S-Bahnhof Bellevue

Brand in Fan-Zug: Heizung könnte Feuer ausgelöst haben

Am Bahnhof Bellevue hatte ein Zug mit 700 Freiburg-Fans an Bord gebrannt. Ursache könnte ein Defekt in der Heizungsanlage gewesen sein.

  • In einem Zug Freiburger Fußball-Fans ist am Sonnabend ein Feuer ausgebrochen. Der Zug wurde am Berliner S-Bahnhof Bellevue gestoppt und sofort evakuiert. 700 Freiburg-Fans befanden sich an Bord, drei Personen erlitten bei dem Feuer leichte Verletzungen.
  • Ermittler untersuchen den beschädigten Zug. Die Ermittler vermuten einen technischen Defekt als Ursache. Möglicherweise gab es einen Defekt an der Heizunganlage.
  • Am Sonnabend und am Sonntag kam es aufgrund der Bergungsarbeiten zu Problemen im Berliner S-Bahn-Verkehr und im Fernverkehr, mittlerweile wurden alle Sperrungen aufgehoben.
  • Die Bundespolizei hat zahlreiche Zeugen vernommen.

Der Brand in einem Fanzug am vergangenen Sonnabend am S-Bahnhof Bellevue könnte durch einen Defekt der Heizungsanlage ausgelöst worden sein. Ermittlungen in diese Richtung wurden der Berliner Morgenpost aus Bahnkreisen bestätigt. Zuvor hatte die "Berliner Zeitung" darüber berichet.

„Die Heizung ist immer ein neuralgischer Punkt. Dort sammelt sich immer viel Staub an, der rasch in Brand geraten kann“, so ein erfahrener Eisenbahner. Die Untersuchungen zur Brandursache werden von der Bundespolizei und der Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung (BEU) geführt. Ein Bundespolizei-Sprecher wollte die mögliche Ursache nicht bestätigen. Man ermittle in alle Richtungen und habe mit zahlreichen Zeugen gesprochen. Bundespolizei und Generalstaatsanwaltschaft hatten am Montag einen Zeugenaufruf veröffentlicht und da bereits von einem möglichen technischen Defekt als Brandursache gesprochen.

Hinweise nimmt die Bundespolizei unter 030 / 20622 93 60 und unter der kostenfreien Hotline 0800 / 6888000 entgegen.

Fan-Zug in Brand - Feuerwehr mit Großaufbgebot vor Ort

Auf der Internetseite der Fanorganisation „Supporters Crew Freiburg“, die den Zug gechartert hatte, war bereits am Sonntag von einem technischen Defekt die Rede gewesen. Mehrere Fahrgäste hätten bereits beim Einsteigen in den Zug leichten Brandgeruch bemerkt, heißt es dort.

Die Bahn war am Sonnabendabend nach dem Spiel gegen den 1. FC Union in Berlin-Gesundbrunnen gestartet, an Bord rund 700 Freiburg-Fans. Das Feuer brach in einem Waggon im vorderen Teil des Zuges aus und breitete sich rasend schnell aus. Dabei kam es auch rasch zu einer erheblichen Rauchentwicklung im Inneren.

Die Freiburg-Fans hatten großes Glück, dass der Vorfall für sie so glimpflich ausging. Das Feuer habe sich rasend schnell entwickelt, beim Eintreffen der Einsatzkräfte hätten die Flammen schon hoch gelodert, sagte ein Feuerwehrsprecher. „Das war nicht ohne.“ Zunächst hatte die Feuerwehr, die mit einem Großaufgebot im Einsatz war, gemeldet, es brenne ein S-Bahnzug.

