Bundesliga

Unions Christopher Trimmel kämpft ums Triple

Aufsteiger Union hat den Vertrag mit Christopher Trimmel bereits verlängert. Doch auf den Kapitän warten noch zwei weitere große Ziele.

Union-Kapitän Christopher Trimmel (2.v.r.) lässt sich nicht stoppen.

Union-Kapitän Christopher Trimmel (2.v.r.) lässt sich nicht stoppen.

Foto: Bernd Thissen / picture alliance/dpa

Berlin. Eigentlich wollte Christopher Trimmel Kunst studieren. Deshalb hatte sich der Österreicher aus seiner Heimat im Burgenland einst nach Wien aufgemacht, in die Hauptstadt. Dort begann für den damals 22-Jährigen eine Karriere, die er so für sich nicht geplant hatte.

Heute, knapp elf Jahre nach seinem Debüt als Fußball-Profi bei Rapid Wien, ist er mit 32 Jahren – am 24. Februar wird er 33 – selbst zu einem Kunst-Objekt geworden. Das hat nicht nur mit seiner Leidenschaft für das Tätowieren zu tun, seine Arme und Beine können dieser Passion nur schwer verbergen. Eigentlich können Sie es überhaupt nicht.

Es ist die Kunst, in jeder Saison immer noch etwas draufzulegen, in einem Alter, das Teamkollege Christian Gentner in der heutigen Profilandschaft gerade erst als sehr alt verortete. Doch wenn es etwas gibt, was er liebt, dann sind es Herausforderungen. „Ich liebe Herausforderungen“, bestätigt Trimmel ohne zu zögern. Und das noch so junge Jahr 2020 hält für ihn einige sehr große bereit.

Union Berlin verlängert Trimmels Vertrag

Der Rechtsverteidiger des 1. FC Union kämpft in diesem Jahr um sein ganz persönliches Triple. Das erste Ziel hat er bereits erreicht: Sein Vertrag beim Bundesliga-Aufsteiger wurde erst vergangenen Sonnabend um ein Jahr bis 2021 verlängert, ohne das eine zuvor vereinbarte Option greifen musste.

Für die beiden anderen, den Klassenerhalt mit Union und die Teilnahme an der Europameisterschaft im Sommer, wird Trimmel hart arbeiten müssen. Aber der Österreicher liebt ja Herausforderungen.

„Die Ziele sind schon da, und wenn man sie erreicht, so wie im vergangenen Jahr, das ist dann schon megaschön“, erzählt Trimmel. Wichtig sei für ihn in erster Linie Union, „das ist auch die Basis für das Nationalteam. Wichtig ist, dass du gesund bleibst, im Verein spielst und gute Leistungen bringst, das ist meine Hauptaufgabe. Das mit dem Nationalteam ergibt sich dann.“

Trimmel straft alle Kritiker Lügen

Kann man auch andersherum sehen: Die Aussicht, für sein Land zu spielen, sorgt für gute Leistungen im Verein. Trimmel gesteht: „Für das Selbstvertrauen war das Nationalteam extrem hilfreich, das baut einen schon auf. Auch mich, selbst wenn ich jetzt schon ein bisschen älter bin und jeder von Routine spricht. Und dann ist da der Faktor Bundesliga.“

Der gebürtige Oberpullendorfer, der für Rapid in der österreichischen Bundesliga auch schon in 149 Einsätzen auf dem Platz gestanden hat, verewigte sich mit dem Aufstieg im Mai vergangenen Jahres nicht nur in Unions Vereinshistorie, sondern strafte auch alle Kritiker Lügen, die ihm den Sprung in Deutschlands Eliteliga nicht zugetraut haben.

Seit 2014 spielt Trimmel für Union, oft war er bereits abgeschrieben, immer hat er sich zurückgekämpft. Weil er jede Herausforderung angenommen hat. Erst den Kampf um seinen Stammplatz auf der rechten Abwehrseite, dann die Ernennung zum Kapitän der Köpenicker 2018, schließlich die Gelbsperre im Relegationsrückspiel gegen den VfB Stuttgart, die er in Kauf genommen hatte, um im Hinspiel einen Stuttgarter Angriff zu unterbinden.

Union Berlin braucht immer 100 Prozent

Herausforderungen, die Trimmel pragmatisch annimmt, so wie seine erste Hinrunde in der deutschen Bundesliga. „Ich glaube nicht, dass ich mich persönlich viel verändert habe, auch in meiner Spielweise nicht“, sagt der Abwehrspieler und lobt pflichtbewusst die Mannschaft: „Jeder hat gesehen, dass auch wir als kleiner Verein Spiele gewinnen und in der Liga bestehen können. Das mir sehr großen Spaß gemacht, und ich glaube, das sieht man auch.“

Seine Flankenläufe sowie seine Qualitäten bei Standards, die bereits zu fünf Torvorlagen geführt haben, sind längst bekannt. Sein Einsatz ist es sowieso. Doch der Pragmatismus hat auch seinen Preis. Als „mega-anstrengend“ bezeichnet Trimmel die ersten 17 Saisonspiele, in denen er keine Minute gefehlt hat.

Im Weihnachtsurlaub habe er dies zu spüren bekommen, als „der Druck schon ein bisschen abgefallen ist. Du brauchst an jedem Spieltag eine Topverfassung. Was man in der Zweiten Liga ein bisschen auffangen konnte, ist in der Bundesliga nicht mehr möglich. Du wirst eiskalt bestraft dafür, wenn ein, zwei Spieler mal nicht einen so guten Tag haben. Es bleibt dabei, dass wir immer über 90 Minuten unsere Leistung bringen müssen, und nicht nur über 70 Minuten.“

Trimmel freut sich auf das Gastspiel in Bremen

Trimmel versucht, dies nicht nur in den Spielen, sondern auch in jeder Trainingseinheit umzusetzen: „Es ist ganz wichtig, dass wir jede Einheit voll fokussiert sind und sehr ernst nehmen.“ In der Winterpause kann man aufgrund der kurzen Zeit „vielleicht nicht so an der Fitness arbeiten, aber in Sachen Ballarbeit versuchen wir immer, das Maximum herauszuholen“.

Weil es in der Bundesliga immer verlangt wird, erst recht von einem Debütanten, der unbedingt den Klassenerhalt schaffen will. „Es sind schon Aufgaben, die man liebt, auch wenn man am Ende das Spiel vielleicht verliert oder den einen oder anderen Zweikampf nicht so gut bestreitet“, erklärt Trimmel. Die direkten Duelle gegen Frankfurts Filip Kostic, auch Mönchengladbachs Marcus Thuram will er nicht missen.

Sich trotz allem Pragmatismus die Freude an jedem Spiel zu bewahren – das ist vielleicht das Geheimnis des Außenverteidigers, der in der Winterrangliste des „Kicker“ in die Kategorie Blickfeld gewählt wurde, gleich hinter die Top Ten. „Ich freue mich auf jedes Spiel. Vor allem auf die Auswärtsspiele, in Bremen habe ich noch nie gespielt. Ein neues Stadion, die Atmosphäre aufzusaugen“, sagt Trimmel. Am 8. Februar ist es soweit.

Auf Union Berlin wartet ein Topteam

Und was reizt ihn am Sonnabend (18.30 Uhr, Sky) zum Rückrundenstart bei Spitzenreiter RB Leipzig? „Dass du dich gegen ein Topteam beweisen kannst, vor allem auswärts ist das dann noch einmal ein Stück schwieriger. Das ist die Herausforderung, die einen dort kitzelt“, sagt Trimmel. Natürlich.

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