Coronavirus

Union geht in den Krisenmodus

Union reagiert vor dem Spiel gegen die Bayern auf die Entwicklungen rund um das Coronavirus. Klubchef Zingler appelliert an die Fans.

Die Ränge der Alten Försterei bleiben am Sonnabend leer.

Die Ränge der Alten Försterei bleiben am Sonnabend leer.

Foto: Soeren Stache / dpa

Berlin. Einlaufkinder führen die beiden Mannschaften auf das Spielfeld, halten die Spieler dabei an den Händen. Am Spielfeldrand sorgt Ritter Keule für Stimmung – Szenen, die beim Besuch eines Spiels in der Alten Försterei zum Zeremoniell gehören.

Szenen, die es am Sonnabend nicht geben wird, wenn der 1. FC Union niemand Geringeren als Bayern München empfängt (18.30 Uhr, Sky). Wobei selbst die Austragung dieses Topspiels angesichts der Entwicklungen rund um das Coronavirus noch nicht gesichert ist.

Stand Donnerstag sollen die Spiele in der Bundesliga laut der Deutschen Fußball Liga (DFL) wie geplant durchgeführt werden, natürlich ohne Zuschauer, wie die Gesundheitsämter völlig richtig entschieden haben. Es ist der Versuch, irgendwie einen Spieltag vernünftig zu Ende zu bringen, der schon längst im Dickicht der Gesundheitsmaßnahmen und deren Folgen verschwunden ist.

Union-Trainer Fischer ist um Normalität bemüht

„Ich versuche, mich zu hundert Prozent auf meinen Job zu konzentrieren. Aber das Coronavirus hat uns alle erreicht. Es gibt auch genug Erklärungen, wie man sich verhalten soll“, sagte Urs Fischer. Unions Trainer versuchte, ein gewisses Maß an Normalität aufrechtzuerhalten, als er darüber sprach, wie seine Mannschaft gegen den deutschen Meister bestehen könnte.

„Wir dürfen eigentlich gar keine Fehler machen. Am Sonnabend müssen wir wirklich unser Gesicht zeigen, müssen sie nerven und wirklich eklig sein. Die Frage wird sein: Traust du dich, auch mal ins Angriffspressing zu gehen, oder ziehst du dich zurück?“, erklärte Fischer. Doch in Zeiten sich fast stündlich ändernder Sachlagen rund um die Pandemie rückte der Sport verständlicherweise in den Hintergrund.

Welche Nebenrolle der Fußball tatsächlich spielt, offenbarte sich in der Person von Dirk Zingler. Der Union-Präsident zeigt sich nur selten bei Pressekonferenzen, und wenn dann nur zu Verpflichtungen von Trainern und Sportdirektoren – oder zu deren Entlassung.

Union-Präsident Zingler appelliert an die Fans

Am Donnerstag stand er im Medienraum der Alten Försterei und richtete einen Appell an die Fans des Klubs. „Wir fordern unsere Unioner auf, nicht zum Stadion zu kommen, weil wir auch keine chaotischen Umstände wollen. Das gehört auch zu unserer Veranstalterpflicht“, sagte Zingler also.

Es gilt, die Vorgabe des Gesundheitsamts ohne zu zögern umzusetzen. Vor diesem Hintergrund darf man gespannt sein, welchen Einfluss Union auf seine aktive Fanszene tatsächlich hat – oder ob die Fanszene verantwortungslos und ignorant handelt. Zingler stellte dazu nur fest: „Grundsätzlich ist jeder Mensch frei in seinen Entscheidungen. Das einzelne Verhalten unserer Anhänger ist nicht zu beeinflussen.“

Am Mittwochabend hatte es bereits genug Negativbeispiele gegeben. Fans von Borussia Mönchengladbach hatten es sich im Bundesliga-Nachholspiel gegen den 1. FC Köln nicht nehmen lassen, vor dem Stadion ihre Mannschaft anzufeuern. Ähnliche Szenen gab es auch beim Champions-League-Spiel zwischen Paris Saint-Germain und Borussia Dortmund.

Fan-Plakate soll es auf den Rängen geben

Eine endgültige Entscheidung, wer überhaupt ins Stadion darf, soll es im Laufe des Freitags geben. „Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden nur Menschen im Stadion sein, die mit dem Spielablauf zu tun haben“, erklärte Zingler.

Komplett leer sollen die Tribünen jedoch nicht sein. In jedem Fall werden im Union-Fanblock auf der Waldseite Fan-Transparente und Plakate ausgelegt.

Noch am Dienstagvormittag war Zingler – in Absprache mit dem Gesundheitsamt des Bezirks Treptow-Köpenick – davon ausgegangen, dass das Topspiel vor voll besetzten Rängen stattfinden wird. Am Mittwoch schob das Gesundheitsamt mit seiner Anordnung einen Riegel vor diese eher vage Hoffnung.

Profis von Unions Berlin sind vorbereitet

Unions Profis wurden jedenfalls auf diese Krise vorbereitet, wie Trainer Fischer verdeutlichte: „Die medizinische Abteilung hat die Mannschaft informiert. Wenn ein Spieler ein schlechtes Gefühl hat, besteht jederzeit die Möglichkeit zu telefonieren. Du müsstest dich eigentlich jeden Tag untersuchen lassen. Wenn Anzeichen da sind, wissen die Spieler, wie sie sich verhalten müssen. Zum guten Glück ist das noch nicht geschehen.“

Mehr über Union Berlin lesen Sie hier.