Bundesliga

Union-Kapitän Trimmel: „... dann halten wir auch die Klasse“

Mit Union spielt auch Christopher Trimmel erstmals Bundesliga. Im Interview erzählt der Kapitän, wie er diese Aufgabe meistern will.

Union-Kapitän Christopher Trimmel (l.) im Zweikampf mit Bröndbys Kevin Mensah.

Union-Kapitän Christopher Trimmel (l.) im Zweikampf mit Bröndbys Kevin Mensah.

Foto: Andreas Gora / dpa

Windischgarsten. Als Kapitän führte Christopher Trimmel den 1. FC Union in die Bundesliga. Nun wartet auf den 32 Jahre alten Österreicher ebenso wie für den Aufsteiger aus Köpenick fußballerisches Neuland. Im Morgenpost-Interview spricht der Rechtsverteidiger über die Vorbereitung, Transfercoups und seine Erwartungen.

Der 1. FC Union ist jetzt seit zwei Wochen in der Vorbereitung – wie stark fühlt sich das bereits nach Bundesliga an, Herr Trimmel?

Christopher Trimmel: Das merkt man allein schon durch die Transfers. Wir haben jetzt den einen oder anderen Spieler, der ordentlich Bundesliga-Erfahrung hat. Natürlich spricht man jetzt auch mehr darüber, da kommt schon ein gewisses Feeling auf.

Im Vergleich zur Vorbereitung in der vergangenen Saison scheint Trainer Urs Fischer die Zügel auch etwas angezogen zu haben. Täuscht der Eindruck?

Ich glaube schon, dass wir ähnlich trainieren wie im Vorjahr. Der Unterschied liegt jetzt ganz einfach in der Qualität, auch die Intensität ist höher. Und man braucht weniger Anpassungszeit. Zu Beginn haben wir doch ein bisschen länger gebraucht, um seine Spielphilosophie zu verinnerlichen. Jetzt haben wir viele erfahrene Spieler dazubekommen, die brauchen ja keine Eingewöhnungszeit. Die schauen sich das einmal an und sind sofort dabei. Es funktioniert im Training schon überraschend gut.

Die Ansprache des Trainers scheint aber schon etwas kritischer zu sein.

Aufgrund der vielen Spieler ist es wichtig, dass er Fehler klipp und klar beim Training anspricht. Wir sind jetzt in der Bundesliga. Wenn wir beispielsweise eine Offensivaktion durchspielen – das muss einfach stimmen. Sobald ein Ballkontakt schlecht ist, wirst du nicht zum Torabschluss kommen. Aber da wollen wir besser und genauer werden. Genauso in der Defensive, wo wir jetzt weniger Zeit haben werden, miteinander zu kommunizieren. Es gibt sehr viele Mannschaften, die mit einem hervorragenden Direktspiel ausgestattet sind. Die Abstimmung muss von Beginn an passen.

„Subotic und Gentner sind Top-Transfers“

Bei der aktuellen Kaderstärke von bis zu 33 Spielern gilt es in Österreich vor allem, alle bei Laune zu halten. Gelingt das?

Bis jetzt schon, weil jeder davon ausgeht, eine gute Vorbereitung zu spielen und eine Chance zu bekommen, Stammspieler zu werden. Davon muss jeder überzeugt sein. Doch je näher das erste Spiel rückt, desto eher wird der eine oder andere Spieler schon merken, dass er vielleicht ein bisschen hintendran sein wird. Dann kommt fast die wichtigste Phase für uns erfahrene Spieler, dann müssen wir dafür sorgen, dass die Stimmung hoch bleibt.

Unter den zwölf Zugängen sind mit Neven Subotic und Christian Gentner zwei Spieler mit ultimativer Bundesliga-Erfahrung dabei. Wie wichtig sind diese Verpflichtungen für die Entwicklung der Mannschaft?

Sehr wichtig. Speziell wenn du in einer Liga bist, die viele Spieler noch nicht kennen. Beide wissen genau, wie es geht, das sind zwei Top-Transfers, unabhängig von ihrer Erfahrung. Sie sind ein Riesenfaktor dafür, dass wir uns beim Einstieg in die Bundesliga leichter tun werden.

Nicht nur durch die Transfers ist die Wahrnehmung von Union landesweit eine andere geworden. Welche Veränderungen haben Sie in diesem Zusammenhang bereits wahrgenommen?

Unabhängig von unserer guten Leistung in der vergangenen Saison haben die Leute schon registriert, dass wir gute Transfers getätigt haben. Und Spieler wie Subotic, Gentner oder auch Anthony Ujah müssen ja auch davon überzeugt sein, dass es bei uns Spaß macht zu spielen. Sie könnten es sich ja auch einfacher machen, aber sie gehen zum Aufsteiger, der noch nie in der Bundesliga war.

„Jetzt habe ich es geschafft“

Sie selbst debütieren im Alter von 32 Jahren in der Bundesliga, das gelingt auch nicht jedem. War das der größte Erfolg ihrer Karriere?

Das ist definitiv so. Ich bin ja auch nicht nach Deutschland gekommen, um in Berlin ein bisschen Urlaub zu machen. Damals, vor mittlerweile fünf Jahren, gab es das Thema Aufstieg schon einmal. Ich durfte miterleben, wie der Verein seitdem in jedem Bereich gewachsen ist. Das hat man auch als Spieler gespürt. Für mich war es nur noch eine Frage der Zeit, bis wir aufsteigen. Weil wir immer mehr zusammengerückt sind. Ob Fans oder Geschäftsstelle – das hat immer gepasst. Und jetzt habe ich es auch geschafft. Ich habe es auch schon zu vielen jüngeren Spielern gesagt, die vielleicht nicht so viele Einsätze bekommen werden: Die Bundesliga wird für immer im Lebenslauf stehen.

Welche Erwartungen haben Sie selbst an sich?

Ich bin schon der Meinung, dass meine Saison eine konstant gute war. Aber jetzt misst man sich an den Kleinigkeiten. Offensiv wird es nicht mehr die 25 Torschüsse geben. Der Pass muss besser werden, die Flanke muss sitzen – da will ich ansetzen. Ich habe ja auch schon in der Europa-League-Gruppenphase gespielt (23 Einsätze für Rapid Wien, d.Red.). Vielleicht hilft mir diese Erfahrung auch in der Bundesliga weiter, konstanter zu bleiben. Aber das Spiel wird sich verändern, vor allem auf meiner Position wird das Tempo höher sein.

„Jeder Spieler wird gebraucht“

Was kann man von Union in der Premieren-Saison erwarten?

Das ist fast gar nicht zu beantworten, weil wir noch nie Bundesliga gespielt haben. Aber was ich wieder versprechen kann: Wir werden immer alles raushauen. Kein Fan wird irgendwann mal feststellen, dass ein Spieler nicht alles gibt. Wir werden die Werte, die Union hat, wieder leben. Und wenn die Fans dies sehen, kann man auch applaudieren, wenn wir mal verlieren. Wir müssen einfach auch akzeptieren, dass Mannschaften wie Bayern oder Dortmund sehr oft den Ball haben werden. Da müssen wir geduldig bleiben.

Und Union schafft den Klassenerhalt, weil…

…wir ähnlich wie vergangene Saison einen sehr gut funktionierenden Kader haben werden. Jeder Spieler wird gebraucht werden. Die Stimmung wird die gleiche sein. Wenn wir das hinbekommen, dann werden wir mit Sicherheit die Klasse halten.

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