Zweite Liga

Für Union ist der Aufstieg zum Greifen nah

Union hat nach den Patzern des HSV und Paderborns Rang zwei im Blick. Doch der Zweitligist muss zunächst ein kleines Problem lösen.

Christopher Trimmel (r.) greift mit Union nach dem größten Erfolg der jüngeren  Vereinsgeschichte

Christopher Trimmel (r.) greift mit Union nach dem größten Erfolg der jüngeren Vereinsgeschichte

Foto: Andreas Gora / dpa

Berlin. Wohl kaum jemand beim 1. FC Union sehnt den Sprung in die Fußball-Bundesliga mehr herbei als sein Präsident. Seit 2004 ist Dirk Zingler verantwortlich für die Köpenicker, erlebte den Sturz in die Viertklassigkeit, die Rückkehr in den bezahlten Fußball und nun die beste Saison, die der Berliner Zweitligist bislang abgeliefert hat.

Zingler war es auch, der im vergangenen Jahr deutlich machte, dass es in dieser Saison nicht unbedingt darum gehen müsse, die Favoriten 1. FC Köln oder Hamburger SV zu schlagen, sondern vor allem die „kleineren“ Gegner. Jene Mannschaften, die Union hinter sich lassen muss, um in einem Aufstiegsrennen dabei zu sein.

Wenn diese verrückte Spielzeit etwas gezeigt hat, dann war es die Richtigkeit der Zinglerschen Forderung. Am Sonntag, beim Gastspiel in Darmstadt (13.30 Uhr, Sky), muss sie erneut umgesetzt werden. Leichter gesagt als auch getan.

Union-Trainer Fischer warnt vor einem Trugschluss

Ein Blick auf die Statistik zeigt, dass es tatsächlich jene Teams aus der unteren Tabellenregion sind, die der Elf von Trainer Urs Fischer immer wieder Probleme bereitet haben. Denn während gegen den HSV (2:0, 2:2) und Köln (2:0, 1:1) nicht verloren wurde, gab es zum Beispiel in Sandhausen (0:0), Magdeburg (1:1), Aue (0:3) oder auch in Fürth (1:1) schmerzhafte Punktverluste.

„Wir haben die Großen geschlagen, aber in fünf Spielen auch nur drei Punkte geholt“, brachte es Fischer auf den Punkt: „Wer das Gefühl hat, Union hat jetzt leichte Auswärtsspiele – jeder kann jeden schlagen, alles andere ist Augenwischerei. Wer etwas anderes behauptet, hat die Liga nicht von Anfang an verfolgt.“

Und mit Blick auf den Gegner, der den Klassenerhalt längst sicher hat, machte er deutlich: „Wenn du im Kopf hast, dass es für Darmstadt um nichts mehr geht, ist das ein Trugschluss. Wir müssen uns nicht einbilden, dass das ein Spaziergang wird.“

HSV und Paderborn machen den Weg für Union frei

Es gilt, diese mentale Stärke, die es in der Schlussphase einer Saison braucht, nun zu beweisen. Dass Union dabei – ganz dem Duktus Fischers folgend – nur auf sich selbst zu schauen braucht, dafür hat die Konkurrenz zum wiederholten Mal gesorgt.

Was der Hamburger SV am Sonnabend gegen den abstiegsbedrohten FC Ingolstadt abgeliefert hat, war nicht weniger als eine Bankrotterklärung. Das 0:3 (0:1) gegen die Schanzer war der Tiefpunkt einer Mannschaft, die am Druck, unbedingt wieder in die Bundesliga zurückkehren zu müssen, gescheitert ist.

Bereits am Freitag hatte der Tabellenzweite SC Paderborn mit einem 0:2 bei Arminia Bielefeld den Weg für Union auf einen direkten Aufstiegsplatz frei gemacht. Der Aufstieg für die Köpenicker ist also zum Greifen nah.

Union-Kapitän Trimmel warnt vor Herausforderung

Wenn da nicht diese übergeordnete Komponente jenseits der fußballerischen Qualitäten wäre, die durch die Patzer der Mitbewerber eine neue Facette erhalten hat. Die Ergebnisse von Paderborn und dem HSV „haben schon Einfluss, denke ich“, sagte Trainer Fischer, der unter der Woche beim Angeln entspannte, „aber nicht auf unsere Spielweise, sondern im mentalen Bereich.“

Die Frage, die die Profis um Kapitän Christopher Trimmel also beantworten müssen, lautet: Kann Union den Anforderungen, die der Liga-Schlussspurt bereit hält, Stand halten?

„Wir wissen alle, dass du Darmstadt jetzt nicht schlechtreden musst. Die haben in Köln gewonnen“, sagte Trimmel: „Und wir spielen auswärts. Es ist eine Riesenherausforderung. Aber man muss merken, dass es bei uns um sehr viel geht, das ist ganz wichtig. Das wollen wir sie spüren lassen.“

Ist Union bereit für die Aufgabe?

An Selbstbewusstsein sollte es Union also nicht mangeln. Davon ist auch der Trainer überzeugt. „Man hat es gesehen, dass wir uns in den Spielen vor der HSV-Partie ein bisschen schwer getan haben. Vor allem in Fürth, wo wir nicht bereit waren für die Aufgabe“, analysierte Fischer, „aber auch das ist ein Lernprozess, den du durchmachen musst.“

Nur so konnte dem spielerischen Tiefpunkt in Fürth der Befreiungsschlag gegen Hamburg folgen. „Es war wichtig für uns, dass dieses Spiel gegen den HSV so lief, wie es gelaufen ist. Diese positiven Gefühle nimmst du mit für die restlichen drei Spiele. Und das ist dann auch der Ansatz, um so ins Spiel zu kommen, wie du das gegen den HSV über 90 Minuten gespielt hast.“

Fakt ist: Gewinnt Union in Darmstadt (was den Köpenickern bislang noch nicht gelungen ist), kann der direkte Sprung in die Bundesliga schon am vorletzten Spieltag im Ostderby gegen den 1. FC Magdeburg gelingen. Das dürfte nicht nur Klubchef Dirk Zingler gefallen.

Das Restprogramm im Aufstiegsrennen

1. FC Köln (76:41 Tore/59 Punkte):

• SpVgg Greuther Fürth (A) 6.5.

• SSV Jahn Regensburg (H) 12.5.

• 1. FC Magdeburg (A) 19.5.

SC Paderborn (71:46 Tore/54 Punkte):

• Hamburger SV (H) 12.5.

• SG Dynamo Dresden (A) 19.5.

1. FC Union (48:29 Tore/53 Punkte):

• SV Darmstadt (A) 5.5.

• 1. FC Magdeburg (H) 12.5.

• VfL Bochum (A) 19.5.

Hamburger SV (41:38 Tore/53 Punkte):

• SC Paderborn (A) 12.5.

• MSV Duisburg (H) 19.5.

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