Bei Union Berlin wird man wohl noch ein paar Tage brauchen, um dieses dritte Erfolgsjahr hintereinander wirklich einpreisen zu können. Bundesliga-Aufstieg 2019, Klassenerhalt 2020, Conference League 2021 – „dass wir das als außergewöhnlich bezeichnen müssen, können wir nicht wegdiskutieren“, sagt Oliver Ruhnert, Unions Geschäftsführer Profifußball.

Es ist meist die Sicht von außen, die einem bewusst macht, was man wirklich erreicht hat. So ließ ein Lob aus Westend nicht lange auf sich warten. „Ich habe einen sehr netten Anruf von Carsten Schmidt bekommen, darüber habe ich mich sehr gefreut“, sagt Unions Präsident Dirk Zingler am Pfingstsonntag über das Telefonat mit dem Geschäftsführer von Hertha BSC. Herthas Trainer Pal Dardai ließ wissen: „Großen Glückwunsch und Respekt. Ich weiß, was diese Platzierung in der Bundesliga bedeutet.“

Bei Sky hatte Rekordnationalspieler Lothar Matthäus bereits am Sonnabend erklärt, dass für ihn Union die Bereicherung der vergangenen zwei Jahre gewesen ist. „Das macht einem erst mal bewusst, was passiert ist“, sagt Ruhnert. Und auch Urs Fischer, der Trainer von Union Berlin, musste nach dem 2:1 gegen RB Leipzig eingestehen: „Um das Ganze zu verarbeiten, braucht es einfach eine gewisse Zeit.“

Union Berlin trotzt den Großen der Liga

„Mir ging es nicht zwingend um Europa“, sagt Zingler und erklärt: „Wir haben gegen die ersten sechs Mannschaften zu Hause nicht verloren und auch auswärts gepunktet, deswegen bist du Siebter, und das ist das Geile. Und wenn am Ende dabei die Conference Legaue herauskommt, dann freuen wir uns darüber.“

Tatsächlich liegt Union im direkten Vergleich der Top sieben gegen den FC Bayern (1:1, 1:1), RB Leipzig (2:1, 0:1), Borussia Dortmund (2:1, 0:2), den VfL Wolfsburg (2:2, 0:3), Eintracht Frankfurt (3:3, 2:5) und Bayer Leverkusen (1:0, 1:1) auf Rang vier – vor Wolfsburg, Leipzig und Leverkusen.

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Zeit zur Verarbeitung wird es bis zum 28. Juni geben, bis sich die Köpenicker zur Vorbereitung auf das dritte Jahr in der Fußball-Bundesliga samt Europapokal treffen, ehe nach Kurztrainingslager in Bad Saarow (1. bis 4. Juli) und großem Trainingslager in Tirol/Österreich (19. bis 26. Juli) die Saison am 13. August wieder beginnt. Doch die Aufgaben, die auf Union warten, sind enorm.

Klassenerhalt bleibt das Ziel von Union Berlin

Auch wenn Klubchef Zingler schon jetzt das Saisonziel Klassenerhalt ausgab („Wir starten damit, was für uns angemessen ist“) – bei Union Berlin ist man sich bewusst, dass der Aufwärtstrend auch mal vorbei sein kann. „Wir waren in den vergangenen drei Jahren überdurchschnittlich erfolgreich. Das, was wir derzeit ernten, geht natürlich zurück. Es wird auch mal einen Schritt zurückgehen, darauf sind wir als Verein vorberietet. Auch dass ein von allen schon erwarteter Kampf gegen Abstieg ansteht.“ Oder wie es Manager Ruhnert umschreibt: „Wir starten am 1. Juli wieder mit null Punkten.“

Ähnlich wie in der Zweiten Liga werde man nun auch im Oberhaus die Entwicklungszeit brauchen, mahnt Zingler. „Dabei wird uns Europa helfen, auch wirtschaftlich. Die Anzahl der Fehler, die wir machen, muss weiter viel geringer sein als bei anderen.“

Union Berlin braucht vor allem Stürmer

Neben der Frage, in welchem Stadion Union Berlin sein Heimspiel im Play-off der Conference League austragen kann, muss vor allem eine Antwort gefunden werden, welche Mannschaft es für die drei Wettbewerbe Meisterschaft, DFB-Pokal und Europacup benötigt. Keine leichte Aufgabe für Kaderplaner Ruhnert, zumal nach den Abgängen von Loris Karius, Petar Musa, Joel Pohjanpalo, Nico Schlotterbeck, Taiwo Awoniyi (alle nur bis Saisonende ausgeliehen), Christian Gentner, Akaki Gogia, Christopher Lenz und Florian Hübner ein Umbruch bevorsteht.

Ob Stammkräfte wie Mittelfeldspieler Robert Andrich oder Innenverteidiger Marvin Friedrich bleiben, ist auch noch nicht sicher. Um in drei Wettbewerben zu spielen, braucht es neben entsprechender Qualität vor allem Quantität. „Wenn wir diese Spielzeit nehmen, die Mannschaften, die international gespielt haben – es gab gesperrte und verletzte Spieler und es hat auch nicht gereicht“, verdeutlicht Fischer.

In jedem Fall braucht es einen neuen Torwart und nach dem Leih-Ende der Stürmer Pohjanpalo, Musa und Awoniyi vor allem Offensivkräfte. Bislang wurden die Verteidiger Paul Jaeckel und Tymoteusz Puchacz sowie die Mittelfeldspieler Rani Khedira (defensiv) und Levin Öztunali (offensiv) verpflichtet.

Fan-Party vor dem Stadion von Union Berlin

Ärger dürfte Union Berlin jedoch noch für die Fan-Party auf dem Stadiongelände vor der Haupttribüne drohen. Zusammen mit der Mannschaft, die sich auf dem Balkon des Gebäudes befand, feierten gut 2000 Anhänger auf dem Parkplatz davor. Maskenpflicht und Abstandsregeln, vorher beim Pilotprojekt während des Spiels im Stadion noch weitestgehend eingehalten, wurden nun ignoriert.

Klubchef Zingler verteidigte am Pfingstsonntag das Vorgehen, das in der immer noch herrschenden Coronavirus-Pandemie kein gutes Licht auf Union Berlin wirft. „Das war so abgesprochen. Wir haben das am Freitag im Rahmen unseres Vorhabens so entschieden, als klar wurde, dass wir 2000 bis 3000 Menschen vor dem Stadion zu erwarten haben“, sagt Zingler.

„Wir werden auch die Konsequenzen tragen“, so der Union-Präsident weiter, „aber wir haben auch an mehreren Standorten gesehen, wie es läuft, wenn es nicht organisiert ist.“ In Köln, Bremen und Rostock gab es Fan-Aufläufe, bei denen nicht nur reihenweise gegen die Corona-Regeln verstoßen wurde, sondern es auch zu Ausschreitungen gekommen war.

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