Der brennende Zug stoppte gegen 20 Uhr auf einem der Fernbahngleise auf Höhe des Bahnhofs Bellevue. Rettungskräfte geleiteten die Passagiere aus dem Zug in Sicherheit. "Es brennt lichterloh“, sagte eine Augenzeugin am Abend. Am S-Bahnhof standen mehr als ein Dutzend Rettungswagen bereit. Über dem Bahnhof kreisten mehrere Hubschrauber. Drei Personen wurden leicht verletzt, sie kamen mit Rauchgasvergiftung in eine Kinik, die Feuerwehr sprach am Sonntag von vier Leichtverletzten. Auch zwei S-Bahnzüge, die sich im Bahnhof befanden, wurden geräumt.

Video zeigt Feuer im Freiburger Fan-Zug in Berlin-Tiergarten

Beißender Rauch zog auch in die umliegenden Straßen. Besonders betroffen waren die Bartningallee und Flensburger Straße. Fußgänger hielten sich Pullover und Schals vor das Gesicht. Die Feuerwehr rief Anwohner im Hansaviertel dazu auf, Fenster geschlossen zu halten.

Auch in weiterer Entfernung zum Bahnhof war erheblicher Rauchgeruch wahrnehmbar. Die Rauchwolke war über dem Tiergarten weithin sichtbar. Nachdem die Flammen in einem der vorderen Waggons bemerkt worden war, betätigte laut Feuerwehr jemand die Notbremse, der Zug kam beim Berliner S-Bahnhof Bellevue zum Stehen.

Gerüchte um Pyrotechnik im Zug

Am Sonnabendabend hieß es zunächst unbestätigten Angaben zufolge, dass Pyrotechnik aus dem Besitz der Fans eine Rolle gespielt haben könnte. Auch dazu äußerte sich die Polizei nicht. Freiburger Fans bestritten den Gebrauch von Pyrotechnik. „So blöd sind wir nicht, in einem Zug Bengalos zu zünden“, sagte ein Fan aus einer Gruppe derjenigen, die den Zug verlassen mussten. Sie hatten sich am Abend vor einem Spätkauf nahe dem S-Bahnhof versammelt, um auf den Schrecken erstmal ein Bier zu trinken.

Freiburgs Trainer Christian Streich hatte einen Teil der eigenen Fans für das Abbrennen von Pyrotechnik bei der 0:2-Niederlage beim 1. FC Union Berlin am Sonnabend scharf kritisiert. „Ich weiß nicht, ob sie besonders cool sein wollten, weil sie in der Hauptstadt sind“, sagte er. „Du kommst raus auf den Platz, und in der Kurve brennen die Bengalos. Das ist eine Katastrophe, das können wir gar nicht gebrauchen.“

S-Bahnhof Bellevue: Zug am Sonntagvormittag abgeschleppt

Der Zug wurde durch das Feuer schwer beschädigt. Gegen 21.30 Uhr war der Brand gelöscht, aber erst gegen 1 Uhr in der Nacht beendeten die rund 150 Rettungskräfte den Einsatz. Gegen 2 Uhr morgens musste noch einmal nachgelöscht werden, weil sich in einem der Wagen noch einmal Rauch entwickelt hatte.

Am Sonntagvormittag schleppte ein Hilfszug die schwer beschädigte Bahn in eine Abstellanlage ab. Außerdem mussten die Oberleitungen repariert werden.

Der Brand und die anschließende Evakuierung des Sonderzuges im Bahnhof Bellevue hatten auch erhebliche Folgen für den S-Bahnverkehr. Insgesamt fielen am Wochenende 85 Zugfahrten komplett aus, sagte eine Sprecherin der Berliner Morgenpost. 90 Züge konnten nur ein Teilstück der vorgesehenen Strecke befahren. Die Verspätungen summierten sich bei 43 Zügen auf 1262 Minuten. Für die S-Bahn bedeutet dies auch erhebliche finanzielle Einbußen, denn ausgefallene Fahrten werden durch die Besteller, die Länder Berlin und Brandenburg, nicht bezahlt, für Verspätungen gibt es Strafabzüge.

