Endlich. Ein Blick in die Gesichter der Spieler, Verantwortlichen und Fans von Union Berlin genügte, um diese Erleichterung zu erkennen. Endlich wurde wieder gewonnen, mit 3:1 (1:0) gegen Borussia Mönchengladbach. Endlich wurde diese grausame Negativserie nach wettbewerbsübergreifend 16 Spielen ohne Sieg beendet. Und: Endlich zeigten die Köpenicker in der Bundesliga wieder, wozu sie in der Lage sind.

Was die Mannschaft im Vergleich zum Spiel beim SC Braga zehn Tage zuvor besser gemacht hat? „Alles.“ Rani Khedira zögerte nicht mal bei der Antwort. „Wir haben wieder Union-Berlin-Fußball gespielt. Der Gegner hat uns auch viel Platz gegeben, um unser Spiel aufzubauen.“ Trainer Nenad Bjelica analysierte: „Wir waren schnell am Ball, besser im Zweikampf und haben viele Chancen kreiert. Die Mannschaft hat in allen Bereichen eine sehr gute Leistung gezeigt. Ich freue mich für die Mannschaft, die Fans, den ganzen Verein, der in einer schwierigen Phase war. Heute können wir alle ein bisschen feiern.“

Es gab freundlichen Applaus, als Bjelica erstmals als Cheftrainer der Köpenicker vorgestellt wurde. Das donnernde „Fußballgott“ im Anschluss zeigte jedoch, welche große Unterstützung der Kroate bei seiner Mission Klassenerhalt bekommen würde. Die Arme zunächst hinter dem Rücken verschränkt, den Blick auf die vollbesetzten Ränge der mit 22.012 Zuschauern ausverkauften Alten Försterei gerichtet, versuchte Bjelica, diese ersten Momente förmlich aufzusaugen.

Bjelica weckt neue Emotionen bei Union Berlin

Während des Spiels tigerte der 52-Jährige in seine Coachingzone hin und her, gab die eine oder andere Anweisung, gestikulierte hier und da mit den Armen und zeigte Emotionen. Als Kevin Behrens zum Beispiel nach 20 Minuten und wunderbarem Anspiel von Benedict Hollerbach den Ball über das Tor lupfte, anstatt hineinschoss. Ein kurzes, ungläubiges Lächeln, dann folgte die klare Geste: Mit den Armen winkend forderte er die Haupttribüne zur Unterstützung auf.

Empfohlener externer Inhalt

An dieser Stelle befindet sich ein externer Inhalt von X, der von unserer Redaktion empfohlen wird. Er ergänzt den Artikel und kann mit einem Klick angezeigt und wieder ausgeblendet werden.
Externer Inhalt
Ich bin damit einverstanden, dass mir dieser externe Inhalt angezeigt wird. Es können dabei personenbezogene Daten an den Anbieter des Inhalts und Drittdienste übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Es war diese Szene, die keineswegs vollständig, jedoch ausreichend eine Antwort auf die Frage gab, ob Bjelica eine Lösung für das mentale Problem gefunden hatte. Noch in der Woche hatte Rani Khedira, gegen Gladbach Kapitän, offenbart, dass in den vergangenen Wochen zu oft jeder seine eigene Idee verfolgt hätte. Gegen Gladbach stand ein Team auf dem Platz, in dem jeder jeden unterstützte.

Volland trifft per Elfmeter für Union Berlin

Zwei Änderungen hatte Bjelica im Vergleich zum Braga-Spiel vorgenommen. Janik Haberer und eben Hollerbach spielten für Lucas Tousart und Aissa Laidouni. An der Viererkette in der Abwehr hielt er jedoch fest, ebenso an der Idee, mit Robin Gosens (links) und Hollerbach (rechts) über die Außen für Druck zu sorgen. Ein Plan, der gegen zu pomadige Gladbacher aufging.

Nach 60 Sekunden lag der Ball bereits im Borussia-Tor, Schütze Kevin Volland stand jedoch beim Zuspiel von Kevin Behrens klar im Abseits. Hollerbachs Hereingabe fand direkt vor der Torlinie keinen Abnehmer (13.), die nächste Flanke des quirligen Offensivmannes verfehlte Behrens (19.). Und beim Kopball von Volland nach Flanke von Gosens wusste sich Gladbachs Luca Netz nur mit der Hand zu helfen. Strafstoß, Volland, links unten, 1:0 (22.). Welch ein Jubel in der Alten Försterei.

Bjelica lässt Union Berlin nicht abwartend spielen

Er sei „kein Trainer, der abwartend und nur auf Konter spielt“, hatte Bjelica noch Minuten vor dem Spiel am Sky-Mikrofon erklärt. Auch dass Union durch die Spielabsage in München zuletzt weniger Spielbelastung hatte als Mönchengladbach, das am Dienstag noch 120 schwere DFB-Pokalminuten gegen Wolfsburg zu überstehen hatte, soll nicht unerwähnt bleiben. Doch allein die Körpersprache, die Union am Sonnabend zeigte, macht Hoffnung für die kommenden Wochen.

Kevin Volland, Stürmer von Union Berlin, traf per Elfmeter zur Führung und musste später wegen einer Verletzung mit einem Verband um den Kopf weiterspielen.
Kevin Volland, Stürmer von Union Berlin, traf per Elfmeter zur Führung und musste später wegen einer Verletzung mit einem Verband um den Kopf weiterspielen.© dpa | Andreas Gora

In diesem ersten Bundesliga-Spiel unter Bjelica ließ Union jedoch nie einen Zweifel daran, wer die Partie gewinnen würde. Hollerbach fasste sich ein Herz von der Strafraumgrenze, wieder schlug es unten links ein, 2:0 (50.). Die Jubelszenen danach zeigten, dass die Mannschaft intakt ist. Mittendrin: Trainer Bjelica. „Wer mich bislang noch nicht gekannt hat, kennt mich jetzt. Das ist Bjelica pur, mit Emotionen, in der Kabine und auch außerhalb“, erklärte der Kroate, der „sehr glücklich“ über Hollerbachs Treffer war, „für den Jungen, der bislang noch nicht so viel gespielt hat“.

Selbst der Anschlusstreffer bringt Union Berlin nicht ins Wanken

Schon Volland hätte erhöhen können (46.), danach erneut Hollerbach (52.), Behrens (57.) oder Haberer (73.). Erst der eingewechselte Mikkel Kaufmann erhöhte auf 3:0 (75.). Selbst der Anschlusstreffer von Allassane Plea (77.) brachte Union nicht mehr ins Wanken. Als sich die Mannschaft auf die wohlverdiente Ehrenrunde begab, hatte sich Bjelica längst in die Katakomben begeben – mit Applaus in Richtung Haupttribüne.

Als sich das Team vor der Waldseite positioniert hatte, schallte ein lautes „Hurra, Hurra, Union ist wieder da“ durch das Stadion. Ist Union Berlin wieder da? Nun war es Bjelica, der mit seiner Antwort nicht zögerte: „Absolut. Mit dieser Leitung haben wir gezeigt, dass mit Union zu rechnen ist – wenn wir gut und diszipliniert Fußball spielen.“ Wohl wissend, dass dieser Sieg nur ein erster kleiner Schritt auf dem Weg zum Klassenerhalt gewesen ist. Aber auch ein äußerst wichtiger.