Bundesliga

Union verpasst die Überraschung beim Herbstmeister

Nach einer guten ersten Halbzeit muss sich Union Berlin dem Spitzenreiter aus Leipzig mit 1:3 geschlagen geben.

Unions Torhüter Rafal Gikiewicz (r.) und seine Abwehrkollegen können nur zuschauen, wie Leipzigs Marcel Sabitzer (M.) den Ball zum 1:2 versenkt.

Unions Torhüter Rafal Gikiewicz (r.) und seine Abwehrkollegen können nur zuschauen, wie Leipzigs Marcel Sabitzer (M.) den Ball zum 1:2 versenkt.

Foto: Maja Hitij / Bongarts/Getty Images

Leipzig. Dem 1. FC Union ist der Start in die Rückrunde der Fußball-Bundesliga missglückt. Der Aufsteiger unterlag bei Herbstmeister RB Leipzig mit 1:3 (1:0), dabei hätte für die Köpenicker durchaus mehr herausspringen können. „Ich habe ein tolles Spiel meiner Jungs gesehen“, sagte Trainer Urs Fischer. „Sie haben alles versucht, mehr war nicht drin.“

Natürlich gab es wieder Proteste aus dem Union-Lager. Natürlich ließen es sich die Fans der Berliner nicht nehmen, mit einem „kontinuierlichen und ausdauernden Protest“ ein „ausdrucksstarkes Zeichen“ zu setzen, wie es in einem offenen Brief des Union-Fanclubs „Wuhlesyndikat“ hieß.

Schon beim 0:4 im Hinspiel am ersten Spieltag hatte der Union-Anhang durch ein 15 Minuten langes Schweigen ihren Unmut über das Konstrukt RB Leipzig zum Ausdruck gebracht. Nun wurde der Gästeblock erst wenige Minuten vor dem Anpfiff „geflutet“. Zuvor gab es einen Marsch vom Leipziger Hauptbahnhof, alle in schwarz gekleidet.

Bülter macht sein viertes Saisontor für Union Berlin

Einem Trauerzug gleich zogen rund 2000 Union-Fans durch die Leipziger Straßen in Richtung Stadion, in ihren Händen zahlreiche überdimensionale Kreuze, einen Sarg und vorneweg ein riesiges Transparent mit der Aufschrift: „In Leipzig stirbt der Fußball“.

Auch dieses Mal hatten sich die insgesamt gut 7000 Union-Fans eine Schweigeviertelstunde auferlegt. Doch die Mannschaft von Trainer Urs Fischer hatte etwas dagegen. Noch keine zehn Minuten waren vorbei, da fügte Marius Bülter seinem ganz persönlichen Bundesliga-Märchen ein weiteres Kapitel hinzu.

Christian Gentner hatte den Ball im Mittelfeld erobert und Sebastian Andersson auf die Reise geschickt. Der Schwede düpierte Lukas Klostermann, stocherte das Spielgerät weiter zu Bülter. Und der Offensivmann zeigte das, was der Aufsteiger in der kurzen Wintervorbereitung eifrig geübt hatte: Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor. Vom linken Innenpfosten prallte der Ball zum 1:0 hinter die Linie, es war Bülters viertes Saisontor.

Union-Kapitän Christopher Trimmel fällt erkrankt aus

Wer nun einen furios aufspielenden Spitzenreiter erwartete, musste lange warten. Leipzig hatte deutlich mehr Ballbesitz (70 Prozent in der ersten Halbzeit). Doch das Spiel der Elf von Julian Nagelsmann war zu eindimensional. Viel Tempo, vor allem über Nationalspieler Timo Werner und Christopher Nkunku, aber nur wenige Ideen.

Weil Union mutig war, aber nicht kopflos. Kompakt, aber nicht mauernd. Mit Robert Andrich als bissigem Abräumer, Christian Gentner als Stabilisator und Neven Subotic als umsichtigem Chef der Dreierkette mit Michael Parensen und Marvin Friedrich, der den erkrankten Christopher Trimmel als Kapitän vertrat. Für den Österreicher spielte Julian Ryerson auf der rechten Seite.

Kaum auszudenken, was gewesen wäre, hätte Gentner einen verirrten Andrich-Schuss nicht direkt auf RB-Torwart Peter Gulasci geköpft. Erst nachdem Patrik Schick Union-Torwart Rafal Gikiewicz geprüft hatte, kam Leipzig etwas mehr auf. Subotic klärte vor dem einschussbereiten Werner (38.), Klostermann und Dayot Upamecano behinderten sich – von Parensen noch entscheidend gestört – gegenseitig (39.), dann war Gikiewicz zweimal gegen Werner zur Stelle (40., 41.), schließlich verzog Nordi Mukiele (45.).

Union Berlin sortiert sich noch, als Werner wieder zuschlägt

„Wir waren zufrieden in der Pause“, sagte Unions Flügelspieler Marius Bülter. „Aber dann haben wir die erste Viertelstunde der zweiten Hälfte verpasst, da hat Leipzig das gut gemacht. Da waren sie zu stark für uns.“ Es passte ins Bild, dass der Aufsteiger eifrig mithelfen musste, damit der Titelkandidat in Führung gehen konnte. Nach einem langen Leipziger Pass klärte Bülter den Ball in die Mitte, wo Werner vor den Augen von Bundestrainer Joachim Löw nicht lange fackelte und den Ball von der Strafraumgrenze aus direkt in den linken oberen Winkel drosch. Gikiewicz hatte keine Abwehrchance (51.). Beim 1:2 sechs Minuten später durch Marcel Sabitzer schalteten Gikiewicz und Bülter zu spät.

Der weitere Spielverlauf zeigte aber auch die Entwicklung, die die Köpenicker in ihren ersten Bundesliga-Monaten genommen haben. Waren sie im Hinspiel nach dem Rückstand noch völlig auseinandergebrochen, so fing sich der Außenseiter relativ schnell wieder. Andrich prüfte Gulasci (70.), der Glaube, vielleicht doch nicht mit leeren Händen nach Berlin zurückreisen zu müssen, war zurück.

Fischer brachte nun mit Winterzugang Yunus Malli – der Mittelfeldspieler wurde erst am Freitag vom VfL Wolfsburg bis Saisonende ausgeliehen – für Marcus Ingvartsen und Anthony Ujah für Andersson zwei frische Offensivkräfte. In der Schlussphase kam zudem Sebastian Polter für Parensen – ein Wechsel, der die Partie schließlich entschied. Denn während sich Union in der Abwehr noch versuchte, auf Viererkette umzustellen, nutzte Werner die Unordnung zum 1:3 (83.). „Das ist eine bittere Niederlage, weil wir wieder eine gute Leistungs gebracht haben“, sagte Bülter, „wir müssen uns einfach wieder belohnen.“

Mehr über den 1. FC Union lesen Sie hier.