Passagiere der hinteren Waggons mussten auf den Gleisen aussteigen

"Wir wurden bei der Einfahrt in den Bahnhof Bellevue informiert, dass der Zug brennt", sagte ein Freiburg-Fan der Berliner Morgenpost. Die Polizei habe die Passagiere dann ins Freie geleitet. Der Fan sei mit seinen zwei Begleitern nun erst einmal in Tiergarten gestrandet.

Passagiere aus den hinteren Zugteilen konnten ihren Angaben zufolge nicht im Bahnhof aussteigen, sondern mussten im Gleisbereich die Waggons verlassen und dann über die Gleise zum Bahnhof laufen. „Wir hatten keine Angst“, sagte ein Freiburger.

Union bot gestrandeten Fans VIP-Lounge zum Übernachten an

Einige der in Berlin-Tiergarten gestrandeten Fußballfans hatten kurz vor Mitternacht noch die Möglichkeit, mit einem ICE nach Freiburg zurückzufahren, wie der SC Freiburg auf seiner Website berichtet. Alternativ sei auch die Rückreise am Sonntag nach einer Übernachtung im Hotel möglich gewesen. Die Centralbahn hatte eine Übernahme der Rückreisekosten zugesagt.

Der Verein bedankte sich auch für das Angebot des FC Union, seine VIP-Räume als Übernachtungsmöglichkeit zur Verfügung zu stellen und lobte die Besonnenheit der Fans und der Organisatoren der Fahrt. Die Evakuierungsmaßnahmen seien friedlich verlaufen, sagte ein Polizeisprecher. Der SC Freiburg bot auch an, für die Rückreise Busse zu chartern. Der SC Freiburg hatte am Sonnabendnachmittag im Stadion An der Alten Försterei in Köpenick gegen den FC Union gespielt.

Berliner Feuerwehr lobt besonnenes Verhalten der Freiburg-Fans

Auch die Berliner Feuerwehr lobte das umsichtige Verhalten der Freiburger Fußballfans, obwohl sich die Flammen an Bord rasant ausgebreitet hätten. „Die Leute haben in ruhiger und disziplinierter Weise den brennenden Waggon in Richtung der anderen Waggons verlassen“, sagte ein Feuerwehrsprecher am Sonntag. In solchen Situationen bestehe die große Gefahr, dass Menschen eigenständig in Panik aussteigen: Dabei könnten sie auf den Gleisen mit der Stromschiene in Kontakt kommen oder von entgegenkommenden Zügen erfasst werden.

Centralbahn AG bietet seit 30 Jahren Reise-Sonderzüge an

Die private Centralbahn AG bietet nach eigenen Angaben seit mehr als 30 Jahren Reise-Sonderzüge an. Es habe in all den Jahren nie einen ernsthaften Zwischenfall gegeben, betonte das Unternehmen. „Unsere Fahrzeuge werden nach den Vorschriften der Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung regelmäßig untersucht, die letzte Untersuchung des betroffenen Wagens liegt etwa zwei Jahre zurück“, so der Sprecher.

Die Centralbahn AG verfügt über eigene Fahrzeugflotte bestehend aus fünf Lokomotiven und mehr als 50 Reisezugwagen. Das Unternehmen schickt allein in Deutschland alljährlich mehr als 250 Züge auf die Reise, heißt es auf der Webseite des Anbieters Geplant und organisiert werden diese mit Partnern wie der Deutschen Museums-Eisenbahn (Darmstadt) oder dem Freundeskreis Eisenbahn in Köln.

Die eingesetzten Waggons stammen dabei überwiegend aus Beständen der einstigen Deutschen Bundesbahn, einige auch von der österreichischen ÖBB und der schweizerischen SBB. Viele von ihnen dürften schon seit 40 Jahren über die Gleise rollen. Das Ambiente ist entsprechend: Die Wände im Wageninneren sind vielfach holzvertäfelt, die Sitze haben dicke Plüschpolster, Materialien also, die eine hohe Brandlast haben und deshalb in modernen Reisezugwagen nicht mehr verbaut werden.