Bundesliga

Union will dem Coronavirus trotzen

Union-Präsident Dirk Zingler glaubt an ein Bayern-Spiel in der voll besetzten Alten Försterei. Gesundheitsamt prüft die Lage täglich.

Union-Präsident Dirk Zingler (r.) erörtert mit Christian Arbeit, Unions Geschäftsführer Kommunikation, die Lage.

Union-Präsident Dirk Zingler (r.) erörtert mit Christian Arbeit, Unions Geschäftsführer Kommunikation, die Lage.

Foto: Matthias Koch / imago images

Berlin. Bislang blieb es ruhig in Berlin. Doch spätestens seit Dienstag haben die Auswirkungen des Coronavirus unter Umständen auch massive Auswirkungen auf die beiden Berliner Fußball-Bundesligisten. Vor allem beim 1. FC Union hofft man, das Topspiel gegen Bayern München vor 22.012 Zuschauern in der ausverkauften Alten Försterei stattfinden zu lassen und nicht vor leeren Rängen.

Union-Präsident Dirk Zingler gibt sich optimistisch, dass die Partie gegen den deutschen Meister keine Einschränkungen erfahren wird. „Am Ende entscheidet nicht der Bund, sondern das Gesundheitsamt in den Landkreisen und Bezirken. Wenn wir alle sachlichen Gründe untersuchen, und das haben wir gemacht nach Checkliste des Robert-Koch-Instituts, gehe ich davon aus, dass kein Grund dafür besteht, das Spiel ohne Zuschauer stattfinden zu lassen“, sagte Zingler am Dienstagvormittag.

Union Berlin: Behörden geben grünes Licht – Stand jetzt

Am Dienstagnachmittag haben laut einer Union-Mitteilung die Behörden im Bezirk Treptow-Köpenick bekanntgegeben, „dass sie nach umfangreicher Prüfung der aktuellen Risikobewertung in Bezug auf die Ausbreitung des Coronavirus entschieden haben, keine Anordnung über einen Ausschluss von Zuschauern für das Heimspiel am 14.03.2020 zu erlassen.“

Dabei seien „die spezifischen Bedingungen der Veranstaltung ebenso berücksichtigt wie der umfassende Maßnahmenkatalog des Vereins zur Hygiene im Stadion und zur Prävention vor und während der Veranstaltung. Über die präventiven Maßnahmen wird der Verein im Vorfeld des Spiels gesondert informieren“, hieß es in der Klub-Mitteilung weiter.

Doch für das Münchner Gastspiel bei Union ist die letzte Entscheidung noch nicht gefallen. Das weiß auch der Union-Klubchef. „Sollte sich die zu beurteilende Lage für den Bezirk Köpenick vollkommen verändern, werden wir die Lage wieder neu bewerten müssen und dann wird eine neue Entscheidung getroffen“, sagte Zingler am Dienstagvormittag.

Gesundheitsamt: Noch keine Entscheidung getroffen

Das Bezirksamt Treptow-Köpenick ließ am Dienstagabend in einer eigenen Mitteilung wissen, „dass das zuständige Gesundheitsamt und auch der zuständige Dezernent keine Entscheidung zur Durchführung des Spieles am 14.03.2020 mit Zuschauerbeteiligung getroffen haben“.

Union habe sich „professionell mit dem Thema Gefährdungsanalyse auseinandergesetzt und dem Bezirksstadtrat die geplanten Schutzmaßnahmen vorgestellt. Die geplanten Maßnahmen müssen – der täglichen Lage – von unserem bezirklichen Gesundheitsamt geprüft werden. Hierzu steht das Gesundheitsamt mit dem 1. FC Union Berlin in engem Kontakt“, heißt es in der Mitteilung weiter.

Am Dienstagvormittag war zudem bekannt geworden, dass das Nachholspiel zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln am Mittwochabend ohne Zuschauer nachgeholt wird. Die Partie war wegen des Sturmtiefs Sabine Anfang Februar abgesagt worden. Auch das Revierderby zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04 findet am Sonnabend (15.30 Uhr) ohne Zuschauer statt, ebenso die Partien Düsseldorf gegen Paderborn (Freitag, 20.30 Uhr), Köln gegen Mainz (Sonnabend, 15.30 Uhr), Augsburg und Wolfsburg (Sonntag, 18 Uhr) sowie Bremen und Leverkusen (Montag, 20.30 Uhr).

