DFB-Pokal

Unions Finaltraum endet in Leverkusen

| Lesedauer: 6 Minuten
Michael Färber
Union-Torwart Rafal Gikiewicz ist beim 1:2 durch den Kopfball von Charles Arranguiz machtlos.

Union-Torwart Rafal Gikiewicz ist beim 1:2 durch den Kopfball von Charles Arranguiz machtlos.

Foto: Matthias Hangst / Bongarts/Getty Images

Lange kann Außenseiter Union auf den Sprung ins Halbfinale hoffen. Doch nach dem Platzverweis für Lenz jubelt doch wieder Leverkusen.

Leverkusen. Dass Rafal Gikiewicz ein emotionaler Profi ist, zeigt er in jedem Spiel. Doch nach dem Aus im DFB-Pokal-Viertelfinale platzte dem Torwart des 1. FC Union fast der Kragen. „Du kannst in Leverkusen verlieren, aber so ist es ein Skandal“, sagte Gikiewicz nach dem 1:3 (1:0) bei Bayer Leverkusen.

Gikiewicz bemängelte das Abwehrverhalten vor allem beim zweiten Leverkusener Treffer: „Das zweite Gegentor kann ich nicht akzeptieren. Der Ball fliegt, und du stehst nur rum und springst nicht.“ Marvin Friedrich und Christopher Trimmel, die Moussa Diaby beim Kopfball gewähren ließen, dürfen sich angesprochen fühlen.

Doch der Treffer war nur die Folge der Entwicklung in einem Spiel, in dem das Halbfinale für Union zum Greifen nah gewesen ist – und das Union durch einen Moment der Übermotivation selbst aus der Hand gegeben hat. „Die Gelb-Rote Karte war der Knackpunkt, bis dahin war es eine tolle Leistung“, war Trainer Urs Fischer enttäuscht. Wenn du im Pokal spielst, willst du auch ins Finale, hatte der Schweizer unlängst gesagt. Dieser Finaltraum endete in Leverkusen.

Union Berlin auf fünf Positionen verändert

Es bedarf einer außergewöhnlichen Leistung, um im dritten Aufeinandertreffen mit der Werkself bestehen endlich bestehen zu können, hatte Fischer vor der Partie festgestellt. Außergewöhnlich war vor allem eines: der Mut, mit dem der Außenseiter beim Europa-League-Teilnehmer auftrat.

Zu jeder Zeit war es ein Spiel auf Augenhöhe. Die Leverkusener hatten zwar mehr Ballbesitz. Doch Union lief die Gastgeber überlegt an und hielt sich nach Ballgewinnen nicht lange mit irgendwelchen Ballstafetten auf, sondern schalteten sofort in den Vorwärtsgang.

Außergewöhnlich war auch, dass Fischer seine Mannschaft auf fünf Positionen gegenüber dem Bundesliga-Spiel gegen den VfL Wolfsburg (2:2) verändert hatte. Michael Parensen ersetzte Neven Subotic in der Dreierabwehrkette, rechts spiele Julian Ryerson für Christopher Trimmel. Grischa Prömel (für Christian Gentner feierte im defensiven Mittelfeld sein Startelf-Comeback. Und auf der Außenbahn agierte Marcus Ingvartsen (für Yunus Malli) neben Anthony Ujah (für Sebastian Andersson).

Beide Fan-Lager schweigen während Notarzteinsatz

Ujah war der erste, der Bayer-Torwart Lukas Hradecki prüfte (3.), Marius Bülter war der Nächste (11.). Szenen, die die rund 2000 mitgereisten Union-Anhänger spüren ließen, dass am Mittwochabend mehr als nur erneutes Lob für eine gute Leistung gegen Leverkusen möglich ist.

Gut eine Viertelstunde feuerten beide Fan-Lager ihre Mannschaften an, dann wurde es still im mit 18.453 Zuschauern ohnehin nur mäßig gefüllten Stadion. Wegen eines Notarzteinsatzes auf der Haupttribüne stellen beide Fan-Lager ihre Gesänge und Unterstützung ein. Die Stille von den Rängen hielt bis zum Ende des Einsatzes kurz vor der Pause. Ein Verhalten, dass nur mit einem Wort zu umschreiben ist: großartig. Der Patient wurde ins Krankenhaus gebracht, sein Zustand sei stabil, hieß es. Für die Sanitäter im Stadion gab es im Anschluss Applaus.

Lediglich einmal wurde es doch laut im Union-Block – weil Ingvartsen den Außenseiter verdient in Führung gebracht hatte. Robert Andrich hatte im Mittelfeld den Ball erobert, Bülter sich auf der rechten Seite gegen Daley Sinkgraven durchgesetzt und in den Strafraum geflankt. Dort schraubte sich Ingvartsen hoch und köpfte zum 1:0 ein (39.).

Fan-Proteste gegen den DFB nach der Pause

So viel war klar: Nach der Pause musste etwas passieren. Zum einen ließen es sich beide Fan-Lager nicht nehmen, erneut ihren Unmut gegen den Deutschen Fußball-Bund (DFB) kundzutun. „Der DFB bricht sein Wort, schützt lieber Investoren statt Akteure im Fußballsport“, war auf Transparenten im Bayer-Block geschrieben. Dazu die Namen von Jordan Torunarigha (Hertha BSC) und Leroy Kwadwo (Würzburger Kickers), die unlängst von Zuschauern rassistisch beleidigt wurden.

Im Union-Block war zu lesen: „Hopp, Hopp, Hopp, der DFB folgt im Galopp“ – Kritik an Dietmar Hopp, dem Mäzen der TSG Hoffenheim, der anders als noch am Wochenende dieses Mal erfreulicherweise nicht diffamiert und beleidigt wurde.

Und auch bei Leverkusen tat sich etwas: Der Favorit drückte nun mehr aufs Tempo, weil Bayer-Coach Peter Bosz mit dem flinken Diaby für den schwachen Verteidiger Jonathan Tah, die Offensive verstärkte. Union-Torwart Gikiewicz rückte mehr in den Mittelpunkt, auf der Gegenseite verfehlte Andrich aus 25 Metern nur knapp (63.).

Lenz sieht Gelb-Rot, Union Berlin verliert

Es lief die 71. Minute, als die Partie kippte. Der bereits vorbelastete Linksverteidiger Christoper Lenz grätschte Charles Arranguiz am Leverkusener Strafraum um und sah dafür Gelb-Rot. Und als Union sich noch neu zu ordnen versuchte, setzte Kai Havertz den gerade erst eingewechselten Karim Bellarabi in Szene, der sich die Chance zum Ausgleich nicht nehmen ließ (72.).

Leverkusen startete nun einen Angriff nach dem anderen gegen dezimierte Unioner. In der 86. Minute konnte Gikiewicz sein Team mit einer Parade gegen Diaby noch im Spiel halten. Doch die folgende Ecke durch Demirbay brachte schließlich den K.o. für Union durch einen Kopfball von Aranguiz. Diaby setzte in der Nachspielzeit den Schlusspunkt.

„Wir sind verdient nicht ins Halbfinale eingezogen, weil wir mit Beginn der zweiten Halbzeit nicht mehr so sicher am Ball waren und Leverkusen damit das Momentum gegeben haben“, sagte Parensen.

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