Bundesliga

Union fehlt es an Cleverness

Aufsteiger Union wird gegen Bremen Opfer der eigenen Unbeherrschtheit und kümmert sich um Nebenschauplätze statt ums Fußballspielen.

Rudelbildung nach dem Foul von Union-Verteidiger Neven Subotic (2.v.r.) am Bremer Leonardo Bittencourt (im Hintergrund am Boden).

Rudelbildung nach dem Foul von Union-Verteidiger Neven Subotic (2.v.r.) am Bremer Leonardo Bittencourt (im Hintergrund am Boden).

Foto: nordphoto / Engler / picture alliance / nordphoto

Berlin. Für nicht wenige im Umfeld des 1. FC Union gab es auch am Tag nach der Heimniederlage gegen Werder Bremen die offensichtlichen Schuldigen: Schiedsrichter Tobias Welz, der Videoassistent in Köln, überhaupt die „Fußballmafia DFB“, wie es schon am Sonnabendnachmittag von den Rängen der Alten Försterei schallte.

Unbestritten ist, dass der Unparteiische nicht seinen besten Tag erwischt hatte. In der ersten kniffligen Szene nach knapp einer Minute bei seiner Entscheidung pro Elfmeter für Werder zu bleiben, nannte auch Jochen Drees, Chef für den Bereich Videoassistent beim Deutschen Fußball-Bund (DFB), einen Fehler: „Regeltechnisch ist die Entscheidung, in dieser Situation einen Strafstoß zu geben, aus unserer Sicht falsch.“

Gleichwohl sei der Umgang von Welz mit dem Videoassistenten in jeder Szene korrekt gewesen, so Drees. Der Umgang der Köpenicker mit dem technischen Hilfsmittel oder strittigen Situationen war es nicht. Der Aufsteiger verfing sich in Diskussionen und Rudelbildungen und verlor die Konzentration für das Fußballspielen.

Union-Trainer Fischer: “Hört auf zu diskutieren!“

Unions Trainer Urs Fischer will mit seinen Profis noch „das eine oder andere Wort darüber verlieren“. Soll heißen: Union muss lernen, mit solchen Widrigkeiten fertig zu werden.

„Geh weg, konzentriere dich auf dein Spiel, überlasse die Entscheidungen den Schiedsrichtern, da haben wir ja genügend“, forderte Fischer: „Hört auf zu diskutieren, es gibt ja den Videoschiedsrichter“, um bei strittigen Entscheidungen einzugreifen. Fehlerfrei wird der Fußball dadurch nicht, mit seiner Hilfe wird er jedoch insgesamt fairer.

Es wird Fischers Aufgabe in den nächsten Tagen und Wochen sein, seinen Spielern klar zu machen, dass sie sich von solchen Nebenschauplätzen fernhalten müssen, um nicht wie beim 1:2 gegen Bremen Opfer der eigenen Unbeherrschtheit zu werden.

Union lässt sich von Hektik anstecken

Christopher Trimmel schlägt in die gleiche Kerbe. „Es war ein intensives Spiel, viele Zweikämpfe, viele Diskussionen, viel hin und her. Eigentlich für mich zu wenig Fußball, mehr Diskussionen. Da müssen wir uns alle mehr beteiligen und auch dem Schiedsrichter helfen“, ließ Unions Kapitän wissen.

„Wenn du in jeder Situation den Videoschiedsrichter forderst, eine Rote Karte forderst, einen Elfmeter forderst, dann wird es irgendwann verrückt. Dann ist ständig der Finger im Ohr und du wartest und wartest. Da gerät so ein bisschen das Fußballspielen auf die Seite und das wollen wir nicht“, so Trimmel weiter.

Folgerichtig wäre es auch zu einfach, ja sogar falsch, die Schuld an der zweiten Saisonniederlage im vierten Spiel vor allem beim Schiedsrichter-Gespann zu suchen. Auf dem Rasen ließ man sich zu leicht einfangen von der auch auf den Rängen immer größer werdenden Hektik. Das gipfelte in zwei übertriebene Fouls von Neven Subotic (Niclas Füllkrug rüde am Fuß getroffen, Leonardo Bittencourt in die Spielfeldbande gecheckt), an deren Ende der Platzverweis des Innenverteidigers stand.

Union-Fehler führen zu Gegentoren

Wer Gründe für die Niederlage sucht, findet sie in den Fehlern, die die Mannschaft gegen Bremen gemacht hat. Die Brust-Ablage des Balles von Christopher Lenz war alles andere als eine gelungene Rückgabe zu Torwart Rafal Gikiewicz. Nur so konnte die strittige Elfmeterszene in der zweiten Minute und damit das 0:1 überhaupt erst entstehen. „Beim ersten Tor musst du die Situation anders klären, dass es gar nicht erst so weit kommt“, sagte auch Fischer.

Vor dem zweiten Gegentor die nächsten Unachtsamkeiten. Erst ließ Gikiewicz den Ball ins Toraus rutschen – Ecke, Foul, wieder Elfmeter. Und nach der Glanzparade des Torhüters leistete Unions Defensive bei Füllkrugs Kopfballtreffer zu wenig Gegenwehr. Fischer: „Auch das kannst du anders lösen. Solche Fehler sind zu viel.“

So bleibt unter dem Strich ein viertes Bundesligaspiel, in dem die Köpenicker reichlich Lehrgeld zu zahlen hatten. Kommenden Sonnabend gibt es die Chance zu zeigen, dass Union aus den Fehlern des Bremen-Spiels gelernt hat. Auch wenn mit Champions-League-Teilnehmer Bayer Leverkusen ein ganz anderes Kaliber wartet.

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