Dirk Zingler, der Präsident des Fußball-Bundesligisten Union Berlin, hat in einem offenen Brief an die Klubchefs der weiteren 35 Vereine in Bundesliga und Zweiter Liga sowie an die DFL eindringlich appelliert, den für Montag geplanten Antrag an das DFL-Präsidium nicht zu stellen. Mit dem Antrag soll die Führung der Deutschen Fußball Liga (DFL) beauftragt werden, einen Vertrag mit einem Investor abzuschließen.

Dieser Vertrag soll der DFL ab 2024 eine Milliarde Euro vor allem für die Auslandsvermarktung einbringen. Der Investor soll einen prozentualen Anteil an den TV-Erlösen erhalten. Maximale Laufzeit des Vertrages: 20 Jahre. Pikant ist, dass noch im Mai eine erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit verfehlt wurde, um Gespräche innerhalb der DFL fortzusetzen, ob es überhaupt einen Investoren-Einstieg geben soll und unter welchen Bedingungen.

Union Berlin sieht Bedrohung durch Multi-Club-Ownerships

„Die damit demonstrierte Missachtung des Abstimmungsergebnisses ist ein mindestens ungewöhnlicher Vorgang“, wird Zingler zitiert. Zudem, so der Union-Boss, sei „zum falschen Zeitpunkt, unmittelbar nach Ablehnung im Frühjahr und unter zeitlichem Druck eines Abschlusses vor Beginn der nächsten Rechteausschreibung 2024 verhandelt worden“.

Zugleich kritisierte Zingler, dass „das schwierige Thema der Investitionen in die Vereine nun ausgeklammert“ sei: „Was im Mai noch mit voller Überzeugung als richtig und notwendig dargestellt wurde, scheint im Dezember plötzlich entbehrlich.“ Auch die im Antrag ausgewiesene niedrigere Ertragsbeteiligung im Vergleich zum Mai wird von Union kritisiert.

Anstatt sich mit den weitaus finanzstärkeren Ligen in England oder Spanien in Konkurrenz zu setzen, solle die DFL „die kulturelle Bedeutung und die soziale Verankerung“ sowie die „sehr erfolgreiche Art und Weise des auf Gemeinnützigkeit basierenden Fußballs“ nutzen. Ansonsten würden „Multi-Club-Ownerships und rein renditeorientierte Investorenmodelle“ den Vereinsfußball in Deutschland bedrohen.

Union Boss Zingler geht mit anderen Vereinen hart ins Gericht

Mit seinen Kollegen aus den Führungsetagen der anderen Profivereine ging Zingler hart ins Gericht. „Klug in den deutschen Profifußball, in unseren eigenen Weg zu investieren, ist notwendig. Doch unsere Kleingeistigkeit und unser gegenseitiger Neid haben uns daran wiederholt gehindert: Weil andere vermeintlich zu Unrecht mehr bekommen als mein Verein, stimme ich lieber ganz dagegen. Mit diesem Verhalten nehmen wir in Kauf, dass alle verlieren.“

Und weiter: „Die Vorschläge aus dem Frühjahr waren eher für diejenigen von uns sinnvoll, die sie abgelehnt haben.“ Union hatte sich im Mai dafür ausgesprochen, dass die Prüfung einer möglichen Investoren-Beteiligung fortgesetzt werden soll.