Union Berlin im Europapokal – das klang schon vor 20 Jahren unwirklich, als sich der damals frische Zweitligist in den Uefa-Pokal aufmachte. Und das klingt auch heute nicht weniger unwirklich, was nicht nur mit der noch unbekannten Europa Conference League zu tun hat, die Union Berlin nun mit einweihen wird.

Denn was damals galt, gilt auch heute: Union Berlin hat sich diese Sensation gegen höherklassige Gegner erspielt. Damals reichten dem Drittligisten ein paar DFB-Pokalspiele, um als unterlegener Finalist das Europa-Ticket zu lösen.

Union Berlin zeigt, was möglich ist

Nun setzte sich die Mannschaft von Trainer Urs Fischer zwar gegen Konkurrenten aus der gleichen Spielklasse durch. Doch in der gleichen Liga wie Borussia Mönchengladbach, ja auch wie der SC Freiburg oder der VfB Stuttgart spielt man deshalb noch lange nicht. Union Berlin ging mit dem zweitkleinsten Etat in die Saison – und hat der Liga 34 Spieltage lang gezeigt, was trotzdem möglich ist: Rang sieben.

Dass nun Eintrittskarten für das internationale Geschäft auf dem Tisch liegen, hat vor allem mit dem Tisch zu tun, der wegen seiner vier Eckpfeiler nicht umfällt. Bei Union sind dies: ein Trainerteam um Urs Fischer, dem die sportliche Weiterentwicklung hin zu mehr Offensive gelang, ohne in brenzligen Phasen die Ruhe zu verlieren; ein Kaderplaner Oliver Ruhnert, dessen Verpflichtungen (Max Kruse, Robin Knoche) und auch Leihgeschäfte (Taiwo Awoniyi, Nico Schlotterbeck, Joel Pohjanpalo) erneut einschlugen, sportlich wie menschlich; ein Präsidium um Klubchef Dirk Zingler, das in der Coronavirus-Pandemie nach Lösungen für die Rückkehr zur Normalität sucht und nicht nur abwartet, was die Politik vorgibt; und eine Fan-Gemeinde, die trotz sozialer Distanz nie die Nähe zum Verein verloren hat.

Die Konkurrenz nimmt Union Berlin nun anders wahr

Doch man muss sich bei Union Berlin spätestens jetzt klar sein: Das war es auch endgültig mit der Rolle des Neulings. Durch die Erfolge der vergangenen zwei Jahre, vor allem aber die Art ihres Zustandekommens, wird die Konkurrenz die Berliner nicht mehr als Außenseiter betrachten.

Sorgen Unions Eckpfeiler jedoch dafür, dass der Tisch weiterhin nicht umfällt, dann braucht man sich auch um das dritte Bundesliga-Jahr samt Conference League nicht zu sorgen.

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