Coronavirus

Union-Boss Zingler: „Kommt nicht zum Stadion!“

Union-Präsident Dirk Zingler appelliert an die Fans, am Sonnabend nicht zur Alten Försterei zu kommen. Krisensitzung der DFL am Montag.

Union-Präsident Dirk Zingler appelliert an die Fans, zu Hause zu bleiben

Union-Präsident Dirk Zingler appelliert an die Fans, zu Hause zu bleiben

Foto: Andreas Gora / dpa

Berlin. Einen Tag nach der Bekanntgabe, dass das Topspiel in der Fußball-Bundesliga zwischen Union Berlin und Bayern München am Sonnabend (18.30 Uhr) aufgrund der Entwicklungen rund um das Coronavirus hat Dirk Zingler die Fans aufgefordert, nicht zur Alten Försterei zu kommen.

„Wir fordern unsere Unioner auf, nicht zum Stadion zu kommen, weil wir auch keine chaotischen Umstände wollen. Das gehört auch zu unserer Veranstalterpflicht“, sagte Zingler am Donnerstag in der Spieltags-Pressekonferenz. Dennoch, so der Klubchef weiter, sei „grundsätzlich jeder Mensch frei in seinen Entscheidungen. Das einzelne Verhalten unserer Anhänger ist nicht zu beeinflussen.“

Fans unterstützen Teams außerhalb des Stadions

Die Wahrscheinlichkeit, dass zumindest die aktive Fanszene am Sonnabend zum Stadion kommen wird, ist durchaus groß. Schon am Mittwoch hatten es sich Fans von Borussia Mönchengladbach im Nachholspiel gegen den 1. FC Köln nicht nehmen lassen, vor dem Stadion ihre Mannschaft anzufeuern. Ähnliche Szenen hatten sich auch in Paris beim Champions-League-Spiel zwischen Paris Saint-Germain und Borussia Dortmund am Mittwochabend abgespielt.

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Laut Zingler soll im Laufe des Freitags eine Entscheidung getroffen werden, wer überhaupt ins Stadion darf. „Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden nur Menschen im Stadion sein, die mit dem Spielablauf zu tun haben.“ In jedem Fall sollen Fan-Banner auf den leeren Tribünen ausgelegt werden dürfen. Inwiefern Union an den zum Spieltag festen Abläufen wird festhalten können, darüber wollte der verein wegen der sich beinahe stündlich ändernden Lage nicht äußern.

Noch am Dienstagvormittag war Zingler – in Absprache mit dem Gesundheitsamt des Bezirks Treptow-Köpenick – davon ausgegangen, dass das Topspiel vor voll besetzten Rängen stattfinden kann. Am Mittwoch schob das Gesundheitsamt dieser eher vagen Hoffnung mit einer Anordnung einen Riegel vor.

DFL-Krisensitzung am Montag

Am Montag werden die 36 Vereine der Deutschen Fußball Liga (DFL) in einer Krisensitzung darüber entscheiden, ob und wie es mit der Saison 2019/20 nach dem 26. Spieltag weitergehen soll. „Uns vereint alle, dass wir Fußball ohne Zuschauer nur sehr schwer durchführen wollen. Für uns als Unioner spielt der Stadionzuschauer noch eine ganz besondere Rolle“, erklärte Zingler.

Der Union-Boss erwartet „eine leidenschaftliche Sitzung, wie wir sie lange nicht erlebt haben“. Zingler wird zusammen mit Oskar Kosche, Unions Geschäftsführer Lizenzierung, an der Sitzung teilnehmen.

Zugleich stellte Zingler klar, dass es nicht an der Zeit sei, um über wirtschaftliche Konsequenzen zu sprechen: „Wir müssen der Politik erstmal Zeit lassen, um mit der Situation umzugehen. Wir haben das auch in dieser Woche erlebt, in der bei unserem Bezirksamt Treptow-Köpenick auch Dinge eingeströmt sind, die nur schwer zu verarbeiten waren. Niemand ist darauf vorbereitet und kann auf einen Masterplan zurückgreifen.“

Union Berlin will über Ticketerstattungen informieren

In den nächsten Tagen sollen zudem alle Ticketinhaber für das Union-Spiel gegen die Bayern über die Modalitäten für eine Erstattung informiert werden. „Der deutsche Fußball – und auch wir – müssen in der Lage sein, die finanziellen Herausforderungen, die vor uns liegen, zu meistern. Es gibt keine Sportart, die mehr Mittel hat, um mit dieser Krise umzugehen“, sagte Zingler.

Zugleich machte der 55-Jährige deutlich, welche Auswirkungen Spiele ohne Zuschauer oder gar abgesagte Partien haben. Wir haben tausend Mitarbeiter während der Spieltage verpflichtet, die verlassen sich auf die Einnahmen, viele verdienen sich 400 Euro dazu, das wird ihnen genommen“, nannte Zingler den Fußballsport einen „riesengroßen Ernährer von Menschen“.

Leere Stadien oder Spielabsagen „werden wir als Unioner und auch als Klub aushalten. Aber wenn wir diesen Menschen diese Beschäftigung nicht mehr geben können, ist das dramatisch.“

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