Für diesen einen kurzen Moment hellt sich seine Miene auf, als Yunus Malli an den kommenden Spieltag in der Fußball-Bundesliga denkt. Der 1. FC Union empfängt am Sonnabend (15.30 Uhr, Alte Försterei) den FC Augsburg zum ersten Heimspiel des Jahres, und für Malli gibt es ein Wiedersehen der besonderen Art.

„Es ist ja auch kein Geheimnis, dass ich unter Martin Schmidt erfolgreiche Zeiten in Mainz und Wolfsburg hatte“, erzählt der Mittelfeldspieler, der erst am vergangenen Freitag vom VfL Wolfsburg zu Union ausgeliehen wurde. Seitdem sind beide „oft im Austausch. Er hat mir zur meiner Leihe auch alles Gute gewünscht.“

Es ist der Moment, in dem der Fußball-Profi wieder in den ruhigen, eher nachdenklichen Modus schaltet. Malli ist mit 27 Jahren im besten Fußballeralter, und ausgerechnet jetzt ist seine Karriere ins Stocken geraten.

Es gab auch andere Optionen als Union Berlin

Ob bei Mainz 05 oder in Wolfsburg, der gebürtige Kasseler zählte stets zu den Leistungsträgern. Die Ausbildung in der Jugend-Akademie von Borussia Mönchengladbach kann ihm dabei zugute. Dann übernahm Oliver Glasner das Traineramt in Wolfsburg – und Malli spiele keine Rolle mehr.

Kein Einsatz in der Bundesliga, es musste etwas passieren. „Natürlich wusste ich, dass sich an meiner Situation etwas ändern muss. Deswegen habe ich einen Wechsel, eine Leihe angestrebt“, sagt Malli. Innerhalb einer Woche ging das Leihgeschäft zwischen dem Aufsteiger und dem deutschen Meister von 2009 über die Bühne.

„Es gibt nun mal Phasen, wo es einfach nicht passt, wo der Trainer andere Spielertypen bevorzugt. Deswegen muss man nicht böse darüber sein, sondern sich Gedanken machen, wie es weitergeht, das habe ich gemacht“, erklärt Malli, der auch andere Möglichkeiten hatte, als zu Union zu wechseln. Besiktas Istanbul und auch Fortuna Düsseldorf waren im Gespräch. Doch bei den Köpenickern „hatte ich das beste Gefühl“.

Malli wollte unbedingt in der Bundesliga bleiben

Schon zum Rückrundenstart bei RB Leipzig (1:3) wurde er in der Schlussphase eingewechselt und durfte seinen 198. Einsatz im Oberhaus bestreiten. Wirklich aufgefallen ist er da noch nicht, was sowohl dem Gegner, als auch natürlich seiner noch fehlenden Bindung zur Mannschaft von Trainer Urs Fischer geschuldet ist.

Doch schon gegen Augsburg erhofft er sich mehr. Ebenso wie Union sich mehr spielerische Momente, mehr Kreativität in der Offensive erträumt. „Weil er eine Qualität mitbringt, die wir bislang in unserem Kader nicht haben“, ist sich Innenverteidiger Marvin Friedrich sicher.

„Wichtig war für mich, dass ich unbedingt in der Bundesliga bleiben wollte, weil ich das Gefühl hatte, hier noch nicht fertig zu sein“, macht Malli deutlich, in ruhigem, fast nachdenklichem Ton. „Ich bin schon eher der ruhigere Typ, der versucht, mein Ding zu machen. Das wird sich auch nicht mehr groß ändern. Ich bin wie ich bin und versuche, das Beste daraus zu machen.“

Über Union Berlin zur EM mit der Türkei

Schließlich verfolgt der 1,79-Meter-Mann noch ein anderes Ziel: die Teilnahme an der Europameisterschaft im Sommer. Bereits vor vier Jahren, bei der EM in Frankreich, zählte Malli zum Aufgebot der türkischen Nationalmannschaft, nachdem er sich im Oktober 2015 dafür entschieden hatte, nicht weiter für Deutschland zu spielen.

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Immerhin 25 Spiele für die Türkei stehen dem U17-Europameister von 2009 und Halbfinalisten der U21-EM von 2015 – beides mit Deutschland – zu Buche. Doch nur, wenn Malli auch regelmäßig spielt, können weitere hinzukommen.

„Ich bin in Kontakt mit dem Nationaltrainer gewesen, habe auch mit ihm über die Leihe gesprochen. Es hängt alles von mir ab“, weiß Malli, dass er seinen bislang 198 Einsätzen in der Bundesliga weitere hinzufügen muss.

Malli kennt Polter und Ujah bei Union Berlin

„Ich weiß, was ich kann, und ich denke, dass ich in der Lage bin, der Mannschaft zu helfen. Meine Stärken liegen natürlich in der Offensive, ich kann eine gewisse Qualität ins Spiel bringen“, erklärt Malli durchaus selbstbewusst.

Auch, dass es jetzt noch zu früh sei zu sagen, ob er im Sommer wieder nach Wolfsburg (Vertrag bis 2021) zurückkehre. In Berlin will er sich jedenfalls eine möblierte Wohnung für die nächsten vier Monate nehmen.

Seine neuen Teamkollegen, von denen er Sebastian Polter und Anthony Ujah noch aus seiner Zeit in Mainz kennt, hat er „als Team wahrgenommen, das mit einer großen Mentalität funktioniert“. Gelingt es ihm, diese Mentalität in sein spielerisches Potenzial zu integrieren, kann die Ausleihe bis Saisonende die berühmte Win-Win-Situation für beide Seiten werden.