EM-Qualifikation

Nächster Halt für Unions Trimmel: Europa

Die Union-Profis Trimmel und Andersson kämpfen mit ihrem Nationalteams um EM-Tickets. Eine Überraschung vor allem für Unions Kapitän.

Mit vollem Einsatz verteidigt der Österreicher Christopher Trimmel (r.) gegen den Israeli Omri Ben Harush.

Mit vollem Einsatz verteidigt der Österreicher Christopher Trimmel (r.) gegen den Israeli Omri Ben Harush.

Foto: GEPA pictures/ Michael Meindl via www.imago-images.de / imago images/GEPA pictures

Berlin. Alle Jahre wieder rufen Europas Nationalmannschaften ihre Spieler Mitte November ein letztes Mal im Kalenderjahr zusammen, um Punkte zu sammeln in Qualifikationsspielen zu einer Welt- oder Europameisterschaft. Im nächsten Jahr steht wieder ein kontinentales Turnier an. Und zwei Profis des 1. FC Union können sich berechtigte Hoffnungen auf eine Teilnahme machen.

Für Sebastian Andersson (28) ist die Berufung für das schwedische Team fast schon Normalität. Natürlich, möchte man sagen, ist der Torjäger des Bundesliga-Aufsteiger (bereits fünf Saisontreffer) wieder dabei. Wie schon in den vergangenen Länderspielpausen, auch wenn Sebastian Andersson von Nationaltrainer Janne Andersson bislang nur als Einwechselspieler vorgesehen ist.

Doch die Nominierung zeigt, dass der Schwede durchaus als fester Bestandteil des Kaders eine Rolle in den Überlegungen des Coaches spielt, wenn die „Tre Kronor“ am Freitag in Rumänien und am Montag gegen die Färöer antreten. Ein Sieg in Bukarest, und das EM-Ticket ist gelöst, für Schweden und wohl auch für Sebastian Andersson.

Trimmels Nominierung überrascht

Der zweite Union-Profi, der auf eine Teilnahme an der EM 2020 hoffen kann, ist Christopher Trimmel. Im Gegensatz zu Andersson (acht Länderspieleinsätze, zwei Tore) ist die Nominierung des rechten Verteidigers für Österreich schon eine Überraschung.

Weil es neuneinhalb Jahre her ist, dass Trimmel überhaupt eine Rolle im Team des Österreichischen Fußball-Bundes (ÖFB) gespielt hat. Es ist das Comeback des Jahres auf europäischer Bühne für den Union-Kapitän – und das im gehobenen Fußballer-Alter von 32 Jahren.

Was die Nominierung Trimmels für die abschließenden Qualifikationsspiele gegen Nordmazedonien am Sonnabend und am Dienstag danach in Lettland so besonders macht, verrät ein Blick auf den Kader, dem Nationalcoach Franco Foda sein Vertrauen schenkt. War Trimmel im Oktober noch für die verletzten Stefan Lainer von Bundesliga-Spitzenreiter Borussia Mönchengladbach nachgerückt, so steht er nun mit Lainer zusammen im ÖFB-Aufgebot.

Trimmel rechnet sich EM-Chancen aus

Für Trimmel ist dies die wohl beste Bestätigung für seine bislang in der Bundesliga abgelieferten Leistungen. Und nach seiner Rückkehr im Oktober hatte er wissen lassen: „Falls ich im November noch mal berufen werden sollte, rechne ich mir schon etwas aus für kommenden Sommer.“

Soll heißen: Neben dem großen Ziel seines Vereins, das Klassenerhalt in der Bundesliga lautet, hofft der gebürtige Burgenländer aus Oberpullendorf, auf sein spätes Debüt bei einem großen Turnier. Ein Sieg aus dem Doppelpack gegen Nordmazedonien und Lettland reicht für das EM-Ticket.

„Ich werde mich nicht ändern, aber für das Selbstvertrauen ist es super“, hatte Trimmel seine Einsätze im Oktober für Österreich kommentiert. So hatte er sich auch schon geäußert, als ihn Trainer Urs Fischer im Sommer vergangenen Jahres zum Union-Kapitän beförderte. Zugleich dokumentiert dieser eine Satz sein Naturell als Profi. Seit 2014 spielt Trimmel für Union, seit jenen fast fünfeinhalb Jahren ist der Österreicher vor allem eines geblieben: immer er selbst.

Trimmel geht als Vorbild voran

Dabei hat er unbeirrbar seinen Weg bei den Köpenickern verfolgt und sich von keiner Entwicklung aus dem Konzept bringen lassen. Hart arbeitend im Training, auf dem Platz mit unermüdlichem Einsatz, wohl wissend um das eine oder andere Tempo-Defizit, aber nie aufgebend.

Schon oft sah es so aus, als müsste Trimmel bei den Köpenickern ins zweite Glied rücken. Doch ob sie nun Benjamin Kessel, Atsudo Uchida oder Julian Ryerson hießen – immer hat sich der 1,89-Meter-Mann durchgesetzt.

Trimmels Teamkollege Christopher Lenz beschreibt den Wert des Österreichers für Union wie folgt: „Dass er nie zurücksteckt und immer weitergeht, beeindruckt mich schon, auch dass er wieder in die Nationalmannschaft berufen wurde. Das ist auch nicht selbstverständlich nach so vielen Jahren Pause.“ Für Unions Linksverteidiger hat Trimmel deshalb „auch eine Vorbildfunktion. Und mit seinen drei Assists in Mainz bestätigst du dem Nationaltrainer natürlich auch: Auf mich ist Verlass.“

Trimmels Torvorlagen gegen Mainz als gute Bewerbung

Mit seinen drei Torvorbereitungen bei Unions erstem Bundesliga-Auswärtssieg überhaupt unterstrich Trimmel auch seine Gefahr bei Flanken und ruhenden Bällen. Ob Freistöße oder Ecken, der Ball kommt stets mit gutem Tempo und ordentlichem Effet.

Mit Blick auf Trimmels erneute Nominierung bestätigte Lenz nun: „Über die erste Einladung war er schon überrascht.“ Doch nach seiner Rückkehr im Oktober „hatte er schon das Gefühl, einen guten Eindruck hinterlassen zu haben“. Das Gefühl hatte ihn nicht getäuscht.

Trimmel selbst gibt sich in Bezug auf eine plötzliche EM-Teilnahme wie auch sonst immer: bodenständig, mit Ambitionen, aber ohne Allüren. Man müsse „abwarten und realistisch sein“, so der Tattoo-Fan. Selbst wenn er bei Union weiter so gute Leistungen bringen würde wie zuletzt, sei eine EM-Teilnahme schwierig, „weil die Jungs auf meiner Position ja auch auf Topniveau spielen.“

Union-Trainer Fischer gönnt Trimmel die EM

Union-Trainer Fischer wird alles daran setzen, Trimmels EM-Traum zu verwirklichen. Schon aus eigenem Interesse, denn dann hätte Trimmel eine großartige Bundesliga-Saison hinter sich. In der Qualifikation „schaut es sehr gut aus und er macht es im Moment auch sehr gut. Ich würde es ihm gönnen.“

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