Bundesliga

Union muss gegen Köln mit der Favoritenrolle leben

Aufsteiger Union startet am Sonntag gegen Köln in die Aufstiegswochen – und versucht, sich die Rolle des Außenseiters zu bewahren.

Stürmer Sebastian Andersson ist mit sechs Treffern Unions bester Torschütze.

Stürmer Sebastian Andersson ist mit sechs Treffern Unions bester Torschütze.

Foto: Lars Baron / Bongarts/Getty Images

Berlin. Die Favoritenrolle für Union Berlin hatte Urs Fischer ja schon abgelehnt. Seine Mannschaft sei nie der Favorit, schließlich ginge es in den 34 Bundesligaspielen einzig und allein um eines: den Klassenerhalt. Es ist das logische Ziel für einen Aufsteiger.

Kompliziert wird es erst, wenn auch der Gegner dieses Ziel primär für sich beanspruchen kann. So wie der 1. FC Köln, der am Sonntag (15.30 Uhr) in der Alten Försterei vorspielen wird. Oder wie der SC Paderborn, der dann am Sonnabend die Köpenicker zu Gast haben wird.

Es sind die Aufstiegswochen, die die Mannschaft von Trainer Fischer vor sich hat. Eine Reminiszenz an die vergangene Zweitliga-Spielzeit, mit einem ziemlich deutlichen Favoriten für die beiden Spiele: den 1. FC Union.

Union Berlin ist bester Aufsteiger der Saison

Die Vorzeichen, wie sie noch im Unterhaus galten, haben sich geändert. Im Mai stieg Köln als Zweitliga-Meister vor Paderborn auf, Union schaffte es über den Umweg Relegation gegen den VfB Stuttgart. Nach 13 Bundesliga-Spieltagen bleibt festzuhalten: Union hat aus diesem Trio die beste Entwicklung genommen, Köln die schlechteste.

Es sind zum einen die Zahlen, die Union als besten Aufsteiger deklarieren. 16 Punkte, doppelt so viele wie die Kölner, gleich elf mehr als Paderborn. Werte, die belegen, dass die Köpenicker sich am schnellsten in der neuen Umgebung samt stärkeren Gegnern zurechtgefunden haben.

„Alle haben irgendwo eine Entwicklung gemacht“, sagt Fischer, auch Schlusslicht Paderborn, der „nie aufsteckt. Das ist schon eindrücklich“, so der Union-Trainer. Wenn Paderborns Coach Steffen Baumgart jedoch nun anmerkt: „Die Jungs wissen, dass sie sich entwickeln müssen“, dann darf festgehalten werden: Unions Profis haben dieses Wissen offenbar am schnellsten verinnerlicht und auch umgesetzt.

Union Berlin fremdelt mit der Favoritenrolle

Mit Blick auf Köln gibt es noch ein zweites, nicht weniger wichtiges Argument, das Union zum Favoriten macht: die Ruhe im Umfeld und der Klubführung. Trotz des Aufschwungs der vergangenen Wochen mit drei Heimsiegen in Folge vergeht kaum ein Tag, an dem nicht entweder der Trainer oder ein Spieler Unions Werdegang verdeutlicht.

„Wir können uns objektiv gut einschätzen, weil wir wissen, woher wir kommen“, fremdelt auch Abwehrspieler Florian Hübner mit der Favoritenrolle. Doch es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Union sich trotz vier Niederlagen in Folge im September und Oktober nicht beirren ließ, während Köln bereits ein mittelschweres Erdbeben hinter sich hat.

Wegen ausbleibenden Erfolges musste Trainer Achim Beierlorzer vor einem Monat gehen. Schon vorher hatte Sportdirektor Armin Veh gekündigt, er wäre am Saisonende ohnehin gegangen. Mit der neuen sportlichen Führung, Trainer Markus Gisdol und Sportdirektor Horst Heldt, erhofft man sich in Köln die Trendwende.

In Köln regiert ein riesiger Machtapparat

Wie fragil das neue Konstrukt jedoch ist, offenbart die Entscheidungsfindung in Köln. Trainer Gisdol soll nach Bruno Labbadia und dem Ex-Hertha-Coach Pal Dardai nur dritte Wahl bei der Neubesetzung gewesen sein. Und bei der Auswahl des Veh-Nachfolgers schalteten die Kölner sogar eine Personalagentur ein.

Als dann der Name Horst Heldt im Gespräch war, gab es zunächst keine Mehrheit in den entscheidenden Klub-Gremien. Davon hat Köln mit Präsidium, Geschäftsführung, Mitgliederrat und dem sogenannten „Gemeinsamen Ausschuss“ – zugleich das oberste Organ in Köln – einige.

Angesichts dieses Machtapparates überrascht es nicht, wenn es in Köln schneller unruhig wird. Oder wie schwer es ist, für die entscheidenden Posten eine Idealvorstellung zu finden, mit der sich alle bedingungslos identifizieren.

Union Berlin setzt auf die Heimstärke

Sportlicher Werdegang seit dem Aufstieg, überschaubare Vereinsstruktur, Ruhe im Umfeld – ein Dreiklang, der es Union bislang leichter gemacht hat, in der Bundesliga anzukommen. Was nicht heißt, dass die Aufgabe gegen Köln damit leichter wird.

„Man hört aus Köln, dass es ein wichtiges Spiel ist, das sie gewinnen wollen. Ich denke schon, dass sie mit einer gewissen Offensive rangehen und uns das Spiel so schwer wie möglich machen werden“, ist sich Fischer sicher.

Unions Trainer macht aber auch deutlich: „Wir haben ein Heimspiel, das wollen wir erfolgreich gestalten. Und danach gibt es noch drei sehr wichtige Spiele für uns.“ Gelingt seiner Mannschaft der sechste Saisonsieg gegen Köln, wird Union Berlin erst recht auch gegen Paderborn mit der Rolle des Favoriten leben müssen.

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