Zweite Liga

Auch Union flattern die Nerven im Aufstiegsrennen

Union kann im Aufstiegsrennen ebenfalls nicht punkten. Der Zweitligist verliert mit 1:2 in Darmstadt und verpasst Platz zwei.

Yannick Stark (r.) trifft für Darmstadt, Union-Torwart Rafal Gikiewicz hat das Nachsehen.

Yannick Stark (r.) trifft für Darmstadt, Union-Torwart Rafal Gikiewicz hat das Nachsehen.

Foto: Simon Hofmann / Bongarts/Getty Images

Berlin.  Christopher Trimmel lag mit dem Rücken auf dem Rasen des Darmstädter Stadions. Der Kapitän des 1. FC Union atmete schwer, einmal und noch einmal. Ein paar Meter weiter stand Sebastian Polter, Stürmer des Berliner Fußball-Zweitligisten, die Hände auf die Knie gestützt, den Blick zu Boden gerichtet.

Viele Profis der Köpenicker taumelten nach Abpfiff der Partie bei Darmstadt 98 gedankenverloren durch das Stadion. Selbst, sich bei den 1600 mitgereisten Union-Anhängern zu bedanken, fiel ihnen schwer, auch wenn diese in gewohnter Manier ihre Mannschaft feierten.

Es war diese Gewissheit, die alle in Rot-Weiß auf dem Platz zu lähmen schien. Die Gewissheit darüber, einen Riesenschritt in Richtung Bundesliga verpasst zu haben. Vielleicht sogar den einen großen Schritt. Ja, dieses 1:2 (0:0) in Darmstadt war „eine bittere Niederlage“, wie Trainer Urs Fischer eingestehen musste. Das ist mit Blick auf die Tabellenkonstellation sogar fast ein wenig untertrieben.

Durch Unions Patzer ist Köln praktisch aufgestiegen

Der SC Paderborn hatte am Freitag mit dem 0:2 in Bielefeld vorgelegt, der Hamburger SV am Sonnabend mit dem 0:3-Debakel gegen Ingolstadt sogar den Anspruch kläglich verspielt, sich irgendwie doch noch Aufstiegskandidat nennen zu dürfen.

Doch statt in Darmstadt Aufstiegsplatz zwei zu erobern, öffnete Union vor allem dem Bundesliga-Absteiger aus Hamburg, der an Trainer Hannes Wolf bis Saisonende festhalten wird, wieder sperrangelweit die Tür zur sofortigen Rückkehr. Die Chance, sich mit einem Heimsieg am kommenden Sonntag im Ostderby gegen den 1. FC Magdeburg selbst den großen Traum erfüllen zu können, ist dahin.

Somit ist der 1. FC Köln angesichts von sechs Punkten Vorsprung und der um 18 Treffern besseren Tordifferenz gegenüber Union auf Rang drei so gut wie aufgestiegen. Ein Remis am Montagabend in Fürth würde die Rückkehr ins Oberhaus perfekt machen.

Union und die Gnade des Spielplans

Ja, Union ist als Dritter immer noch gut im Geschäft um den direkten Aufstieg, erst recht, weil kommenden Sonntag Paderborn und der HSV direkt aufeinandertreffen und wenigstens ein Team Punkte lassen wird. Doch was ist schon eine gute Ausgangsposition, wenn es hätte die beste aller Köln-Verfolger sein können?

Die Frage, ob die Köpenicker mental in der Lage sind, dem Druck in diesem verrücktesten Aufstiegsrennen der Zweitliga-Historie tatsächlich standhalten zu können, muss nach der Pleite in Darmstadt eher mit Nein beantwortet werden.

Eine Blockade „kann möglich sein“, sagte Trainer Fischer, „viele Dinge können Einfluss nehmen. Aber wir befinden uns schon länger in dieser Situation. Natürlich werden es immer weniger Spiele. Jetzt gilt es, diese Niederlage zu verarbeiten und gegen Magdeburg wieder bereit zu sein.“

Union mit HSV-Bezwinger-Elf

Bereit wähnte sich seine Mannschaft auch für Darmstadt, wo bislang nur verloren wurde (0:5, 1:3). „Mut“ hatte Kapitän Trimmel vor der Partie gefordert, Mut, „nach vorn zu verteidigen und den Gegner früh zu stören“. Das tat Union in der ersten Halbzeit über weite Strecken.

