Seit Urs Fischer im Sommer vergangenen Jahres das Traineramt beim 1. FC Union übernommen hat, hat sich so manche Gepflogenheit verändert. Der Umgang mit Siegen zum Beispiel, oder der mit Niederlagen. Beides wird zur Kenntnis genommen, sich kurz gefreut oder geärgert, dann gilt der Blick schon dem nächsten Gegner.
Folglich herrscht nach dem 0:2 gegen die TSG, dem Ende der tollen Heimserie nach vier Siegen ohne Gegentor, Ruhe an der Alten Försterei. Alles andere wäre auch erstaunlich. Denn, wie Kapitän Christopher Trimmel feststellte: „Die Art und Weise, wie wir verlieren, ist das Wichtigste, das habe ich immer betont. Und ich glaube nicht, dass wir uns gegen Hoffenheim ergeben oder nicht alles gegeben haben.“
Eine Einschätzung, die jeder teilt, der am Dienstagabend das Kampfspiel zwischen dem immer noch besten Aufsteiger der Bundesliga und den Kraichgauern verfolgt hat. Weshalb Trimmel schon jetzt „versprechen kann, dass wir mit keinem unguten Gefühl in die Winterpause gehen werden“.
Gut allein reicht nicht für Union Berlin
Und doch hat die Niederlage gegen Hoffenheim etwas offenbart, was die Köpenicker zwingend mitnehmen müssen, um nicht vom eingeschlagenen Weg in Richtung Klassenerhalt abzukommen.
Es war der Trainer, der das in Worte fasste, was seine Profis am besten schon im letzten Spiel des Jahres am Sonntag bei Fortuna Düsseldorf (15.30 Uhr, Sky) umsetzen sollten. „Wenn wir nicht sehr gut sind, dann wird es für uns schwierig. Gut allein reicht nicht. Das mag in einem Spiel so sein, aber über mehrere Spiele reicht das nicht“, sagte Fischer.
Die Grundtugenden, jene Eigenschaften, die Union auch in der Zweiten Liga immer stark gemacht hatten, legte die Mannschaft auch gegen Hoffenheim an den Tag. Kein Ball wurde verloren gegeben, kein Zweikampf geschaut, kein Schritt zu wenig gelaufen. Doch das Spielerische blieb auf der Strecke.
Union Berlin fehlte der kühle Kopf
„Wir hatten genug Standards, haben auch genug aufs Tor geschossen“, analysierte Fischer, „doch in den letzten 25 Minuten haben wir zu schnell versucht, auf die letzte Kette zu spielen. Da wäre über die Außen vielleicht mehr möglich gewesen.“
Fehlte schon vor der Pause trotz optischer Überlegenheit die spielerische Idee, um die Hoffenheimer Defensive zu knacken, so kam nach der Pause, spätestens nach dem Gegentor durch Ihlas Bebou (56.) eine gewisse Hektik hinzu, die nur eines kann: Fehler im eigenen Spiel generieren.
„In der zweiten Halbzeit haben wir die Bälle zu oft nur nach vorn gekloppt, vor allem in den letzten zehn, 15 Minuten. Wenn wir ein bisschen ruhiger geblieben wären, und mit ein bisschen mehr Bewegung, hätten wir die Situationen besser ausspielen können“, hatte auch Trimmel erkannt. Oder wie Abwehrspieler Florian Hübner es zusammenfasste: „Wir wollten mit aller Macht das Tor schießen, haben dabei aber keinen kühlen Kopf bewahrt.“
Union Berlin hat bereits eine gewisse Konstanz
So setzte sich mit zunehmender Spieldauer fort, was sich schon in der Anfangsphase abgezeichnet hatte. „Überall hat ein klein wenig gefehlt“, sagte Fischer. Das reicht in der Bundesliga aus, um selbst gegen einen verunsicherten Gegner am Ende ohne Punkte dazustehen.
Ohne Zweifel darf nicht vergessen werden, dass Union immer noch ein Bundesliga-Neuling ist, auch wenn Trimmel zu Recht betont, wie sehr sich die Köpenicker in ihren ersten 16 Bundesliga-Spielen bereits entwickelt haben.
„Wir haben mittlerweile eine sehr gute Konstanz in unserem Spiel. Es ist tatsächlich so, dass wir kein ungutes Gefühl haben, wenn wir verlieren. Du ärgerst dich, sagst aber nicht, das war ein ganz, ganz schlechter Tag“, sagte der Österreicher.
Union Berlin muss die Niederlage akzeptieren
Doch für den Reifeprozess einer Mannschaft, für die Etablierung im Oberhaus, sind solche Erfahrungen wie gegen Hoffenheim essenziell. „Es war so ein Spiel der Marke: Wer das erste Tor schießt, der gewinnt es auch. Und so ist es dann auch gekommen“, erklärte Trimmel. Auch wenn der Treffer noch unglücklich abgefälscht wurde, „das ist halt so im Fußball“, so der Union-Kapitän.
Was Union aufbringen muss, ist das Verständnis dafür, dass man Spiele einfach auch mal verliert, weil der Aufwand, den man betreibt, nicht belohnt wird. „Wir müssen auch mal eine Niederlage akzeptieren. Für uns heißt es: Mund abwischen und versuchen, es gegen Düsseldorf besser zu machen“, sagte Fischer.
Der Schweizer hat den derzeitigen Gepflogenheiten bei Union folgend längst den nächsten Gegner im Blick.


