Der Anhang von Union Berlin nahm es irgendwann mit Galgenhumor. „Always look on the bright side of life” dröhnte aus dem Gästeblock. Was diese helle, strahlende Seite des Lebens gerade ist? Der Fußball dürfte es nicht sein. Der Köpenicker Fußball-Bundesligist kassierte am Sonnabend schließlich die nächste, die siebte Pflichtspiel-Niederlage in Serie. Ein 2:4 (2:1) bei Borussia Dortmund, das die Berliner in der Tabelle weiter abrutschen ließ.

„Ich habe eine sehr gute Reaktion meiner Mannschaft gesehen nach der unglücklichen Niederlage unter der Woche“, sagte Trainer Urs Fischer, der im Vergleich zur Last-Minute-Pleite in der Champions League gegen Braga (2:3) den angeschlagenen Josip Juranovic mit Christopher Trimmel ersetzte und Aissa Laidouni für Lucas Tousart ins Rennen schickte. „Dann fehlte bei uns jegliche Konsequenz. Wie wir die vier Tore verteidigt haben, war ungenügend.“

VAR nimmt Kral-Tor nach Freistoß wieder zurück

Dabei war die Partie vor allem Anschauungsunterricht in Sachen Standardsituationen – und das auf beiden Seiten. Erst stand Marco Reus an der Eckfahne, trat den Ball in die Mitte und fand dort Niklas Füllkrug. Dortmunds Stürmer köpfte zunächst Union-Keeper Frederik Rönnow an, schob dann aber im Fallen den Abpraller ein (7. Minute). Ein Rückstand, auf den die Köpenicker mit gleichen Mitteln reagierten. Trimmel schickte einen Eckball auf den Weg, der von Robin Gosens – mit Unterstützung von Füllkrug – ins Netz flog – 1:1 (9.).

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Damit waren die Eckbälle als Torvorlagen schon mal abgehakt. Es folgten die Freistöße aus dem Halbfeld. Wieder stand Trimmel bereit, wieder flog der Ball in den Strafraum, wo diesmal Alex Kral per Kopf einnetzte (18.). Das vermeintliche 2:1 für die Gäste aus der Hauptstadt. Doch der VAR schaltete sich ein, prüfte die Situation minutenlang und nahm den Treffer wieder zurück. Kral hatte minimal im Abseits gestanden.

Bonucci macht per Elfmeter seinen ersten Bundesliga-Treffer

Genau wie Füllkrug, der wenige Minuten später einen Freistoß von Reus an Rönnow vorbei schob (26.). Schiedsrichter Patrick Ittrich hatte die Partie gerade erst wieder angepfiffen, als sich der VAR erneut wegen Abseits meldete.

Das Publikum im mit 81.365 Zuschauern ausverkauften Signal-Iduna-Park reagierte ungehalten. Diesmal ging es um einen Zweikampf zwischen Sheraldo Becker und Mats Hummels, nach dem Unions Offensivmann im BVB-Strafraum liegen geblieben war. Ittrich hatte die Situation laufen lassen, der VAR aber sah ein Foul von Hummels, der Becker einen Schlag auf den Fuß versetzte.

Und so stand die nächste Standardsituation im Fokus. Der Elfmeter. In der zweiten Hauptrolle: Leonardo Bonucci. Unions Abwehrboss trat an – und verwandelte sicher zum 2:1 (30.). Der erste Bundesliga-Treffer für den Italiener. Und die Führung für Union.

Doppelpack des BVB überrollt die Köpenicker

Manch einer mochte sich fragen: Krise? Welche Krise? Die Fischer-Elf hielt in Dortmund mit einem Spitzenteam der Bundesliga mit, dominierte streckenweise sogar. Von Verunsicherung, die der Trainer in den vergangenen Wochen ohne Punkte ausgemacht hatte, war nichts zu sehen.

Doch aufmerksame Leser sollten ein Muster erkannt haben. Tor nach Ecke für Dortmund, Tor nach Ecke für Union. Tor nach Freistoß für Union, Rücknahme durch VAR, Tor nach Freistoß für Dortmund, Rücknahme durch VAR. Elfmeter-Tor für Union. Elfmeter-Tor für Dortmund?

Nein. Dafür aber ein Doppelpack, der die gut 4000 mitgereisten Fans aus Berlin jäh verstummen ließ. Erst trug sich Ex-Unioner Niko Schlotterbeck mit einem sehenswerten Distanzschuss zum 2:2 (50.) in die Torschützenliste ein, dann konterte Reus einen Union-Angriff und ließ den besser positionierten Julian Brandt vollenden (54.).

Union Berlin kann in Dortmund einfach nicht gewinnen

Ein vielversprechendes 2:1 aus Berliner Sicht machte der ungeschlagene BVB innerhalb von vier Minuten zunichte. „Das war ein Nackenschlag, als wir uns viel vorgenommen hatten“, sagte Stürmer Kevin Behrens, der am Freitag von Bundestrainer Julian Nagelsmann zum ersten Mal für die Nationalmannschaft nominiert worden war. „Bei uns fehlen dann vielleicht fünf oder zehn Prozent, um darauf zu reagieren.“

Als dann mit Julian Ryerson noch ein zweiter Ex-Unioner den vierten Treffer für den BVB besteuerte (71.), war es Gewissheit: Union hat seit dem Bundesliga-Aufstieg 2019 alle fünf Gastspiele in Dortmund verloren. „Jetzt haben wir zwei Wochen Zeit“, sagte Union-Geschäftsführer Oliver Ruhnert mit Blick auf die Länderspielpause. „Und wollen es gegen Stuttgart besser machen.“