Union reloaded

Für Union gilt wieder: erst die Arbeit, dann der Aufstieg

Union hat beim Sieg gegen den Hamburger SV zu seinen Tugenden zurückgefunden und tritt nun an, um mit einem Klischee aufzuräumen.

Unions Mittelfeldspieler Grischa Prömel (l.) gab gegen den Hamburger SV keinen Ball verloren, auch nicht gegen Leo Lacroix

Unions Mittelfeldspieler Grischa Prömel (l.) gab gegen den Hamburger SV keinen Ball verloren, auch nicht gegen Leo Lacroix

Foto: Boris Streubel / Bongarts/Getty Images

Berlin. Die Stimme klang noch etwas brüchig, der Sieg gegen den Hamburger SV hat Kraft gekostet, auf allen Ebenen. Auch bei Urs Fischer. Der Trainer des 1. FC Union hatte am Sonntagnachmittag immer wieder gegen den Hexenkessel Alte Försterei ankämpfen müssen, um seine Elf zu dirigieren.

Am Montag, einen Tag nach dem 2:0 gegen den Bundesliga-Absteiger , sprach Fischer von „einem wegweisenden, einem vorentscheidenden Spiel“, dass die Köpenicker gegen den HSV gewonnen hätten. Nicht von einem Endspiel. Fakt ist: Bei einer Niederlage wären die Chancen auf den Aufstieg auf ein Minimum gesunken. Nun sind sie intakter denn je.

Der Grund dafür ist in den 90 Minuten zu finden, die seine Mannschaft abgeliefert hat. Es war ein Auftritt, der an jene Wochen und Monate anknüpfte, in denen Union sich unter Fischer zum Kandidaten für den Sprung in die Bundesliga entwickelt hat. Union reloaded, getreu dem Motto: erst die Arbeit, dann der Aufstieg.

Union findet sich selbst wieder

„Wir haben als Mannschaft extrem gelitten gegen den Ball“, fasste Mittelfeldspieler Grischa Prömel, Torschütze des zweiten Treffers, zusammen. Laufstark, in den Zweikämpfen unerbittlich, konzentriert wenn es darum geht, die Räume vor dem eigenen Tor eng zu machen – Tugenden, die Union in den fünf Wochen vorher, in denen in fünf Spielen nur drei magere Pünktchen herausgesprungen waren, zu oft vermissen ließ.

Doch warum fanden die Berliner gerade jetzt wieder in diese Spur zurück? Lag es am großen Namen des Gegners, an der Tabellenkonstellation, an den vergangenen fünf sieglosen Partien zuvor? Es wird wohl eine Mischung aus allem gewesen sein, die in den Köpfen der Profis den entscheidenden Impuls auslöste.

„Die Mannschaft war ja selbst nicht einverstanden mit ihrer Leistung beim 1:1 in Fürth“, erklärte Fischer, stufte sein Team als „sehr selbstkritisch“ ein und sprach auch vom „Druck, der beim Gegner, der sich in einer ähnlichen Situation wie wir befand, größer gewesen ist als bei uns“.

Union und der Geist von Kienbaum

Am Ende waren es zwei Schachzüge, die sich auszahlen sollten. Da war zum einen das Kurztrainingslager in der Sportschule Kienbaum. Wobei es wohl eher Mannschaftsabend heißen muss.

Ein Barbecue am Freitagabend, anschließend der Film über den tragischen Flugzeug-Absturz der brasilianischen Fußball-Mannschaft Chapecoense, am Sonnabendmorgen ein gemeinsames Frühstück, ehe es zum Abschlusstraining wieder zurück nach Köpenick ging – das schweißt zusammen.

Zu sehen war dies während der 90 Minuten gegen den HSV. Jeder war für jeden da, rannte, grätschte, kämpfte. „Mit der Einstellung und der Energie ist es schwer, uns zu schlagen“, sagte Prömel.

