Bundesliga

Union-Stürmer Ingvartsen verschärft den Konkurrenzkampf

Unions neuer Stürmer Ingvartsen wurde belgischer Meister mit Genk. Beim Erstliga-Aufsteiger hofft er auf den nächsten Karriereschritt.

Union-Stürmer Marcus Ingvartsen (2.v.l.) und seine Konkurrenten Sebastian Polter, Anthony Ujah und Sebastian Andersson.

Union-Stürmer Marcus Ingvartsen (2.v.l.) und seine Konkurrenten Sebastian Polter, Anthony Ujah und Sebastian Andersson.

Foto: Matthias Koch

Windischgarsten.. Viel Zeit für Urlaub hatte er nicht. Zehn Tage seien es gewesen, gibt Marcus Ingvartsen zu Protokoll, die er Pause hatte nach der U21-Europameisterschaft. Doch nicht etwa zum Ausspannen und Auftanken nach einer langen Saison, sondern „um ein paar Dinge in Dänemark zu regeln“.

Es ist das Los von Nationalspielern, die im Sommer an großen Turnieren teilnehmen. Ein Los, das der neue Stürmer des 1. FC Union gern gezogen hat. Am vergangenen Sonnabend, zum offiziellen Saisonstart, stieß der Däne zum Kader des Aufsteigers.

Die ersten Einheiten im Trainingslager in Windischgarsten/Österreich zeigen, dass der Däne seiner Position entsprechend auf Angriff geschaltet hat. Ruhig gibt er zu verstehen: „Natürlich bin ich mit Ambitionen zu Union gekommen.“ Um ebenso entspannt hinterherzuschicken: „Aber ich werde keine Probleme machen, wenn ich nicht so viele Einsätze bekomme.“

Belgischer Meister mit Genk

Für Ingvartsen ist der Wechsel zu Union ein Schritt nach vorn. Zwar feierte der 23 Jahre alte Blondschopf in der vergangenen Saison mit KRC Genk die Meisterschaft. Insgesamt kam er in seinen zwei Jahren in Belgien jedoch nur auf 30 Einsätze in der Jupiler Pro League.

Nein, den Wechsel zu Genk „bereue ich nicht, aber natürlich hätte ich gern mehr gespielt“, sagt Ingvartsen. Ob sich dieser Wunsch bei Union erfüllen wird, bleibt abzuwarten.

Denn mit Ingvartsen stehen gleich vier Mittelstürmer im Kader von Trainer Urs Fischer. Neben dem Dänen lauern Anthony Ujah, Sebastian Andersson und Sebastian Polter auf Einsätze. Für einen Angreifer ist Platz in der Startformation, vielleicht für einen zweiten – da gilt es in der Vorbereitung ordentlich Pluspunkte zu sammeln.

Ingvartsens Lieblingsposition: Sturmspitze

Vor allem mit dem Schweden Andersson wird sich Ingvartsen auseinandersetzen müssen. Während Ujah und Polter vor allem über ihre Physis kommen und eher Strafraumspieler sind, kommt das skandinavische Duo eher mit spielerischen Elementen.

Gerade wenn es darum geht, schnelle Umschaltmomente zu kreieren, könnte die Stunde von Andersson schlagen. Oder von Ingvartsen. Oder von beiden. In Dänemark, während seiner Zeit beim FC Nordsjaelland, habe er zwar meistens „auf der Neun gespielt“, also Sturmspitze, „das ist auch meine Lieblingsposition“, verrät Ingvartsen.

„Doch wenn wir in einem 3-4-3 gespielt haben, bin ich auch über die Flügel gekommen“, erzählt der Torschützenkönig der dänischen Supeligaen von 2017 (23 Treffer). Selbst hinter den Spitzen „habe ich viele Male gespielt“.

Viel Vorschusslorbeer für den Dänen

Es ist vielleicht diese Flexibilität, die für Ingvartsen zum Joker für einen Platz in der Anfangself werden könnte. Trainer Fischer ließ bereits durchblicken: „Bei Ingvartsen besteht auch die Möglichkeit, etwas zurückgezogen zu agieren. Auch die Möglichkeit, mit zwei Spitzen zu spielen, besteht jetzt eher.“

Wie schwer das Leben als Alleinunterhalter sein kann, musste Ingvartsen gerade erst bei der U21-Europameisterschaft in Italien und San Marino erfahren. Im Auftaktspiel gegen das deutsche Team (1:3) stand er meist auf verlorenem Posten.

„Wir hatten uns vorgenommen, Druck auszuüben. Aber unsere Flügelspieler haben sich zu früh wieder zurückdrängen lassen“, erinnert er sich nur ungern an seinen 29. Auftritt für den dänischen Fußball-Nachwuchs (17 Tore). Auch weil die 90 Minuten gegen Deutschland seine letzten gewesen sind. „Wir hatten drei Stürmer im Kader, und der Trainer wollte etwas anderes ausprobieren“, begründet Ingvartsen seine Verbannung auf die Bank.

Ingvartsen nennt Abschluss als große Stärke

Mit Konkurrenzkampf ist der Däne also bestens vertraut. Sein Hauptargument im Stürmer-Vierkampf bei Union? „Mein Abschluss ist wirklich stark“, sagt Ingvartsen und meint damit insbesondere seinen linken Fuß: „Aber auch mein rechter Fuß ist nicht schlecht.“

Oliver Ruhnert, Unions Geschäftsführer Profifußball, setzt jedenfalls große Stücke auf den 1,87 Meter großen Skandinavier. Der Kaderplaner der Köpenicker pries ihn als „abschlussstark, spielintelligent, laufstark und technisch versiert“ an.

Attribute, die Union rund 1,5 Millionen Euro Ablöse wert gewesen sind, samt Vertrag bis 2022, gültig für die Bundesliga und die Zweite Liga. Es ist nun an Ingvartsen, dieses Vertrauen mit Leistung zu rechtfertigen.

Torwart Busk zieht sich Fußprellung zu

Immerhin der Einstieg bei Union wurde ihm dank seines dänischen Landsmanns Jakob Busk (der Torwart zog sich bei einem Zusammenprall im Training mit Michael Parensen eine Prellung im rechten Fuß zu), ein wenig erleichtert. „Ich habe ihn viel gefragt, wie die Dinge bei Union ablaufen, das hilft ein wenig“, sagt Ingvartsen.

Den Schritt von Belgien nach Deutschland sieht er „in jedem Fall als einen Schritt nach vorn. Die Bundesliga ist eine der größten Ligen überhaupt“, freut sich der Däne auf die neue Herausforderung.

Ein kleines Geständnis muss er dann doch ablegen: „Vor der U21-EM hatte ich noch eine Woche frei. Da ging es darum, etwas Sonne zu genießen und in Form zu bleiben.“ Für das Turnier in Italien. Und für Union.

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