Zingler sieht Unternehmensgrundlage entzogen

„Es sollte eine sachliche Analyse stattfinden und nicht pauschal geurteilt werden, dass Veranstaltungen über 1000 Zuschauer abgesagt werden. Dann sollten wir anfangen, bitte den öffentlichen Personen-Nahverkehr in Berlin einzustellen und nicht Veranstaltungen aufzukündigen“, sagte Zingler weiter.

Aus Sicht des Zuschauers könne man das leicht nehmen, „dann sieht er mal drei Spiele weniger. Aber aus Sicht des Veranstalters – wir sind Arbeitgeber mit 180 Mitarbeitern, uns wird die Unternehmensgrundlage entzogen“, sagte Zingler zu möglichen Folgen eines Zuschauerausschlusses wegen des Coronavirus.

„Herr Spahn (Bundesgesundheitsminister, d. Red.) hat ja auch nicht empfohlen, dass BMW in Berlin die Produktion einstellt. Deshalb kann er auch nicht empfehlen, dass wir unseren Betrieb einstellen. Es ist wichtig, dass eine sachliche, fundierte, fachliche Entscheidung getroffen wird durch die Gesundheitsämter in den Bezirken“, machte Zingler deutlich.

Zingler und die Frage nach Schadensersatz

Für den Union-Präsidenten sei zudem klar: „Wenn aus präventiven Maßnahmen eine Behörde eine Anordnung erlässt, dann muss die Behörde auch für alle wertmindernden Ereignisse Schadensersatz leisten.“

Auch innerhalb der Mannschaft vergeht kaum ein Tag, an dem nicht über das Coronavirus und die möglichen Auswirkungen auf das Spiel gegen die Bayern gesprochen wird. „Es kann schon gefährlich sein, ich habe aber keine Angst davor und führe mein Leben normal weiter“, sagte Kapitän Christopher Trimmel. Alle wüssten, „dass – wenn jemand im Verein infiziert werden sollte – wir alle in Quarantäne müssen“. Bernd Wolfarth, Chefarzt der Sportmedizin in der Charité, hat „uns mehr oder weniger aufgeklärt und beruhigt“.

Selfies und Autogramme, wie von einer Schulklasse am Dienstagvormittag erhofft, gab es jedoch nicht. „Das ist vom Verein vorgegeben, dass man dies minimiert. Grundsätzlich geht es ja darum, das ganze etwas hinauszuzögern und Zeit zu gewinnen für die Mediziner“, erklärte Trimmel.

Unions Profis bereiten sich auf Geisterspiel vor

Der Österreicher werde sich trotz des derzeitigen Stands auf ein Geisterspiel gegen die Bayern vorbereiten: „Ich gehe davon aus, dass das Spiel ohne Zuschauer stattfindet, das macht es mir etwas leichter in meiner Vorbereitung. Schon wenn du den Rasen zum Aufwärmen betrittst, ist es eine eigenartige Atmosphäre, wie bei einem Testspiel.“

Michael Parensen sieht es ähnlich: „Ich bereite mich auch so vor, als würden keine Zuschauer kommen. Wobei ich der Meinung bin, dass man es Liga-weit einheitlich regeln sollte, weil es am Ende dann doch ein bisschen schwierig für den Wettbewerb ist.“

Gleichzeitig sieht der Verteidiger eine große Unsicherheit beim Thema Coronavirus: „Alle haben damit ein bisschen zu kämpfen, keiner weiß, wie es richtig ist, damit umzugehen. Man kommt in Situationen, in denen man im Alltag anders reagieren würde, jetzt gehst du aber doch noch mal am Desinfektionsmittel vorbei.“

Das Derby rückt in den Fokus

Marius Bülter findet es „natürlich schade, dass uns das jetzt treffen könnte. Vorher hat man nicht damit gerechnet, dass uns das passieren könnte.“ Der Offensivmann hofft dennoch, „dass wir vor Zuschauern spielen, weil ich denke, dass sie uns im Heimspiel gegen Bayern schon helfen könnten.“

Gespannt sein darf man auf die Entwicklung mit Blick auf das Derby zwischen Hertha BSC und Union im Olympiastadion am 21. März (18.30 Uhr). Da die Gesundheitsämter in den Bezirken entscheidend sind, kann es passieren, dass die Partie auf Anweisung des Gesundheitsamtes Charlottenburg vor leeren Rängen stattfindet, das Public Viewing in der Alten Försterei jedoch stattfinden kann, weil dort das Gesundheitsamt Treptow-Köpenick zuständig ist.

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