Union-Trainer Fischer mit taktischem Kniff

Schließlich war es ein taktischer Kniff, der dem angeschlagenen HSV den letzten Nerv zog. „Es waren drei Sechser, die gegen den Ball gespielt haben“, sagte Robert Zulj, gegen die Hamburger offensiver Mittelfeldmann.

Soll heißen: Neben Manuel Schmiedebach, dem etatmäßigen Defensivspieler im Mittelfeld, gesellten sich auch Prömel und überraschend Julian Ryerson. Der Norweger kam erst zu seinem siebten Einsatz, zuletzt stand er beim 2:3 auf St. Pauli in der Startelf.

Nun die Rückkehr, in der der 21-Jährige eine neue Rolle ausfüllen musste. Eigentlich Rechtsverteidiger, musste Ryerson nun „viel mehr Raum bearbeiten“, wie er zugab. Trainer Fischer erklärte die Maßnahme wie folgt: „Es war wichtig, dass wir im Zentrum laufstarke und zweikampfstarke Spieler hatten.“ Der Plan ging auf.

Unions Konkurrenz taumelt

So war der Erfolg gegen den HSV auch ein Beleg dafür, dass Union mit Blick auf die Favoriten im Aufstiegsrennen den gefestigtsten Eindruck macht. Kaum zu glauben, dass der souveräne Spitzenreiter 1. FC Köln seinen Trainer Markus Anfang drei Spieltage vor Saisonende feuert.

Für Armin Veh sei das 1:2 gegen Darmstadt, Unions Gastgeber am Sonntag (13.30 Uhr, Sky), nicht der erste Tiefpunkt in dieser Saison. Vier Spiele ohne Sieg im Endspurt seien „nicht die erste Krise in dieser Saison“ gewesen, „es war schon die dritte. Und das war mir eine zu viel.“

In Hamburg lässt die Weigerung von Lewis Holtby , nicht als Ersatzspieler mit nach Berlin zu reisen, tief blicken. Die Hanseaten präsentierten sich gegen Union nicht mal im Ansatz wie ein Aufstiegskandidat. Trainer Hannes Wolf zieht nun mit einem Trainingslager vor dem Heimspiel am Sonnabend gegen Ingolstadt ab Mittwoch in Malente oder Rothenburg/Wümme seinen letzten Joker.

Union sieht sich für Saisonendspurt gerüstet

Es passt zu dieser verrückten Zweitliga-Saison, dass sich mit dem SC Paderborn mit Trainer Steffen Baumgart ausgerechnet ein Ex-Unioner anschickt, einen Durchmarsch von der Dritten Liga in die Bundesliga hinzulegen.

Union wiederum ist angetreten, um nun endlich mit einem Klischee aufzuräumen. „Es heißt ja immer: Union kann keine Schlussphase einer Saison“, sagte Prömel: „Ich denke aber, wir haben genug Erfahrung in der Mannschaft, genug gestandene Spieler“, um auf den letzten Metern einer Saison nicht doch wieder alles zu verspielen.

Der Sieg, vor allem aber der Auftritt gegen den Hamburger SV war das erste Signal, dass es dieses Mal tatsächlich gelingen könnte.


Das Restprogramm im Aufstiegsrennen

1. FC Köln (76:41 Tore/59 Punkte):

SpVgg Greuther Fürth (A) 6.5.

SSV Jahn Regensburg (H) 12.5.

1. FC Magdeburg (A) 19.5.

SC Paderborn (71:44 Tore/54 Punkte):

Arminia Bielefeld (A) 3.5.

Hamburger SV (H) 12.5.

SG Dynamo Dresden (A) 19.5.

1. FC Union (48:29 Tore/53 Punkte):

SV Darmstadt (A) 5.5.

1. FC Magdeburg (H) 12.5.

VfL Bochum (A) 19.5.

Hamburger SV (41:35 Tore/53 Punkte):

FC Ingolstadt (H) 4.5.

SC Paderborn (A) 12.5.

MSV Duisburg (H) 19.5.

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