Trainer Fischer hatte dafür die Elf auf den Rasen geschickt, die vor einer Woche den HSV mit 2:0 besiegt hatte. Auch Möglichkeiten zur Führung gab es, Julian Ryerson (29.) und Suleiman Abdullahi (38.) prüften Darmstadt-Torwart Daniel Heuer Fernandes, Robert Zulj trat einen Freistoß an den Außenpfosten (32.).

Doch Darmstadt spüren lassen, „dass es bei uns um sehr viel geht“, wie von Trimmel gefordert – das gelang Union nicht, auch wenn jeder „wusste, was passiert, wenn wir heute gewinnen“, wie Michael Parensen erklärte: „Ich lasse mir das Spiel an sich aber nicht kaputt machen. Wir waren nicht gelähmt. Wir waren heiß.“

„Diesen Vorwurf müssen wir uns gefallen lassen“

Auch Trainer Fischer analysierte: „Das Resultat entspricht überhaupt nicht dem Spielverlauf. Aber am Schluss musst du Tore erzielen, das haben wir heute nicht gut gemacht. Diesen Vorwurf müssen wir uns gefallen lassen, obwohl die Möglichkeiten da waren.“

Wie 15 Sekunden nach Wiederbeginn, als Sebastian Andersson aus 15 Metern direkt auf Torwart Heuer Fernandes schoss anstatt ins Tor (46.). Es wäre der perfekte Start in die zweite Halbzeit gewesen.

So aber war es der Weckruf für die Gastgeber, die dann auch prompt zeigten, wie man es besser macht. Tobias Kempe düpierte Unions Innenverteidiger Marvin Friedrich mit einem Pass auf Marcel Heller, der Parensen enteilte, in die Mitte des Strafraums zurückpasste, wo Yannick Stark Union-Keeper Rafal Gikiewicz keine Chance ließ (49.).

Union vergibt beste Chancen zum Ausgleich

Ein Wirkungstreffer für Union, das Glück hatte, dass Schiedsrichter Bastian Dankert (Rostock) in der 54. Minute auf Abseits entschied. Darmstadts Marvin Mehlem stand frei vor Gikiewicz.

Fischer setzte nun voll auf Angriff, brachte mit Joshua Mees (58.), Akaki Gogia (66.) und Sebastian Polter (74.) drei Offensivspieler für die defensiven Ryerson, Manuel Schmiedebach und Parensen. Der Schuss ging nach hinten los.

Stark brachte einen Freistoß in den Union-Strafraum, wo Mathias Wittek ungehindert zum 0:2 einköpfen konnte (77.).

Erst jetzt, mit dem Rücken zur Wand, schnürte Union den Gegner an dessen Strafraum ein. Doch als Lohn gab es nur den Anschlusstreffer durch Andersson (87.) – sowie beste Chancen zum Ausgleich durch Abdullahi und Zulj in der Nachspielzeit, die alle vergeben wurden. Dann folgte die große Leere.

Das Restprogramm im Aufstiegsrennen

1. FC Köln (76:41 Tore/59 Punkte):

• SpVgg Greuther Fürth (A) 6.5.

• SSV Jahn Regensburg (H) 12.5.

• 1. FC Magdeburg (A) 19.5.

SC Paderborn (71:46 Tore/54 Punkte):

• Hamburger SV (H) 12.5.

• SG Dynamo Dresden (A) 19.5.

1. FC Union (49:31 Tore/53 Punkte):

• 1. FC Magdeburg (H) 12.5.

• VfL Bochum (A) 19.5.

Hamburger SV (41:38 Tore/53 Punkte):

• SC Paderborn (A) 12.5.

• MSV Duisburg (H) 19.5.

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