. Ich glaube, das ist so ein deutsches Ding, dass man eine Sympathiefigur braucht. Mir fallen ganz viele große Serien der letzten Dekade ein, die sehr ambivalente Figuren haben. Ich persönlich bewerte Menschen nicht nach Sympathie. Klar, im Restaurant hatte ich das auch schon, dass irgendwelche Banker am Nebentisch besonders laut waren. Aber mich interessiert dann eher: Wo nehmen die ihr Selbstbewusstsein her? Da mal hinter die Fassaden zu schauen, das fasziniert mich. Und am Ende sind das auch alles nur Menschen mit Ängsten und Schwächen.

Wie schwer war es überhaupt, mit den Bankern zu sprechen? Die dürfen ja seit der Bankenkrise nicht offiziell über ihren Beruf reden.

Früher war das cool, Investmentbanker zu sein. Inzwischen ist der Imageschaden enorm. Das haben mir viele gesagt, und das kommt auch in der Serie vor, dass man sich beim ersten Date nicht traut zu sagen, welchen Beruf man hat. Die Suche war schwierig, erst wollte keiner reden. Wir hatten Berater, die im Investmentbanking waren, aber ausgestiegen sind, und Berater aus kleineren Banken, wo die Regeln nicht so streng sind. Es hat lange gedauert, bis wir einen ganz hohen Banker hatten – aber dann wurden es immer mehr. Die Gespräche waren auch immer abseits der Banken. Das war ein bisschen wie ein Krimi.

Gibt es denn da überhaupt eine gemeinsame Sprache, in der man sich verständigt?

Das Spannende ist: Es versteht sie niemand. Da ist dann auch eine Sehnsucht, jemandem von sich erzählen zu können. Das ist für die wie eine Therapiesit­zung, wenn doch mal jemand zuhört. Ich habe auch Anrufe von Leuten bekommen, die sich immer wieder treffen wollen. Auch, als wir mal sehen wollten, wie so ein Trading Floor aussieht, haben erst mal alle Banken geblockt, ich bin aber trotzdem in manche reingekommen, weil die Leute mich reingeschleust haben. Auf einem Weg, der für sie gefährlich war.

Seit der Finanzkrise fürchten ja viele, dass das jederzeit wieder passieren könnte. Wenn man sich Ihre Serie anschaut, kann man eigentlich gar keine Hoffnung mehr haben?

Das Verrückte ist: In Finanzkreisen will man diese Krisenängste entweder gar nicht sehen. Oder man wünscht sie sich herbei. Ich habe viele Leute gesprochen, die meinten, der Kapitalismus ist ein Organismus wie ein Körper, der braucht Krankheiten, um sein Immunsystem zu stärken. Und so zynisch es klingt, sagen viele, die letzte Krise war nicht schlimm genug, weil das Immunsystem nicht genug gestärkt wurde. Nach dieser Denke hätten noch viel mehr Leute Geld verlieren müssen. Wenn man in dieser Welt recherchiert, weiß man, das ist alles sehr instabil. Und die Folgen können noch viel heftiger sein als damals bei Lehmann Bros.

Haben Sie noch eine gute Verbindung zu einem Bankberater?

Ja, schon. Ich bin aber durch die Serie sehr viel strenger geworden, wenn die Bank mir was andrehen möchte. Und das tut sie zuweilen. Ich würde nichts kaufen oder etwa in Bitcoins investieren, auch wenn viele damit vielleicht Geld gemacht haben. Da habe ich durch die Recherche echt zu viel gelernt.

Sind Serien das neue Kino?

Nein. Das Erlebnis, einen Film im Kino zu sehen, kann das Sehen einer Serie nicht ersetzen. „Paula“ habe ich in Locarno open-air vor 8000 Menschen erleben dürfen, das ist einmalig. Selbst wenn „Bad Banks“ jetzt um die Welt gehen wird, ist das was anderes. Auch eine andere Art der Herstellung. Bei einem Kinofilm setze ich mit meinem Kameramann vorab jede Einstellung fest, das ist bei einer Serie einfach nicht möglich. Für mich sind das nicht nur zwei Erzählformen, sondern auch fast zwei Kunstformen. Und es ist toll, beides machen zu dürfen. Nur das, was dazwischen liegt, der 90-minütige Fernsehfilm, rückt für mich echt ganz weit weg.

Mit Ihren Filmen haben Sie sich wiederholt auf der Berlinale beworben, sind aber immer abgeschmettert worden. Ist das Ironie, dass Sie jetzt ausgerechnet mit Ihrer ersten Serie dorthin eingeladen waren?

Ich habe schon zwei, drei Sachen gemacht, die ich dort gern gezeigt hätte und von denen ich denke, sie hätten auch da hingepasst. Ich habe aber gelernt, solche Entscheidungen nicht zu hinterfragen. Weil man sonst anfängt, sich zu vergleichen: warum der und nicht ich? Für andere ist das vielleicht eine Triebfeder, mich verletzt das eher. Es ist schön, dass jetzt die Einladung mit der Serie kam. Aber Ablehnungen gibt es ja bei jedem Projekt. Mal sind die Kritiken schlecht, mal bleibt das Publi­kum weg. Da lernt man zwangsläufig, damit umzugehen.

„Bad Banks“ am 1. und 2. März auf Arte, am 3., 4. und 5. März im ZDF. Schon jetzt abrufbereit in der Mediathek des ZDF.