Langsam schlichen sie vom Platz – mit hängenden Schultern und betretenen Mienen. Dieses 0:5 (0:2) bei Borussia Dortmund am Sonnabend, es war die deutlichste Niederlage, die der 1. FC Union bisher in der Fußball-Bundesliga hinnehmen musste. Das war den Profis des Aufsteigers deutlich anzusehen. „Dortmund war klar besser“, sagte Innenverteidiger Marvin Friedrich, „das müssen wir jetzt schnell abhaken.“ Und auch Abwehrkollege Neven Subotic, der nach 777 Tagen zu seinem Ex-Verein zurückkehrte, musste feststellen: „Wir haben absolut keine Antworten gefunden – weder offensiv noch defensiv.“

Trainer Urs Fischer hatte seine Elf im Gegensatz zum 2:0-Sieg gegen Augsburg auf zwei Positionen umgebaut. Union lief wieder im 3-4-3 auf, verzichtete auf zwei Stürmer. Anthony Ujah und Marcus Ingvartsen mussten auf die Bank, stattdessen feierte Winterzugang Yunus Malli auf der rechten Außenbahn sein – recht blasses – Bundesliga-Debüt. Auf links versuchte sich Hinspiel-Torschütze Marius Bülter.

Unions Trimmel und Friedrich kriegen Haaland nicht in den Griff

Das deutlich erfolgreichere Debüt in der Anfangsformation feierte ein anderer: Erling Haaland. Dortmunds neuer Stürmer, der eingeschlagen ist wie eine norwegische Naturgewalt und auch Unions Abwehr aus nächster Nähe sein Können vorführte. In der 18. Minute zum Beispiel, als der 19-Jährige Union-Verteidiger Marvin Friedrich entwischte und eine Flanke von Julian Brandt humorlos zum 2:0 einschob.

Ja, bereits zum 2:0. Fünf Minuten vorher war es nämlich Flügelflitzer Jadon Sancho gewesen, der sich vor 81.365 Zuschauern an Kapitän Christopher Trimmel vorbeidribbelte und Union-Keeper Rafal Gikiewicz mit seinem abgefälschten Schuss keine Chance ließ. Der 19 Jahre alte BVB-Youngster ist damit der erste Bundesliga-Profi unter 20, der 25 Tore in Deutschlands höchster Spielklasse erzielt.

Dimensionen, von denen sie bei Union weit entfernt sind. Das mussten die Köpenicker am Sonnabend gleich mehrfach erkennen. Coach Fischer hatte schon im Vorfeld gewusst, dass seine Mannschaft „einen perfekten Tag“ erwischen müsse, um Zählbares aus Dortmund zu entführen. Von perfekt aber war der Auftritt des Aufsteigers weit entfernt.

Bülter und Schlotterbeck mit Unions einzigen Chancen in Hälfte zwei

Obwohl Bülter die erste Chance der Partie für Union verbuchte, als er eine Flanke von Trimmel nur knapp verpasste (4. Minute), der offensiven Wucht, mit der Dortmund von Beginn an anrannte, hatte der Aufsteiger wenig entgegenzusetzen. Vor allem die Abwehr um Friedrich und Trimmel wirkte überfordert gegen die Schnelligkeit, Dominanz und Kreativität der schwarz-gelben Abteilung Attacke.

Dass der Tabellenzwölfte zur Pause nicht höher zurücklag, war einer aufopferungsvoll kämpfenden Defensive zu verdanken, die einen Schuss von Raphael Guerreiro zur Ecke klärte (21.). Und Torhüter Gikiewicz, der einen Sancho-Schuss aus kurzer Distanz parierte (28.). Entmutigen ließen sich die Gäste von der drückenden Überlegenheit des BVB aber nicht. Vor der Pause drosch Keven Schlotterbeck den Ball nach einem Freistoß von Trimmel über das Tor (41.), nach dem Seitenwechsel war es wieder Bülter, der sich auf der rechten Seite ein Herz nahm und nur knapp verzog (56.).

Innenverteidiger Friedrich kassiert fünfte Gelbe Karte

Es schien gar, als hätten die Berliner den Mut wiedergefunden, mit dem sie in der Hinrunde den haushohen Favoriten im eigenen Stadion mit 3:1 besiegt hatten. Als dann aber Keeper Gikiewicz den heranstürmenden Haaland im Strafraum auf regelwidrige Weise bremste, fand auch Unions Offensivdrang ein Ende. BVB-Kapitän Marco Reus verwandelte den fälligen Elfmeter (68.) zum 3:0, nur zwei Minuten später erhöhte Axel Witsel auf 4:0 (70.). An der deutlichen Pleite änderte auch die Einwechslung von Grischa Prömel (69.) nichts mehr, der erstmals seit dem 2. Spieltag wieder im Kader stand und sein Comeback nach einer Patellasehnenreizung gab.

Haaland legte stattdessen sogar noch einen drauf und besorgte mit seinem siebten Saisontor (in drei Spielen) den 5:0-Endstand (76.). „Der Junge ist schwer zu verteidigen. Der weiß genau, wo er stehen muss“, sagte Friedrich, für den Unions Lehrstunde in schwarz-gelb auch noch Folgen für die richtungsweisende Partie gegen Werder Bremen am nächsten Sonnabend (15.30 Uhr) hat. Der 24-Jährige kassierte nach einem Foul in der 64. Minute seine fünfte Gelbe Karte und wird gesperrt fehlen. „Bisschen unnötig jetzt“, befand Friedrich. Vorher aber geht es für die Köpenicker bei Regionalligist Verl am Mittwoch (18.30 Uhr) noch um den Einzug ins Pokal-Viertelfinale.