Bundesliga

Union Berlins harte Landung in der Realität

Beim 0:5 in Dortmund erlebt Union, wie es ist, ein ganz normaler Aufsteiger zu sein. Eine Erkenntnis, die im Abstiegskampf hilft.

Neven Subotic (r.) und Union Berlin sind nach der Pleite in Dortmund in der harten Wirklichkeit eines Aufsteigers gelandet.

Neven Subotic (r.) und Union Berlin sind nach der Pleite in Dortmund in der harten Wirklichkeit eines Aufsteigers gelandet.

Foto: Guido Kirchner / dpa

Berlin. Manch einer mag geschluckt haben. Als Neven Subotic am Sonnabend vor der Dortmunder Südtribüne stand und sich feiern ließ. Als ehemaliger Spieler des BVB, als Rückkehrer mit dem 1. FC Union, aber eben auch als einer, der gerade mit seiner Mannschaft 0:5 beim Titelkandidaten verloren hat. „Ich habe das in vollen Zügen genossen“, sagte der Innenverteidiger über den Moment mit den Fans, „und habe alles andere ausgeblendet.“

Alles andere. Die Realität. In der Union nach dieser herben Klatsche nun angekommen ist. In Dortmund erging es den Köpenickern wie einem ganz normalen Aufsteiger, der bei einem um Klassen besseren Gegner unter die Räder kommt. „Gefühlt war jeder Schuss ein Treffer. Brutal“, sagte Verteidiger Marvin Friedrich, der nach seiner fünften Gelben Karte auch noch ein Spiel zuschauen muss. Und auch Trainer Urs Fischer musste feststellen: „Wir waren einfach nicht gut genug.“ Auch wenn die Niederlage dem Geschmack des Schweizers nach ein, zwei Tore zu hoch ausgefallen ist.

Union Berlins Subotic bemängelt die fehlende Zweikampfhärte

Auf dem Feld aber war der Qualitätsunterschied zwischen dem Aufsteiger und dem Meisterschaftsanwärter so deutlich zu erkennen wie bisher in keiner Bundesliga-Partie zuvor. Stets hatten sich die Unioner teuer verkauft, auch gegen die Schwergewichte der Branche. Hatten nicht nur Dortmund (3:1) und Mönchengladbach (2:0) in der Hinrunde geschlagen, sondern auch Bayern (1:2) und Leipzig (1:3) trotz späterer Niederlagen an den Rand der Verzweiflung gebracht.

Von dem spielerischen Mut, mit dem die Berliner in den besagten Partien aufgetreten sind, war am Sonnabend nicht viel zu sehen. „Die Zweikämpfe, die wir gewonnen haben, kannst du an einer Hand abzählen“, sagte Subotic später, als auch er wieder in der harten Realität angekommen war. „Weil wir so weit davon entfernt waren, den Gegner unter Druck zu setzen.“ Unter Druck hat sich Union nun selbst gesetzt. Die Abstiegszone ist zwar immer noch fünf Punkte entfernt, am Sonnabend (15.30 Uhr) aber geht es auswärts in Bremen gegen einen direkten Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt.

Am Mittwoch hat Union Berlin die Chance aufs Pokal-Viertelfinale

Auch deshalb kommt der Dämpfer in Dortmund im richtigen Moment. Noch ist genug Zeit, um wichtige Erkenntnisse aus dem schwachen Auftritt zu ziehen, die bei der Mission Klassenerhalt helfen werden. Um gestärkt in die verbleibenden 14 Partien zu gehen. Um Mittel zu finden gegen Gegner, die mit hoher Geschwindigkeit anlaufen und keine Räume zum Kontern lassen. Um trotz Rückstand in der Verteidigung nicht auseinanderzufallen. „Wenn du in Dortmund 0:3 hinten liegst, musst du einen Riegel davor schieben, damit du eben nicht noch das vierte oder fünfte bekommst. Schlussendlich war das wenig clever von uns“, sagte Trainer Fischer. „Weil auch die Tordifferenz am Ende einer Meisterschaft entscheidend sein kann.“

Ebenso entscheidend kann die Einstellung der Mannschaft sein. Kapitän Christopher Trimmel und Co. hatten schon erwartet, dass ein solches Spiel irgendwann kommen muss, das würde das Team nun wirklich nicht umhauen. Abhaken war deshalb der allgemeine Tenor, bloß nicht zu lang mit dem „schwächsten Spiel“ (Subotic) hadern oder sich gar aus der Bahn werfen lassen. Die Klatsche beim BVB wird vermutlich nicht die letzte in dieser Saison gewesen sein.

Und außerdem wartet vor der richtungsweisenden Partie in Bremen am Mittwoch noch das Achtelfinale im DFB-Pokal beim Regionalligisten SC Verl (18.30 Uhr). Gegen einen auf dem Papier drei Klassen schwächeren Gegner geht es um die Chance, ins Pokal-Viertelfinale einzuziehen. Das hatten die Köpenicker zuletzt vor 20 Jahren geschafft, als der Titeltraum erst im Finale gegen den FC Schalke 04 endete.

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