Bundesliga

Gentner wird bei Union vom Absteiger zum „Fußballgott“

Christian Gentner will bei Union im Kampf um den Klassenerhalt vorangehen, jedoch in etwas anderer Funktion als vorher in Stuttgart.

Christian Gentner will bei Union seine Erfahrung für den Klassenerhalt einbringen.

Christian Gentner will bei Union seine Erfahrung für den Klassenerhalt einbringen.

Foto: Matthias Kern / Bongarts/Getty Images

Windischgarsten.. Christian Gentner ist hellwach. Mit einem kurzen Schritt zur Seite hat er sich beim schnellen Passspiel in kleiner Gruppe den Ball erobert. Wenige Minuten später, bei der nächsten Übung, zieht sein Schuss aus 20 Metern wie ein Strich ins linke Toreck.

Obwohl es die erste Trainingseinheit mit der Mannschaft des 1. FC Union ist, ist der Mittelfeldspieler von der ersten Minute an voll dabei. „Fußball ist etwas, wo ich mich wohlfühle“, sagt Gentner. Das lässt er seine neuen Mitspieler im Trainingslager des Bundesliga-Aufsteigers in Windischgarsten von Beginn an spüren.

Gentner ist Unions zwölfter Zugang, allein das lässt einen schon aufhorchen. Es ist die Vorgeschichte, die diesen Transfer nicht alltäglich macht. Gentner wechselte vom VfB Stuttgart nach Berlin, von jenem Klub, den Union in die Zweite Liga schoss.

Gentner musste nur kurz überlegen

Trotz Abstiegs weiter Bundesliga? Und das bei dem Klub, der den Abstieg besiegelt hat? „Diesen Gedanken hatte ich auch kurz, habe ihn aber schnell wieder verworfen“, erzählt Gentner.

„Union war nicht unser Hauptproblem. Wir sind in Stuttgart abgestiegen, weil wir in der Saison nur 28 Punkte geholt und in der Relegation gegen Union nur zweimal unentschieden gespielt haben. Deswegen war das für mich kein Ausschlusskriterium um zu sagen, Union kommt für mich auf keinen Fall in Frage“, begründet der Profi seine Entscheidung.

Vor drei Wochen nahm Unions Geschäftsführer Profifußball, Oliver Ruhnert, Kontakt zu Gentner auf, der in Stuttgart trotz Kapitänsamts keinen neuen Vertrag mehr erhielt. Von Tag zu Tag verfestigte sich der Gedanke, dass Union nach insgesamt 17 Jahren beim VfB „eine sehr, sehr gute Option für mich und meine Familie sein könnte“, so Gentner.

Gleich Unions zweitältester Spieler

Die Erfahrung, die Gentner mit seinen 377 Erstliga-Einsätzen für Stuttgart und den VfL Wolfsburg – gekrönt von zwei Meistertiteln (2007, 2009) – mitbringt, kann für Union Gold wert sein.

Dass er mit 33 Jahren in einer Zeit, in der im heutigen Profigeschäft 30 längst das neue 40 ist, auch gleich zweitältester Union-Profi nach Michael Parensen (33) ist, bringt natürlich Kritiker auf dem Plan.

Jenen gibt Genter mit auf den Weg: „Mein Körper meldet sich nicht täglich und sagt: Es reicht. Ich wache morgens noch ohne Schmerzen auf und freue mich auf jede Trainingseinheit.“

Gentner: „Es wird sehr hart werden“

In Stuttgart jahrelang der Anführer der Mannschaft, will Gentner auch bei Union vorangehen – wenn auch in andere Weise. „Die Erfahrung, die ich gesammelt habe, möchte ich natürlich an die Jungs herantragen“, erzählt der 1,89-Meter-Mann.

Das betrifft mögliche Fehler, die er ansprechen will, noch bevor sie entstehen. Das betrifft den Trainingsalltag. „Vor- und Nachbereitung war mir immer wichtig, um meinen Körper zu pflegen. Mir war schon immer klar: Wenn ich lange Fußball spielen will, muss ich sorgsam damit umgehen. Das ist etwas, was jüngere Spieler schnell begreifen sollten.“

Das betrifft auch die erste Saison in der Bundesliga. „Es wird sehr hart werden“, sagt Gentner, „aber die Erwartungshaltung hier ist, vom ersten Spieltag an alles zu geben, um die Klasse zu halten. Das kann ein Vorteil sein, von Beginn an so zu denken.“

Jüngeren Spielern will Gentner ein Vorbild sein

Also doch vom Leitwolf in Stuttgart zum Leitwolf bei Union? Gentner schüttelt kurz den Kopf: Christopher Trimmel, Parensen und Sebastian Polter „haben den Laden schon im Griff.“

Eher will er als „ein wichtiger Baustein“ wahrgenommen werden, „um in der Liga eine gute Rolle spielen zu können“. Und als Baustein für die Entwicklung jüngerer Profis: „Wenn sie im Januar, Februar bessere Spieler sind, und ich habe vielleicht nur ein kleines Bisschen dazu beigetragen, dann kann ich sagen, es hat sich gelohnt.“

Von den Fans beim Saisonstart am vergangenen Sonnabend in der Alten Försterei jedoch sogleich mit der schon ritualisierten Begrüßung „Fußballgott“ empfangen worden zu sein, hat ihn dann aber doch ein wenig beeindruckt. Vom Absteiger zum „Fußballgott“ – nicht so schlecht für einen, der von sich selbst sagt: „Den Großteil meiner Karriere habe ich hinter mir.“

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